"Es ist ein schwerer Abschied"

"Es ist ein schwerer Abschied"

Dudweiler. Seine Finger huschen über die E-Piano-Tastatur, denen er jazzige Rhythmen entlockt. Zuhörer würden kaum glauben, dass Dieter Bellmann 72 Jahre alt ist, so munter wie er an seinen Instrumenten rockt. Auch nicht, dass er schon seit nunmehr 32 Jahren Leiter der Chorgemeinschaft Concordia in Sulzbach ist, die er im Juli verlassen wird

Dudweiler. Seine Finger huschen über die E-Piano-Tastatur, denen er jazzige Rhythmen entlockt. Zuhörer würden kaum glauben, dass Dieter Bellmann 72 Jahre alt ist, so munter wie er an seinen Instrumenten rockt. Auch nicht, dass er schon seit nunmehr 32 Jahren Leiter der Chorgemeinschaft Concordia in Sulzbach ist, die er im Juli verlassen wird. Die SZ hat den Musiker zuhause besucht und ihm auf die Finger geschaut."Eigentlich bin ich Jazzer", sagt Bellmann, den man sich als klassischen Chormeister vorstellt. Als Kind sei er mit Hausmusik aufgewachsen. "Meine Mutter spielte Zither. Bei uns wurde musiziert", sagt er weiter. Und noch in seiner Lehrerausbildung in Saarbrücken in den sechziger Jahren schlug der gebürtige Hesse weiter die klassischen Töne an. "Als Grund- und Hauptschullehrer bin ich zwar Allrounder, aber ohne Instrumentalprüfung, Kompositionslehre und der Ausbildung zum B-Organisten geht nichts", sagt er.

Doch mit Jazz habe er rebelliert: "Ich war wohl ein unbequemer Student, habe mich musikalisch gegen verstaubte Akademiker behauptet. Mit Jazz hab ich mich stark gefühlt", erinnert er sich lächelnd. Dass Musik stark macht, war auch die Botschaft an seine Schüler. "Schulmusik ist die Grundlage der musikalischen Ausbildung eines jeden Menschen für sein ganzes Leben", betont Bellmann ernst.

Der Vollblutmusiker, der bereits neun Chöre leitete, darunter die Thalia in Dudweiler, hat sich seither quer durch alle Musikstile dirigiert. "Ich habe die Concordia immer an den Klängen der Zeit gehalten. Meine derzeit 26 gemischten Sangesstimmen begrüßen das" sagt er.

Viele Chorwerke hat Bellmann schon mit Herzblut beackert: "Manche Partituren musste ich an den Chor anpassen", meint er. Dabei sei es wichtig, dem Komponisten gerecht zu werden, um die Qualität zu halten. "Durch die Notenschreibmaschinen ist jeder digital in der Lage, ein Stück einen Ton tiefer zu machen. Aber das tut nicht jedem Stück gut", weiß der Fachmann. In guten Händen hingegen weiß Bellmann die Concordia: "Der junge Matthias Rayczyk, der auch den Kirchenchor in Sulzbach leitet, wird übernehmen", sagt der Chormeister.

Obwohl er mit seinem Nachfolger glücklich ist, schlägt Bellmann wehmütige Töne an. "Es ist für beide Seiten ein sehr schwerer Abschied. Aber ich muss gesundheitlich kürzer treten. Bei zwei Auftritten im Jahr braucht man Kraft", sagt Bellmann, der bereits 21 Weihnachtskonzerte auf die Beine gestellt hat. Doch der Übergang sei derzeit gerade richtig: "Der Chor ist in Schuss, da mache ich einen sauberen Abgang", sagt er lachend und erinnert sich an so manche Chorwettbewerbs-Szenen. "Wo wir schon zusammen geschwitzt und uns auf Parkplätzen eingesungen haben", witzelt er.

Doch Bellmann wird sich im Chorleiterruhestand nicht ausruhen; er will es in akademischer Hinsicht noch mal wissen. "Im Herbst beginne ich ein Seniorenstudium an der Uni, ich werde wieder Student", sagt er. Und den Jazz wird er wieder mitnehmen.

Mit dem Jubiläumskonzert "Sing and Swing" der Chorgemeinschaft Concordia gibt Dieter Bellmann seinen Abschied. Es findet am Sonntag, 8. Juli, um 17 Uhr in der Aula in Sulzbach statt. Weitere Infos gibt es im Internet.

concordia-sulzbach.de

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