1. Saarland

Erschreckende Daten aus den Radarsäulen

Erschreckende Daten aus den Radarsäulen

Püttlingen. Die neuen stationären Radaranlagen in der Bahnhofstraße und In der Humes (Straße zur Klinik) beherrschen seit ihrer Installation am vergangenen Mittwoch die Gespräche in Püttlingen. Als sich Bürgermeister Martin Speicher am Samstag zum Einkaufen aufmachte, war ihm klar, dass ihn die Leute sogar auf der Straße darauf ansprechen würden

Püttlingen. Die neuen stationären Radaranlagen in der Bahnhofstraße und In der Humes (Straße zur Klinik) beherrschen seit ihrer Installation am vergangenen Mittwoch die Gespräche in Püttlingen. Als sich Bürgermeister Martin Speicher am Samstag zum Einkaufen aufmachte, war ihm klar, dass ihn die Leute sogar auf der Straße darauf ansprechen würden. Die ersten Beiträge waren nach Worten des Verwaltungschefs aufbauend: "Endlich passiert was!", habe ihn ein Herr beglückwünscht, nach dessen Beobachtung in der Stadt zu schnell gefahren werde und der sich ein wirkungsvolles Einschreiten wünscht. Speicher hat aber auch schon andere Stimmen vernommen. Sie schimpfen vorsorglich über "Abzockerei" oder "Wegelagerei". Derlei Mutmaßungen tritt das Püttlinger Ordnungsamt strikt entgegen. So lasse man sich die Verkehrsüberwachung jährlich etwa 100 000 Euro kosten, an Einnahmen kämen aber nur 50 000 Euro hinein, wie Bernd Blaes grob überschlägt. Von "Kassieren" könne also keine Rede sein, im Gegenteil, man lasse sich die Verkehrssicherheit, vor allem an Gefahrenstellen und an schutzwürdigen Stellen etwas kosten.Wie andere Gemeinden auch, so stellte Püttlingen zuletzt mobile Tempo-Messanlagen auf. Die Erfahrung zeigte, dass mit ihrer Hilfe das Temponiveau an den einzelnen Messstellen kaum beeinflusst wurde. "Wenn wir an der gleichen Örtlichkeit im Abstand von einigen Tagen oder Wochen den Verkehr überwachen, bleibt die Häufigkeit der Verstöße nahezu unverändert, das Fahrverhalten ändert sich nicht", so der Bürgermeister. Mit den neuen stationären Überwachungsanlagen setze man an genau diesem Punkt an. Es sei das Ziel, mit Hilfe der Säulen nachhaltig auf die Verkehrsteilnehmer einzuwirken, also zur Einhaltung der Tempolimits zu bewegen und die Zahl der Verstöße zu senken. Idealerweise auf null. In den nächsten Tagen sollen weitere Mess-Säulen aufgestellt werden, und zwar in der Köllner Straße, der Riegelsberger Straße und der Hauptstraße in Etzenhofen. Ob in der Sprenger Straße in Köllerbach eine Säule aufgestellt wird, ist aus technischen Gründen noch nicht entschieden.

Am gestrigen Montag wurden die ersten Messergebnisse aus den Überwachungsanlagen ausgelesen. Die Ergebnisse sind, zumindest für die Straße zum Krankenhaus teilweise "erschreckend", so Bernd Blaes. Von Mittwoch bis Montagmorgen wurden in der Humes 321 Fahrzeuge geknipst, die schneller als 60 fuhren. Erlaubt sind 30. Fotografiert wurde übrigens nur der von der Klinik wegfließende Verkehr. In der Bahnhofstraße, wo werktäglich 10 000 Fahrzeuge verkehren, fuhren pro Tag zwischen 130 und 190 Autos schneller als 60. Erlaubt sind 50. Am Samstag wurde ein Wagen mit 99 km/h registriert, am Sonntag auf Eis einer mit 73 km/h. Hier wurde der Verekhr in beiden Fahrtrichtungen überwacht. Die saarlandweit einmaligen Anlagen aus deutscher Fertigung sind dem Vernehmen nach "gerichtsfest". (Weiterer Bericht folgt)

Hintergrund

Maßnahmen, durch die von staatlicher Seite die Geschwindigkeit von Fahrzeugen überwacht wird, gibt es fast so lange wie das Auto selbst - obwohl die "Motorkutschen" in den Anfängen sehr langsam waren. In Großbritannien war bis 1896 vorgeschrieben, dass ein Mann mit einer roten Flagge vor einem Auto laufen musste, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. Ein erstes mobiles Radargerät zur Tempoüberwachung wurde in Deutschland 1959 eingesetzt.

Seit Juli 2004 sind saarländische Kommunen befugt, den fließenden Verkehr zu überwachen. Seit 2012 dürfen sie dabei auch private Dienstleister beteiligen. Das Püttlinger Projekt bedurfte der Genehmigung von Innenministerium, Zentraler Bußgeldbehörde des Landesverwaltungsamtes und des Landesdatenschutzbeauftragten. red/wp