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TV-Serie aus dem Saarland
„Entsche! Bin widda do!“

Schminken in der Küche: Jacqueline Schwickert-Mayenfels kümmert sich um Daniel Buder, der einen Nachbarn von Forstarbeiter Kalle spielt.
Schminken in der Küche: Jacqueline Schwickert-Mayenfels kümmert sich um Daniel Buder, der einen Nachbarn von Forstarbeiter Kalle spielt. FOTO: Tobias Keßler
Homburg. Die saarländische Serie „Unter Tannen“ startet am 27. Dezember im SR – wir haben bei den Dreharbeiten zugeschaut. Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Die Hasen im Stall hinterm Haus haben die Ohren angelegt, das Pferd auf der Wiese gegenüber trägt ein wärmendes Mäntelchen – kein Wunder, es ist ein Sauwetter, Sturmböen donnern durch Reiskirchen. Dem Filmteam im Haus kann das egal sein – erst einmal. Denn noch dreht der Bexbacher Regisseur Thomas Scherer in beheizten vier Wänden, im Haus einer Bekannten. Hier entstehen Szenen für „Unter Tannen“, Scherers Fernsehserie über drei Waldarbeiter im saarländischen Forst. Ebendort stolpern sie über einen prallgefüllten Geldkoffer, aber auch über Gangster, denen das Geld gehört und die es keinesfalls teilen wollen (wir haben berichtet).

An diesem Drehtag ist nur ein Darsteller aus dem Trio dabei – Fridolin Sandmeyer. Er spielt den Forstarbeiter Kalle, der mit einem Gangster (Alfredo Zermini) im Schlepptau nach Hause kommt und mit dem Satz „Entsche! Bin widda do!“ nach seiner Herzensdame sucht. Eine simple Szene im Hausflur, die zügig abgedreht ist. Regisseur Scherer, der in der Küche nebenan auf einen kleinen Monitor schaut, ist zufrieden. Weiter geht’s, nächste Szene – doch dafür wird erst einmal umgebaut.

Kamera und Beleuchtung ziehen mit Sack und Pack in den ersten Stock, während in der Küche die Maskenbildnerin Jacqueline Schwickert-Mayenfels den Schauspieler Daniel Buder schminkt. Wer gerade nicht gebraucht wird, versorgt sich unter dem Regendach des Balkons mit Kaffee aus der Thermoskanne, mit Puddingteilchen und Wurstwecken – es ist ein stetiger Wechsel aus Wuseln und Warten. Warten muss auch Sandmeyer. Das gehört dazu, sagt der gebürtige Saarbrücker, „aber man muss die Spannung halten und dann auf die Sekunde präsent sein, wenn das Umbaugedöns vorbei ist. Das ist nicht immer einfach.“

Sandmeyer, der am Schauspiel Frankfurt engagiert und gerade als Unteroffizier in „Woyzeck“ zu sehen ist, freut sich, dass „Unter Tannen“ in seinem Heimatdialekt gedreht wird. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal – und auch ein Risiko.“ Aber Sandmeyer glaubt, dass die Serie auch jenseits der Sprachgrenze verstanden werden wird. „Hier gibt es ja 500 Dialekte, aber wir sprechen eher Hochsaarländisch.“ Die klassischen Saarland-Klischees wie „Hauptsach, gudd gess“ werden nicht bedient, sagt Sandmeyer, „das hat die Geschichte gar nicht nötig“.

Drei Folgen à 25 Minuten zeigt der Ko-Produzent SR kommende Woche; ob es danach weitergeht mit der Reihe, in der auch Alice „Hilde“ Hoffmann und Elisabeth Brück aus dem Saar-„Tatort“ zu sehen sind, darüber werden die Zuschauerreaktionen entscheiden. „Ich hoffe sehr, dass es weitergeht. Das Interesse ist da“, sagt Sandmeyer – und wird in den ersten Stock gerufen. Dort soll er im Schlafzimmer einen Schrank aufreißen und mit großen Augen hineinschauen; eine mimisch überschaubare Aufgabe, aber nicht ganz einfach für Kameramann David Hugle: Denn eine Einstellung wird auch aus dem Kleiderschrank heraus gefilmt, und dazu muss die große Kamera in den engen Schrank im engen Schlafzimmer, in dem sich ein halbes Dutzend Leute tummelt – viel Ge­fummel und Geschiebe für den Kameramann und den Beleuchter, das die Kollegen im Zimmer nebenan über einen Monitor beobachten.

Regisseur und Autor Scherer, mit Kopfhörer um den Hals, gibt Anweisungen und reibt sich die Augen, die etwas müde aussehen. Er hat ein paar Drehtage im Wald hinter sich, in denen das Wetter unfreundlich feucht war und dann auch noch der stromliefernde Generator den Geist aufgab. So gesehen, kann ihn ein enger Kleiderschrank nicht schrecken – das schlechte Wetter aber schon: Die nächste Szene, die vor der Garage des Hauses spielt, muss angesichts des nasskalten Windes in die Garage verlegt werden. Also wieder Umbau, die Suche nach einer Stromquelle, Beleuchtungsproben und die Verlegung von Kameraschienen – und nebenbei rettet der Kameramann einen überraschten Weberknecht vor dem Zertretenwerden.

Die Wartezeit auf die Garagenszene verkürzen sich die Kollegen derweil mit Smalltalk auf der Terrasse, um ein „Nichtraucher-Seminar“ geht es unter anderem. Und langsam werden die Kaffeestückchen knapp. Regisseur Scherer gönnt sich zwischendurch einen Zigarillo und bedenkt die nächste filmische Baustelle: Eine schöne Luftaufnahme war geplant, dank einer Drohne, die einem der Darsteller gehört – doch es ist viel zu windig für den Flugapparat. Die Drohne bleibt am Boden, Scherer stellt die Szene um und ist sehr zufrieden. Man muss eben improvisieren können.

Die Termine: „Der Fund“ (27. 12.), „Das Gemälde“ (28. 12.) und „Der Künstler“ (29. 12.), jeweils 18.50 Uhr im SR Fernsehen. Ab dem 25. Dezember sind die Folgen auch in der SR-Mediathek zu finden. Informationen unter: www.wpfilms.de

Hauptdarsteller Fridolin Sandmeyer spielt den Waldarbeiter Kalle.
Hauptdarsteller Fridolin Sandmeyer spielt den Waldarbeiter Kalle. FOTO: Tobias Keßler
Regisseur und Autor Thomas Scherer grübelt über das schlechte Wetter.
Regisseur und Autor Thomas Scherer grübelt über das schlechte Wetter. FOTO: Tobias Keßler