1. Saarland

Erstmal den Bedarf prüfen

Erstmal den Bedarf prüfen

Völklingen. Die geplante neue Osttangente zwischen Völklingen und Püttlingen ist derzeit politisch heiß umstritten

Völklingen. Die geplante neue Osttangente zwischen Völklingen und Püttlingen ist derzeit politisch heiß umstritten. In einem wichtigen Punkt sind sich Verfechter und Gegner dieses Straßenbau-Projektes jedoch einig: Die Umgehungsstraße sollte nicht isoliert geplant werden; die Planer sollten vielmehr die Verkehrssituation rund um die Mittelstadt als Ganzes in den Blick nehmen und ein Gesamtkonzept dafür entwickeln.

Zentrale Bausteine dabei sind einerseits die Saaruferstraße an der Autobahnabfahrt Stangenmühle, andererseits die von dort abzweigende Kokerei-/ Raffineriestraße, die zu den neuen Gewerbegebieten auf dem Gelände der ehemaligen Saarland-Raffinerie und der früheren Kokerei-Fläche schräg gegenüber führt und dann weiter Richtung Velsen. Beides sind Landesstraßen. Und für beide hat der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) Pläne in der Schublade.

Die Raffineriestraße, sagt LfS-Sprecher Hans-Werner Sommer auf SZ-Nachfrage, soll zwischen Velsen und der Einmündung der Klarenthaler Warndtstraße noch in diesem Jahr saniert und verbreitert werden. Aber nur ein bisschen verbreitert, sie soll weiterhin zweispurig bleiben: Sommer erläutert, dass "nach Überprüfung der vorhandenen und prognostizierten Verkehrsmengen" eine dritte Spur bei Velsen "nicht notwenig beziehungsweise nicht zwingend erforderlich" sei.

Fürs kommende Jahr, spätestens aber für 2011, steht die Sanierung des anschließenden Landstraßen-Stücks bis zur Einmündung der Klarenthaler Kreisstraße auf dem Programm - ohne Verbreiterung, der LfS hat den bisherigen Querschnitt für ausreichend befunden.

Die Saaruferstraße, also die Autobahnabfahrt Stangenmühle, ist wiederum ein Kapitel für sich. Sie müsse ausgebaut werden, fordern Vertreter der Stadt Völklingen - so auch Oberbürgermeister Klaus Lorig, der dies im SZ-Gespräch geradezu zur Voraussetzung gemacht hat für die Osttangentenpläne. Der LfS ist in dieser Frage zurückhaltender: Ob an der Stangenmühle eine dritte Spur in Richtung Velsen benötigt werde, müsse man neu berechnen. Ehe man plane, müsse man erst einmal in Kenntnis bringen, wie viel zusätzlichen Verkehr die Neuansiedlung von Großbetrieben mit sich bringe - Sommer nennt das Stichwort "Fischzucht". Wenn denn eine dritte Spur nötig sei, könne man sie eventuell über die stillgelegte Bahntrasse führen.

Auf einen Blick

Lärmschutz für Luisenthal: So lautet eine Völklinger Forderung im Zusammenhang mit der geplanten Osttangente. Auf Drängen der Stadt Völklingen hat der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) untersuchen lassen, wie stark der Stadtteil schon jetzt durch Verkehrslärm belastet ist. Nach LfS-Auskunft liegt das Gutachten seit März auch im Rathaus vor.

Die Lärm-Grenzwerte, die das seit 1. April 1974 gültige Bundes-Immissionsschutzgesetz vorgibt, werden danach an 148 Luisenthaler Anwesen überschritten, und zwar ausschließlich durch den Verkehr auf der Bundesstraße 51. An drei weiteren Anwesen gibt es zusätzlich Überlagerungen mit dem Lärm der Autobahn 620; also sind 151 Anwesen betroffen.

Zwei Bundes-Straßen - also ist für Lärmschutz der Bund zuständig. Aber nicht verpflichtet: Wie der LfS erläutert, ist Lärmschutz an "Altstraßen", die es schon vor Inkrafttreten des Gesetzes gab, nur als freiwillige Leistung denkbar, abhängig von der Haushaltslage.

Technisch ist laut LfS in Luisenthal kein aktiver Lärmschutz (etwa durch Schallschutzwände) möglich, sondern nur passiver (etwa durch Schallschutzfenster). dd