1. Saarland

Erschütternde Worte einer KZ-Insassin

Erschütternde Worte einer KZ-Insassin

Draußen kreischte die Kreissäge von der Baustelle, drinnen herrschte betretenes Schweigen. Die Holocaust-Überlebende Henriette Kretz erzählte am Dienstagmorgen vor drei Abschlussklassen der Christian-Kretzschmar-Schule ihre Lebensgeschichte.

"Es tut mir jedes Mal weh, wenn ich von den Massenerschießungen und den Deportationen rede. Aber es muss sein, nur so lässt sich die Erinnerung wach halten", sagte Jüdin aus Polen vor rund 80 Schülern. Eine geplante Diskussion nach dem Vortrag fiel aus. Die 78-jährige Kretz bot den erstaunten Schülern allerdings an, alle ernst gemeinten Fragen zum Holocaust umgehend per E-Mail zu beantworten. "Es war der vierte Zeitzeugenbesuch in den vergangenen sechs Jahren", sagte Schuleiter Hans Patar.

Mit elf Jahren Waise

Die Erweiterte Realschule sei sehr froh über die Zusammenarbeit mit dem Maximilian-Kolbe-Werk, welches den Besuch vermittelt hatte. Die gemeinnützige Organisation hilft Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos aus Polen und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Henriette Kretz floh mit ihrer Familie 1939 als Sechsjährige vor den deutschen Truppen aus dem südöstlichen Polen nach Sambor im heutigen Serbien. Dort wurde sie 1941 ins jüdische Ghetto zwangsumgesiedelt. Mehrmals entkam die Familie der drohenden Erschießung und Deportation. Als das Versteck der Familie bei einem Feuerwehrmann eines Tages aufflog, musste die Elfjährige zusehen, wie Nationalsozialisten ihre Eltern erschossen.

Henriette Kretz konnte indes fliehen und fand Zuflucht in einem katholischen Waisenhaus, in dem sie später von Sowjetsoldaten befreit wurde. Nach dem Krieg wurde die Zeitzeugin Lehrerin für Französisch in Israel. Heute lebt Henriette Kretz verheiratet in Antwerpen und spricht mehrfach im Jahr vor Schulklassen über den Nationalsozialismus.