Englischer Musikprofessor lässt "Orgelmusik am Abend" erklingen

Englischer Musikprofessor lässt "Orgelmusik am Abend" erklingen

St. Wendel. Dass aus einem verregneten Abend ein erlesener Musikgenuss wurde, verdankte eine große Zuhörerschar Professor David Saint aus Birmingham, der in der Wendelinusbasilika die diesjährige Reihe "Orgelmusik am Abend" eröffnete

St. Wendel. Dass aus einem verregneten Abend ein erlesener Musikgenuss wurde, verdankte eine große Zuhörerschar Professor David Saint aus Birmingham, der in der Wendelinusbasilika die diesjährige Reihe "Orgelmusik am Abend" eröffnete.Norddeutsche Barockmusik stand am Anfang: Der Buxtehude-Schüler Nicolaus Bruhns gab mit Präludium und Fuge in e-Moll David Saint die Gelegenheit, die kompositorische Vielteiligkeit sehr farbig zu registrieren und in allen Feinheiten souverän zu gestalten. Mit kammermusikalischer Eleganz folgte Johann Sebastian Bachs Triosonate in G-Dur, kantabel im mittleren und fröhlich pulsierend in den Ecksätzen.

Brückenfunktion zu romantischer englischer Musik hatte Felix Mendelssohn-Bartholdys Präludium und Fuge in c-Moll. Saint gab dem Werk das passende Klangvolumen und überzeugte mit dem planvoll gesteigerten Schluss der munteren Fuge. Der 1946 mit 43 Jahren verstorbene Orgelkomponist Percy Whitlock ist mit seinen 1929 entstandenen "Short Pieces" noch sehr der Romantik verpflichtet, besonders in einem "Andante Tranquillo". Sein "Folk Tune" wies viel Impressionistisches auf und wirkte überzeugend in seiner Vielschichtigkeit. Sanfte Mischstimmen dominierten das kurze und prägnante "Scherzo".

Mit Frank Bridge und Sir Charles H. H. Parry stellte Saint zwei für England bedeutende, aber noch nicht zur gebührenden internationalen Beachtung gelangte Meister vor. In Bridges "Adagio" entwickelte er eine wie aus dem Nichts einschwebende Melodie zu vibrierendem Streicherklang im Forte, um sie nicht ohne raffinierte Schweller-Effekte ins Pianissimo zurückzuführen. Fantasia und Fuge in G-Dur von Parry waren dagegen hervorragend geeignet, um brausende Klangwogen zu entfesseln. Dennoch blieb Saints Interpretation vielseitig differenziert bis zum wuchtigen Schluss. Der Solist bedankte sich mit einer gefälligen Zugabe im moderneren Stil.