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Zugunglück bei Neuss
„Es hat sich angehört, als ob ein Haus explodiert“

Mitarbeiter der Bahn und Journalisten stehen am Mittwoch in Meerbusch (Nordrhein-Westfalen) an zwei bei einem Unfall beschädigten Zügen.
Mitarbeiter der Bahn und Journalisten stehen am Mittwoch in Meerbusch (Nordrhein-Westfalen) an zwei bei einem Unfall beschädigten Zügen. FOTO: Roland Weihrauch / dpa
Bonn/Meerbusch/Dillingen. Nach dem Zugunglück bei Meerbusch ist jetzt klar: Der verunglückte Personenzug hätte den betreffenden Gleisabschnitt nicht befahren dürfen. Bei dem Unfall waren Dutzende Menschen verletzt worden. Der stehende Güterzug war auf dem Weg von Dillingen nach Rotterdam. Von Christine Kloth
Christine Kloth

(dpa/ko) Der nahe Neuss verunglückte Personenzug hätte den betreffenden Gleisabschnitt nicht befahren dürfen. Das sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen in Bonn am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Warum der Zug, der bei Meerbusch auf einen Güterzug auffuhr, dennoch auf der Strecke unterwegs war, müsse nun geklärt werden. Dies sei keine Schuldzuweisung an den Lokführer: Es müsse noch geklärt werden, ob etwa die Signale falsch geschaltet gewesen oder vom Lokführer übersehen worden seien. Bei dem Unfall waren Dutzende Menschen verletzt worden. Die Fahrtenschreiber beider Züge seien sichergestellt und ausgelesen worden, sagte Sprecher Gerd Münnich. Auch in den Stellwerken wurden demnach Informationen gesichert. Der stehende Güterzug war auf dem Weg von Dillingen nach Rotterdam. Wie eine Sprecherin der Stahl-Holding-Saar heute Morgen unserer Zeitung bestätigte, handelte es sich um einen leeren Zug, der die saarländischen Erzstandorte zuvor mit Erz versorgt hatte.


Nach ersten Erkenntnissen soll der Güterzug ordnungsgemäß gehalten und auf das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet haben. Damit sei die Strecke für den nachfolgenden Verkehr eigentlich gesperrt gewesen. „Der Personenzug hätte in den Abschnitt nicht reinfahren dürfen“, sagte Münnich. Die Bundesstelle stufte die Kollision als schweren Unfall ein, bei der eine Schadenshöhe von zwei Millionen Euro überschritten sein dürfte.

Mit einem schweren Kran soll im Laufe des Tages der verunglückte und stark beschädigte Güterzug in Meerbusch bei Neuss beseitigt werden. „Wir werden zunächst die zerstörte Oberleitung beseitigen müssen“, sagte Bahnsprecher Dirk Pohlmann am Mittwochmorgen. Es sei aber schwierig, zunächst an dem beschädigten Waggon vorbei zu gelangen, auf den am Dienstagabend ein Regionalzug aufgefahren war. Danach werde versucht, die entgleisten Waggons aufs Gleis zu stellen und abzutransportieren. „Wir werden sicher den ganzen Tag über damit beschäftigt sein“, sagte Pohlmann.

Zuvor hatte sich auch der Zugbetreiber überzeugt von längeren Bergungsarbeiten gezeigt. Bei dem Zusammenstoß waren nach Angaben der Bundespolizei etwa 50 Menschen verletzt worden.

Ein Anwohner nahe der Zugstrecke schilderte den Zusammenprall:. „Es hat sich angehört, als ob ein Haus explodiert“, beschreibt er den Moment. Kurz vor dem Aufprall muss der Zugführer geahnt haben, was auf ihn zukommt. Nach Angaben von Marcel Winter, Sprecher des Betreibers National Express, leitete er noch ein Zwangsbremsung ein - und zog sich dann aus dem aller vordersten Teil des Zuges zurück. „Damit hat er vermutlich sein Leben gesichert.“