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Er bleibt mit dem Rollstuhl hängen

Er bleibt mit dem Rollstuhl hängen

St. Wendel/Alsweiler. Jörg Rullof ist sauer. Denn der 44-Jährige, auf den Rollstuhl angewiesen, kommt in St. Wendel nicht weiter. Deshalb meidet der Gehbehinderte aus dem Marpinger Ortsteil Alsweiler die Innenstadt, macht einen großen Bogen um sie

St. Wendel/Alsweiler. Jörg Rullof ist sauer. Denn der 44-Jährige, auf den Rollstuhl angewiesen, kommt in St. Wendel nicht weiter. Deshalb meidet der Gehbehinderte aus dem Marpinger Ortsteil Alsweiler die Innenstadt, macht einen großen Bogen um sie.Der Grund: Mit seinem Gefährt bleibe er an vielen Stellen einfach hängen: "Pflastersteine in der Fußgängerzone, Treppen vor den Geschäftseingängen, zu wenige Behindertenparkplätze und abgesenkte Bordsteine."

Weil ihm das auffiel, habe er sich an die Stadtverwaltung gewandt, um Hilfe zu bekommen. Er wies auf die Schwierigkeiten hin. Mehrmals, wie er berichtet. "In der Anfangszeit, seit ich im Rollstuhl sitze, habe ich mich viel bei der Stadt St. Wendel beschwert." Doch der Erfolg sei gleich null: "Von der Stadt sind nicht sehr nette Briefe zurückgekommen, mit Argumenten, wie "Rom ist nicht an einem Tag gebaut worden". Trotz der Verbesserungsvorschläge, die ich gemacht habe, hat sich nichts geändert."

Das bedeutet für Rullof: In den Amtsstuben sitzen Planer, "die Hindernisse für Rollstuhlfahrer gar nicht sehen". Diese Menschen sollten sich selbst mal in einen Rollstuhl setzen und testen, ob sie durchkommen. Rullof: "Dann würden sie sehen, wie anstrengend es für einen Rollstuhlfahrer ist."

Konkreter Kritikpunkt: die Pflastersteine in der City. Die sähen zwar gut aus, seien aber nichts für Menschen im Rollstuhl. Sein Vorschlag: "Es gibt auch Fußgängerzonen, wo zusätzlich für diese Personen ein glatter Fußwegstreifen ist."

Außerdem resigniert Jörg Rullof vor Veranstaltungen. Viele könne er gar nicht nutzen, weil ihre Gebäude nicht barrierefrei seien. Sein Resümee: "Wenn man alleine ist und so viele Hindernisse sieht, dann bleibt man lieber zu Hause vorm Fernseher sitzen."

Die SZ fragte am Freitag dazu Bürgermeister Klaus Bouillon. Der reagierte überrascht, versicherte aber, den konkreten Fall zu überprüfen. "Ich werde mir das Schreiben zeigen lassen und auch unsere Antwort." Ansonsten reagiere seine Verwaltung immer auf Anregungen. So seien bereits zahlreiche Bürgersteige abgesenkt worden. "Bei Neubaumaßnahmen richten wir uns immer danach."

- Übrigens: Der Alsweiler hat trotz aller heftiger Kritik ein Lob übrig: für das Warenhaus in St. Wendel. "Über Globus kann ich nur Gutes berichten. Wenn ich mich heute über irgendwas beschwere, dann ist es auch am nächsten Tag schon geändert." Das gelte sowohl für den Baumarkt als auch für den Handelshof. "Für Rollstuhlfahrer sehr gut!" hgn

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