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„Es gibt keinen Grund, zu trinken“

„Es gibt keinen Grund, zu trinken“

Zum vierten Mal findet die bundesweite Aktionswoche Alkohol statt: von Samstag, 25. Mai, bis Sonntag, 2. Juni. Ziel ist es, alle, die Alkohol trinken – etwa 90 Prozent der Bevölkerung – anzuregen, ihr Trinkverhalten einzuschätzen. Auch im Landkreis St. Wendel gibt es zahlreiche Angebote zu dieser Aktionswoche.

Etwa 80 Menschen sterben pro Jahr im Landkreis St. Wendel an den Folgen des Alkoholkonsums, bundesweit sind es rund 73 000. Diese Zahlen nennt der Leiter des Gesundheitsamtes St. Wendel, Andreas Kramer. Dabei hält er vor allem die Entwicklung beim Thema "Alkohol unter Jugendlichen" für bedenklich. Dort sei die Tendenz steigend, vor allem im ländlichen Bereich, was auch die Vorfälle vom 1. Mai am Bostalsee (wir berichteten) bestätigten. Dort seien gar Jugendliche unter 16 Jahren dabei gewesen. Dazu Kramer: "In diesem Alter sollte man gar keinen Alkohol trinken." Dabei bemängelt er: "In der Gesellschaft herrscht eine weitverbreitete unkritische Einstellung zum Alkohol vor." Kramer wird deutlicher: "Eine Kiste Bier hat auch nach einem Pokalsieg nichts in der Kabine der B-Jugend zu suchen."

Er rät Eltern, nicht nur immer wieder das Gespräch mit ihren Kindern zu suchen und sie aufzuklären, sondern vor allem, Vorbild zu sein. "Entscheidend ist: Was passiert im Elternhaus." Es sei ja gar nicht notwendig, nie zu trinken. Aber: Es sollte ein risikoarmer Konsum sein. Und: An zwei bis drei Tagen in der Woche sollte man gar keinen Alkohol trinken. "Allein, um den Gewöhnungseffekt zu verhindern."

Und er stellt die These auf: "Es gibt keinen Grund, Alkohol zu trinken." Dabei räumt Kramer auch mit Vorurteilen auf, dass Alkohol die Gesundheit fördere. Beispiel: Rotwein beuge Herz-Erkrankungen vor. Dazu Kramer: "Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung haben einen besseren Effekt." Und das Aufräumen mit noch einem Vorurteil liegt Kramer am Herzen: Alkohol in der Schwangerschaft. Dazu Kramer: "Schwangere sollten überhaupt keinen Alkohol trinken. Denn das Kind trinkt mit. Und man würde einem Baby ja auch keinen Alkohol im Glas zu trinken geben." Vor der evangelischen Kirche St. Wendel wird am Freitag, 31. Mai, von 11 bis 15.30 Uhr ein Infostand des Arbeitskreises Gemeindenahe Suchtprävention stehen. Hier gibt es Infos zum Thema Alkohol, interaktive Angebote für junge Leute wie einen Rauschbrillenparcours und Gelegenheit zu Gesprächen. Ansprechpartner ist Martina Scheid, Telefon (0 68 51) 8 01 53 22. Einen Aktionsnachmittag für Jugendliche sowie eine offene Sprechstunde dazu für Eltern, Angehörige und Erwachsene veranstaltet am Dienstag, 28. Mai, das Familienberatungszentrum Marpingen in Kooperation mit der Suchtberatungsstelle Knackpunkt. Zwischen 13.30 und 18 Uhr haben Jugendliche die Möglichkeit, alkoholfreie Cocktails zu mixen oder sich in einem Quiz zum Thema Alkohol zu beweisen.

Ab 14.30 Uhr bietet eine Mitarbeiterin der Suchtberatungsstelle Knackpunkt eine offene Sprechstunde an. Ort ist das Marpinger Familienberatungszentrum, Am Kirmesplatz 10. Ansprechpartner: Sandra Müller, Tel. (0 68 53) 3 00 14. Infostände werden auch in den weiterführenden Schulen im Landkreis St. Wendel stehen. Am Montag, 27. Mai, in der Gemeinschaftsschule Namborn und der Bliestalschule Oberthal, am Dienstag, 28.Mai, in den Gemeinschaftsschulen Theley, Marpingen und Türkismühle und am Mittwoch, 29. Mai, in den Gemeinschaftsschulen Freisen und Primstal. Von Montag, 27. Mai, bis Mittwoch, 29. Mai, gibt es die Infostände auch im Gymnasium Wendalinum, im Cusanus-Gymnasium und in der Gemeinschaftsschule St. Wendel. Ansprechpartner sind die Schoolworker.

Abende der offenen Tür bietet die Suchtselbsthilfe (SSH) St. Wendel an: von Montag, 27. Mai, bis Mittwoch, 29. Mai, jeweils von 18 bis 20 Uhr in den Gruppenräumen der SSH, Brühlstraße 20, St. Wendel. Hier wird über Arbeit, Aufgaben und Ziele der SSH informiert. Ansprechpartner: Ernst Mack, Tel. (0 63 81) 42 99 18. Die Selbsthilfegruppe Anonyme Alkoholiker und die Angehörigengruppe laden für Donnerstag, 30. Mai, ab 19.30 Uhr zum offenen Treffen ein. Ort ist das Landratsamt St. Wendel, Gebäude L, Hintereingang, Mommstraße 31. Ansprechpartner: Charly, Telefonnummer (01 62) 4 24 51 19.

Rauschbrille und Reaktionstest

Infos zum Thema Sucht gibt es auch am Infotag der Selbsthilfegruppe "Helpers! Hilfe zur Selbsthilfe gegen die Sucht". Interessierte können unter anderem Rauschbrillen testen, mit Hilfe des BAK-Rechners die Blut-Alkohol-Konzentration berechnen oder den Reaktionstest der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) absolvieren. Am Samstag, 1. Juni, dauert dieser Infotag von 14 bis 18 Uhr. Ort ist die Praxis für Ergo- und Psychotherapie (HPG), St. Annenstraße 7, St. Wendel. Ansprechpartner: Thomas Giebel, Telefon (0 68 51) 8 02 90 01.

Zum Thema:

Auf einen BlickZum Thema Alkohol gibt es sehr viele Fragen - und auch viele (falsche) Antworten. Das verwirrt oft. Für Aufklärung will Andreas Kramer, der Leiter des Gesundheitsamtes St. Wendel, sorgen. Er sitzt am kommenden Montag, 27. Mai, von 14 bis 15 Uhr am SZ-Lesertelefon und beantwortet alle Fragen zum Thema. Anonym, versteht sich. Hier die Telefonnummer: (0 68 51) 9 39 69 55. him