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Energiesparen um welchen Preis?

Energiesparen um welchen Preis?

Saarbrücken. Das Empire State Building (1931) ist der weltweit spektakulärste Fall einer "grünen" Denkmal-Modernisierung: 500 Millionen Euro zuzüglich 15 Millionen reiner Energiespar-Maßnahmen wird das kosten. Dagegen nehmen sich die 30 Millionen Euro, die für die Grundsanierung des Saarbrücker Kultusministeriums anfallen könnten, bescheiden aus

Saarbrücken. Das Empire State Building (1931) ist der weltweit spektakulärste Fall einer "grünen" Denkmal-Modernisierung: 500 Millionen Euro zuzüglich 15 Millionen reiner Energiespar-Maßnahmen wird das kosten. Dagegen nehmen sich die 30 Millionen Euro, die für die Grundsanierung des Saarbrücker Kultusministeriums anfallen könnten, bescheiden aus. Diese von offizieller Seite weder bestätigte noch dementierte Summe hält der Leiter des Landesdenkmalschutzamtes Josef Baulig für zu hoch gegriffen. Da noch kein Generalsanierungsplan vorliege, seien Zahlenspiele "unseriös", sagte Josef Baulig der Saarbrücker Zeitung.

Wie kürzlich berichtet, hat der denkmalgeschützte Bau, zwischen 1951 und 1954 vom berühmten französischen Städteplaner Georges Henri Pingusson als Französische Botschaft gebaut, nicht nur durch Fassaden-Erosion verursachte massive statische, sondern auch böse energetische Probleme. "Die Situation ist in höchstem Maße unbefriedigend. Das Ministerium sprengt sogar die offizielle Mess-Skala für Wärmeverluste", so Bildungs-Staatssekretär Stephan Körner (Grüne) gestern gegenüber der SZ. Eine Dämmung werde demnach notwendig. Offen sei, ob sie innen oder außen angebracht werde, meint Körner. Denn Architekten und Ingenieure seien noch in der Sondierung. Beauftragt ist unter anderem das Büro Brünjes, für die Sanierung des Landtages preisgekrönt.

Während der oberste behördliche Landes-Denkmalschützer Baulig die Sanierung für unproblematisch hält, bereitet sie dem Vorsitzenden des Landesdenkmalrates Henning Freese Sorgen. Er kritisiert, dass in der Landesregierung überhaupt "Gedankenspiele" über einen Abriss erfolgt seien. "Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges hat Pingusson ein großstädtisches Entwicklungskonzept für die Stadt vorgelegt. Saarbrücken sollte sich zu einer zentralen europäischen Stadt entwickeln." Dafür stehe das Denkmal, so Freese. Er fürchtet um die charakteristischen filigranen Fassaden-Elemente, wenn nach den im Jahr 2009 verschärften Auflagen der Energiesparverordnung (EnEV) vorgegangen und das Gebäude "eingepackt" wird. Freese fragt, "ob die authentische Überlieferung des baulichen Bestandes nicht die Notwendigkeit der Einsparung von Energie überwiegt." Er appelliert an die Umweltministerin Simone Peter (Grüne), über Ausnahmeregelungen für das Kultusministerium nachzudenken. Generell plädiert er bei Denkmälern für eine Einzelfall-Regelung: "Wir müssen von einer Rechts- zu einer Qualitätsdiskussion kommen." Kurzfristige betriebswirtschaftliche Erfolge könnten sich zu einem volkswirtschaftlichen Schaden auswachsen: "Prosperierende Regionen zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit ihrer Geschichte sehr sorgfältig umgehen."