Es kommt viel aufs Körpergefühl an

Oberthal. Ein kurzer Blick auf die Bahn, dann ein Anlauf. Die Augen fixieren den Punkt, wo die Kugel hin muss, damit alle Neune fallen. So läuft es beim Kegeln normalerweise ab. Aber was ist, wenn der Kegler nichts sieht? "Es kommt viel aufs Körpergefühl an", sagt Siegrid Jost aus Eppelborn

 Jochen Kapp von Meisterjäger Lebach (rechts) wurde Zweiter im Einzelwettbewerb bei den deutschen Meisterschaften der Blinden und Sehbehinderten. Links: Ralf-Peter Lokat (SG Wolfen).Foto: Semmler

Jochen Kapp von Meisterjäger Lebach (rechts) wurde Zweiter im Einzelwettbewerb bei den deutschen Meisterschaften der Blinden und Sehbehinderten. Links: Ralf-Peter Lokat (SG Wolfen).Foto: Semmler

Oberthal. Ein kurzer Blick auf die Bahn, dann ein Anlauf. Die Augen fixieren den Punkt, wo die Kugel hin muss, damit alle Neune fallen. So läuft es beim Kegeln normalerweise ab. Aber was ist, wenn der Kegler nichts sieht? "Es kommt viel aufs Körpergefühl an", sagt Siegrid Jost aus Eppelborn. Sie ist als Betreuerin der Mannschaft BSG Meisterjäger Lebach bei den deutschen Meisterschaften der Blinden und Sehbehinderten im Oberthaler Kegelsportzentrum dabei. Und hier spielen die Betreuer eine entscheidende Rolle. Sie reichen den Sportlern die Kugeln und geben Hinweise, von wo die Kugel geworfen werden muss. Und natürlich verraten sie, wie viele Kegel gefallen sind - wenn das erwünscht ist. "Aber nicht alle wollen wissen, wie es steht. Manchen ist es auch lieber, wenn sie das erst am Schluss erfahren", berichtet Jost.Mit dem Betreuer wird auch zusammen trainiert. "Bis man einigermaßen kegeln kann, dauert es nur zwei bis drei Monate, aber auch danach gibt es natürlich immer noch etwas zu verbessern", erzählt Uwe Herrmann aus Schmelz, der für die Meisterjäger im Mannschaftswettbewerb und im Einzel an den Start ging.

Herrmann ist gemeinsam mit Jochen Kopp ein Gründungsmitglied der Meisterjäger, die sich 2001 zusammenfanden. Trainiert wird regelmäßig in Lebach. "Normalerweise zwei Mal im Monat, vor großen Wettkämpfen aber auch öfter", berichtet Herrmann. Trotz des fleißigen Trainings lief es für die Meisterjäger in Oberthal aber nicht so gut. 2105 Holz bedeuteten im Mannschaftswettbewerb den achten und letzten Platz - auch weil mit Mechthild Gertes krankheitsbedingt eine Leistungsträgerin fehlte. Nicht viel besser erging es der zweiten saarländischen Mannschaft im Teilnehmerfeld, der BSS Saarbrücken. Die Hauptstädter belegten Rang sieben. Der Titel ging an die BS Münster.

Dafür ging aber eine Einzel-Medaille nach Lebach. Hier holte sich Jochen Kapp mit 694 Holz den zweiten Platz und damit Silber. "Leider hat es nicht zum Sieg gereicht, am Anfang war ich etwas nervös. Aber mit Platz zwei habe ich immerhin mein Minimalziel erreicht", sagte Kapp. Der Lebacher holte seine Medaille in der Kategorie der Sehgeschädigten B3. Diese Kegler verfügen noch über ein Restsehvermögen und können auch - genau wie nichtbehinderte Kegler - mit Anlauf kegeln.

Komplizierter wird es in den Kategorien der Sehgeschädigten B2 und der Blinden. Hier wird entweder aus dem Stand mit einem Ausfallschritt oder ganz aus dem Stand und mit beiden Armen gekegelt. Anhand der Anweisungen der Betreuer und des Abstandes zwischen den Beinen, der von den Sportlern erfühlt wird, bestimmen die Kegler die optimale Abwurfposition. Manche vertrauen auch auf eine Hilfe aus Holz, die auf der Bahn platziert wird. Jeweils hundert Kugeln werfen die Blinden- und Sehbehinderten in die Vollen. Im Mannschaftswettbewerb kegeln Blinde und Sehbehinderte gemeinsam. Um Chancengleichheit zu garantieren, erhält jeder Sportler je nach Grad seiner Sehbehinderung eine Punktzahl. Alle Mannschaften müssen dabei eine Mindestpunktzahl von elf erreichen. Zudem muss pro Team ein Blinder an den Start gehen.

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