Entwürfe für neue Kirchenfenster in Originalgröße an Abteikirche in Tholey gehängt

Kostenpflichtiger Inhalt: Entwürfe für neue Kirchenfenster präsentiert : Tholey rüstet sich für neue Touristen-Ströme

Gerhard Richters Fenster sollen den Dialog mit den Menschen fördern, wünscht sich die Tholeyer Benediktinerbruderschaft.

Sie sind ein Aushängeschild, im wahrsten Sinne des Wortes. Als Banner in Originalgröße hingen gestern erstmals die drei Entwürfe Gerhard Richters an der Fassade der Abteikirche in Tholey und zeigten ihr Potenzial. Sie messen 1,95 mal 9,3 Meter, und sie schlicht „schön“ zu nennen, wie es sich der weltberühmte Maler in einem Interview wünschte, fällt wahrlich leicht. Sie wirken malerisch-beschwingt, ornamental wie ein orientalisches Teppichmuster, arbeiten mit der Spiegelung desselben Motivs. Damit sind sie ein Gegenentwurf zu Richters Fenster im Kölner Dom (2007), das er als strenges geometrisches Farbspiel am Computer entwickelte. Dieses Werk missfiel dem mittlerweile verstorbenen Joachim Kardinal Meisner derart, dass er seinen Bischofssitz verlegen wollte. Nein, so wird das in Tholey nicht kommen. Im Gegenteil. Die Tholeyer Fratres freuen sich bereits jetzt auf ihr Morgenlob ab 2020, nach der Einweihung der Fenster, das durch Richters Lichtkomposition neu erlebbar sein werde, wie Frater Wendelinus gestern ausführte. Und zwar im Sinne der Bedeutung des lateinischen Begriffes „beatus“. Seligkeit, Reichtum, Pracht - ja, das wird wohl so kommen. Den Bannern fehlte freilich noch die Vielschichtigkeit und Leuchtkraft des Glases. Nur einen Tag lang waren sie zu sehen.

Gestern fand die offizielle Medien-Präsentation der Entwürfe statt, die die Saarbrücker Zeitung zuvor exklusiv veröffentlicht hatte. Abt Mauritius Choriol und Frater Wendelinus zeigten sich in der Aula der Abtei rundum beglückt vom „Geschenk“, das einer der teuersten Künstler der Welt Deutschlands ältestem Kloster (7. Jhd.) macht: Richter arbeitet ohne Honorar. Der Wert liegt für die Fratres jedoch jenseits des Kunstmarktes, jenseits des Materiellen, sie erhoffen sich mit Hilfe der Kunst einen zeitgemäßen Zugang zu den Gläubigen, die sie, zunehmend als „Suchende“ erleben. Auch Richters Werk stelle Fragen, so der Abt. Kunst fordere heraus, meinte auch Frater Wendelinus: „Über sie können wir mit den Menschen in Dialog geraten. Jetzt können wir die Menschen mit allen Sinnen ansprechen.“  Gleichwohl erwartet sich die Abtei, die bis dato rund 50 000 Besucher im Jahr hatte, natürlich auch einen touristischen Mehrwert durch massiven Besucherzuwachs. Beziffert wurde der gestern nicht, Vergleichszahlen findet man womöglich in Münster. Dort kamen innerhalb von neun Monaten 250 000 Menschen, um Richters Pendel-Installation zu sehen. Vor einer Herausforderung sieht Bürgermeister Hermann-Josef Schmidt (CDU) deshalb seine Kommune. Man müsse das gesamte Umfeld neu denken, sagte er der SZ, ein neues Park-Leitsystem entwickeln, ein Führungs-Konzept erarbeiten, sogar an den Druck von Postkarten denken. Eine ziemliche Umwälzung steht dem 2300 Einwohner starken Ortskern seiner Meinung nach bevor. Aber auch der Bruderschaft. „Wir müssen Wege finden, unser geistliches Leben ungestört fortzusetzen“, so Frater Wendelinus. Denn als „Kostümtruppe“ wollten die zwölf Mönche nicht enden.

Abt Mauritius Choriol erhofft sich Trost und Freude für die Besucher. Foto: dpa/Harald Tittel

Der Mann, der das Tholeyer Kunstwunder ins Rollen brachte, ist der Leiter der Musikfestspiele Saar, Bernhard Leonardy, der Kontakt zu Richter hatte (die SZ berichtete mehrfach). Er möchte mit den Einweihungsfeierlichkeiten, bei denen er die enge Verzahnung von Richters Werk mit Musik zeigen will, etwa zu der des Komponisten Arvo Pärt, „ein kleines Stück Kunstgeschichte schreiben“, wie er in Tholey sagte. Richters Fenster werden in den Münchner Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei van Treeck gefertigt. Die Geschäftsführerin Katja Zukic erklärte, es gehe um die „Übersetzung der Sprache des Künstlers in Glas“: Richter habe ihrem Team dafür „seinen Segen gegeben. Und wir geben alles, damit wir ein Werk für die Ewigkeit schaffen.“