1. Saarland

Erstmals etwas mehr Arbeitslose

Erstmals etwas mehr Arbeitslose

Von einer Delle spricht die Agentur für Arbeit: Im April gab es zwar nicht viel, aber erstmals seit langem mehr Arbeitslose als im Vormonat. Und mehr junge Leute haben noch keinen Ausbildungsplatz gefunden.

Saarlouis. "Nachdem sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2011 sehr gut entwickelt hatte, stellen wir fest, dass die Dynamik jetzt etwas nachlässt", kommentiert Hans-Hartwig Felsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Saarland, die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Saarlouis im April. "Die Arbeitskräftenachfrage der Betriebe hat etwas an Schwung verloren und liegt deutlich unter dem Vorjahresniveau. Viele Betriebe haben im vergangenen Jahr ihr Stammpersonal deutlich aufgestockt und inzwischen ist vielerorts bereits eine gewisse Sättigung eingetreten. Des Weiteren stoßen wir bei der Deckung des Kräftebedarfs in einigen Bereichen zunehmend an qualifikatorische und demografische Grenzen."In Zahlen heißt das: Die Arbeitslosenquote stieg leicht von 5,6 auf 5,7 Prozent. Sie blieb zwar noch unter der Vorjahresmarke (5,9 Prozent) - aber nur noch knapp. 5815 Frauen und Männer wurden als arbeitslos gezählt, 72 mehr als im März.

Felsch: "Ausschlaggebend für den Anstieg im Bereich des Jobcenters waren eine Vielzahl von Arbeitslosmeldungen nach Beendigung von Ereignissen, die mit Veränderungen in den Lebenslagen der Stellensuchenden im Zusammenhang standen, wie Rückmeldungen aus Arbeitsunfähigkeit."

Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit von März auf April waren nur Frauen betroffen. Ihre Zahl ist um rund 100 auf 2770 gestiegen (immer noch 10,7 Prozent weniger als im April 2011). Die Zahl der arbeitslosen Männer ist um rund 30 auf 3040 gesunken (im Vergleich zum Vorjahr aber 3,4 Prozent mehr). In den letzten vier Wochen wurden im Kreis rund 750 junge Arbeitslose unter 25 Jahren gezählt, zwölf mehr als im März und 230 mehr als vor einem Jahr (plus 43,8 Prozent). Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vorjahr beruht hauptsächlich auf höheren Arbeitslosmeldungen seit Februar dieses Jahres aus dem Bereich der Zeitarbeit. Hier waren von Entlassungen auch viele jüngere Menschen unter 25 Jahren betroffen.

1863 Menschen waren im April länger als ein Jahr ohne Beschäftigung: 54 mehr als im März, 22 mehr als vor einem Jahr. Im April waren 450 Ausbildungsstellen unbesetzt und 710 Bewerberinnen und Bewerber noch ohne Ausbildungsstelle - 6,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Felsch geht für die kommenden Monate von einer "moderat" positiven Entwicklung aus.

Meinung

Zahlen zeugen von Unsicherheit

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Der monatliche Bericht vom Arbeitsmarkt lässt erkennen, dass die Erholung an Kraft verliert. So haben viele junge Leiharbeiter, die im Februar ihren Job verloren, noch keine neue Beschäftigung gefunden. Die Zahl Langzeitarbeitsloser stagniert. Die Zahlen lassen auch den Schluss zu, dass die Wirtschaft insgesamt eher unsicher auf ihre eigene Zukunft schaut. Wäre sonst (trotz größerer Schulabgangszahlen) erklärbar, dass wieder mehr junge Leute Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden? Wo doch gleichzeitig dauernd die Rede ist vom absehbaren Fachkräftemangel? Politisch darf da ruhig mal über zusätzliche staatliche Aktivitäten nachgedacht werden.