"Es gibt breite Zustimmung"

"Es gibt breite Zustimmung"

Herr Kessler, Sie haben jetzt nahezu alle betroffenen Interessensvertretungen gehört. Was hält man von Ihrem Vorhaben, Erweiterte Real- und Gesamtschule zu einer Gemeinschaftsschule zusammenzufassen?Kessler: Es gibt im Grundsatz eine breite Zustimmung

Herr Kessler, Sie haben jetzt nahezu alle betroffenen Interessensvertretungen gehört. Was hält man von Ihrem Vorhaben, Erweiterte Real- und Gesamtschule zu einer Gemeinschaftsschule zusammenzufassen?

Kessler: Es gibt im Grundsatz eine breite Zustimmung. Bei Wirtschaftskammern, bei Lehrer-, Schüler- und Elternverbänden - ja selbst die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft sagt, mit dem Zwei-Säulen-Modell von Gymnasium und Gemeinschaftsschule sei man auf dem richtigen Weg. Einzig der Realschullehrerverband äußert Bedenken. Aber hier werde ich weiter für Verständnis werben. Ebenso wie bei der Landtags-Opposition.

Ein junges Elternpaar weiß nicht, was es von der Einführung der Gemeinschaftsschule halten soll. Wie überzeugen Sie sie?

Kessler: Eltern sollten die Gemeinschaftsschule dann wählen, wenn sie das Tempo auf dem achtjährigen Gymnasium zu schnell finden. Dort ist der Lehrplan verdichtet. Außerdem ist die Gemeinschaftsschule der richtige Weg, wenn die Bildungslaufbahn des Kindes noch nicht so früh festgelegt werden soll - etwa weil unklar ist, ob das Kind später das Abitur schaffen wird. In der Gemeinschaftsschule kann man nach der 8. Klasse einen Hauptschulabschluss machen, nach der 10. Klasse die Mittlere Reife oder nach Klasse 13 das Abitur. Außerdem fördert das längere gemeinsame Lernen in der Gemeinschaftsschule neben den fachlichen auch die sozialen Kompetenzen eines Kindes.

Was sind die Nachteile der Gemeinschaftsschule?

Kessler: Es gibt keine.

Wenn die Gemeinschaftsschule die Möglichkeit eröffnet, das Abitur in neun Jahren zu erreichen, heißt das dann, dass der Ansatz des achtjährigen Gymnasiums gescheitert ist?

Kessler: Nein. Wir haben unterschiedlich begabte und leistungsfähige Kinder sowie verschiedene Lerntypen. Um diesen Unterschieden gerecht zu werden, bieten wir zwei Schulformen für den Weg zum Abitur an.

Die Oppositionsparteien SPD und Linke, von denen Sie Stimmen für eine Verfassungsänderung zugunsten der Gemeinschaftsschule brauchen, fordern vor allem eine Gleichwertigkeit von Gymnasium und Gemeinschaftsschule. Wie wollen Sie diese garantieren?

Kessler: Wir werden beide Schulformen gleichberechtigt in der Verfassung festschreiben - und in der Ausformulierung festlegen, dass man in beiden die Allgemeine Hochschulreife (das Abitur) erwerben kann. Zudem werde ich darauf achten, dass kein Standort benachteiligt wird. Dort, wo es die Schülerzahlen möglich machen, wird die Gemeinschaftsschule eine eigene Oberstufe erhalten. Dort, wo es nicht genügend Schüler dafür gibt, werden Kooperationen mit anderen Gemeinschaftsschulen oder auch Gymnasien eingerichtet.

Muss man auch mit Schulschließungen rechnen?

Kessler: Nein. Die Einführung der Gemeinschaftsschule soll ja gerade - im Rahmen einer Schulentwicklungsplanung - Schulschließungen an dem einen oder anderen Ort vermeiden, weil sie alle Bildungsabschlüsse in einer Schulform vereint anbietet. Damit ist die Gemeinschaftsschule genau die richtige Antwort auf den Schülerrückgang im Saarland. 1996 sind übrigens wegen der rückläufigen Schülerzahlen bereits die Hauptschulen im Saarland abgeschafft worden. Und das war eine parteiübergreifende Entscheidung!

Wenn Sie an die beiden Oppositionsparteien einen Wunsch richten könnten, wie würde der lauten?

Kessler: Dass sie sich jenseits von parteipolitischer Taktik und ideologischen Vorbehalten für einen Weg öffnen, der für Eltern und Kinder sowie angesichts der demographischen Entwicklung Vorteile hat.

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