Er spielte dort, wo Sisi getraut wurde

Wolfersweiler. Der St. Wendeler Klavierlehrer Walter Seiler erteilte dem elfjährigen Karl-Heinz Fries aus Hirstein im Jahre 1956 den ersten Klavierunterricht und förderte so das in ihm schlummernde musikalische Talent. Der Junge zeigte viel Interesse, übte fleißig und kam gut voran

Wolfersweiler. Der St. Wendeler Klavierlehrer Walter Seiler erteilte dem elfjährigen Karl-Heinz Fries aus Hirstein im Jahre 1956 den ersten Klavierunterricht und förderte so das in ihm schlummernde musikalische Talent. Der Junge zeigte viel Interesse, übte fleißig und kam gut voran. Er war gerade 14, als er gefragt wurde, ob er in der evangelischen Kirche in Hirstein einen Gottesdienst spielen wolle. Gerne übernahm er damals dieses Amt. Es sollten 45 Jahre daraus werden. Erst als die Kirche in seinem Heimatdorf geschlossen wurde, wechselte er nach Wolfersweiler. Dort teilt er sich zurzeit die vorhandene Stelle mit der Organistin und ist vertraglich verpflichtet, 60 Gottesdienste im Jahr mit der Orgel zu begleiten. Seit der früher am Gymnasium Wendalinum in St. Wendel tätige Pädagoge im Ruhestand ist, hat er viel mehr Zeit, auch in anderen Kirchen Vertretungen zu übernehmen. Dabei beschränkt er sich nicht auf evangelische Kirchen. Mindestens ebenso oft greift Karl-Heinz Fries in katholischen Gotteshäusern in die Tasten. Wenn es mal irgendwo "brennt", wird er gerufen und um eine Vertretung gebeten, der er gerne nachkommt. So reist er in der ganzen Region herum, spielt in Nohfelden, Türkismühle und Dörrenbach, in Lautenbach, Namborn und in Oberthal, wo er seit 1969 wohnt. Selbst Kirchen im Birkenfelder Land sind ihm nicht fremd. Inzwischen kennt er das Evangelische Kirchengesangbuch und das katholische "Gotteslob" von vorne bis hinten. "Neulich hat jemand zu mir gesagt, ich sei das Paradebeispiel eines ökumenischen Organisten", lachte der Kirchenmusiker, der sich bescheiden als "biederen Dorforganisten mit D-Prüfung" bezeichnet. Kirchenlieder, die er ganz besonders liebt, hat er, wie er zugibt, nicht. Zwar spielt er in den Gottesdiensten beider Konfessionen oft das traditionelle Liedgut. Am liebsten aber sind ihm die modernen Kirchenlieder, die von den Kirchen- und Jugendtagen in die Gotteshäuser gelangt sind. Noch nie habe er einen Gottesdienst versäumt, in dem er die Orgel spielen sollte. "Dafür habe ich aber schon erlebt, dass der Pfarrer nicht da war." Zwei Erlebnisse haben sich ihm besonders eingeprägt. Er durfte einmal auf der Orgel in der Matthias-Kirche in Budapest spielen, in der Kaiserin Sisi getraut wurde. Und es wurde ihm einmal erlaubt, dem original Flügel in Bad Ischl in Oberösterreich Töne zu entlocken, auf dem einst der Operettenkomponist Franz Lehár gespielt hat. An diesem Sonntag, 12. Juli, zehn Uhr, feiert die Evangelische Kirchengemeinde Wolfersweiler mit Karl-Heinz Fries zusammen einen Gottesdienst. Darin wirken auch das Quartett des Oberthaler Männerchores und ein Klarinettenduo mit. Anschließend ist ein Empfang im Gemeindezentrum vorgesehen. gtr

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