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"Es brennt, es brennt!"

"Es brennt, es brennt!"

Saarbrücken. Feine Herrschaften flanieren über den St. Johanner Markt von Saarbrücken, Kinder spielen munter auf der Straße, Mägde preisen auf dem Bauernmarkt ihre Waren an. Die Infanterie marschiert auf, schließlich ist Saarbrücken Garnisonsstadt, die Soldaten gehören zum Alltagsbild

Saarbrücken. Feine Herrschaften flanieren über den St. Johanner Markt von Saarbrücken, Kinder spielen munter auf der Straße, Mägde preisen auf dem Bauernmarkt ihre Waren an. Die Infanterie marschiert auf, schließlich ist Saarbrücken Garnisonsstadt, die Soldaten gehören zum Alltagsbild. Das muntere Treiben findet jäh ein Ende, als plötzlich die Kinder anfangen zu schreien: "Es brennt, es brennt!" Es ist ein Tag im Jahre 1911, just als in Saarbrücken die erste Berufsfeuerwehr gegründet wird.100 Jahre Berufsfeuerwehr Saarbrücken, ein Jubiläum, das am Samstag mit einer historischen Zeitreise über 5000 Besucher auf den Markplatz lockte. 400 Komparsen drehten das Rad der Zeit zurück und die Feuerwehr demonstrierte dabei eindrucksvoll, was damals ein Großbrand auslöste.

Damals einen Brand zu bekämpfen bedeutete, mit primitiven Hilfsmitteln zu arbeiten. Die Gerätewagen mussten von Hand gezogen werden, im günstigsten Fall waren es Pferde, die vor den Hauptwagen gespannt wurden. Mechanische Leitern, Wagen und Karren, Saug- und Druckspritzen, Rettungsschläuche, Sprungtücher - das waren die Utensilien, mit denen die Feuerwehr arbeitete. Zu dieser Zeit standen bereits 1200 Hydranten zur Verfügung, installiert von den Stadtwerken. 1909 zählte die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Saarbrücken 450 Mann, mit den Werksfeuerwehren waren es etwa 570. "Selbst bei schärfster Gangart brauchen die Feuerwehrleute mit ihren von Hand bewegten Geräten rund 15 Minuten, um einen Kilometer Weg zurückzulegen. Völlig erschöpft kommen sie dann an der Brandstelle an", merkte der Stadtbaumeister Ludwig Knipper damals an. Er legte den Grundstock zur Berufsfeuerwehr, organisierte das Melde- und Alarmwesen und die Feuerlöschtätigkeit. Knipper wurde erster Branddirektor Saarbrückens.

Ein Eckhaus am St. Johanner Markt steht am Samstag im Mittelpunkt der historischen Übung. Das, was Knipper auf den Weg brachte, soll nachgestellt werden. "Feuer, wir brauchen Hilfe", ruft der Brandmeister. Mit seiner Signalpfeife macht er auf das Unglück aufmerksam, setzt damit die Rettungskette in Gang. Die Infanterie (Traditionsverein Regiment Graf Werder) eilt zur Hilfe, die ersten Feuerwehrleute rücken an. Pumpen, pumpen, pumpen, bis dann - nach einer gefühlten Ewigkeit - das Wasser aus den Spritzen schießt. An einer Stelle wird gelöscht, an anderer Stelle werden Menschen aus dem künstlich qualmenden Haus gerettet, quer über den Markt hat sich eine Kette Eimer weiterreichender Männer gebildet. Früher war es Plicht, dass Bürger bei Löscharbeiten halfen, also müssen auch die Zuschauer ran. Mit den Eimern holen sie aus dem Markt-Brunnen Wasser und transportieren es bis zum verqualmten Haus. Etwa eine halbe Stunde dauert der Einsatz, den die Feuerwehrmänner, historisch gekleidet, demonstrieren.

Roland Demke, Chef der Berufsfeuerwehr, zeigte sich mit der Darstellung zufrieden, wenngleich es gar nicht so einfach gewesen ist, den Löscheinsatz durch die große Menschentraube zu leiten. Er selbst schlüpfte in die Rolle des Branddirektors Knipper. Er begrüßte am Samstag Knippers Enkel, Heinrich Kalbfuß, der eine Auszeichnung für das Engagement des Großvaters entgegen nehmen durfte. "Es war beeindruckend", "eine tolle Sache", solche und ähnliche Aussagen waren von den Darstellern zu hören. Vor allem die 100 Komparsen, die sich über den Fundus des Staatstheaters einkleideten und das Volk spielten, zeigten sich begeistert. Darunter auch die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, die mit ihrem Sicherheitsdezernenten Harald Schindel in feinem Bürgertuch über den Markt flanierte. Über die hohe Resonanz zur historischen Übung meinte sie: "Ich habe es mir genau so gewünscht."

Die Zeitreise in die Vergangenheit gehörte zum Auftakt einer Reihe von Jubiläumsveranstaltungen der Berufsfeuerwehr Saarbrücken. Höhepunkt wird der Tag der offenen Tür am Sonntag, 5. Juni, sein.