Energie aus der Erde fürs Sulzbachtal

Energie aus der Erde fürs Sulzbachtal

Camphausen. Auf einen Besucher des Camphausener Grubenareals, der weiß, dass in den Hochzeiten des einst stolzen Bergwerkes vier Schächte in Betrieb waren, und dass dort bis 1990 mehr als 3000 Bergleute arbeiteten, wirkt die heutige Situation vor Ort ein wenig unheimlich. Aus den Ritzen der menschenleeren und nicht mehr gewarteten Straßen wächst das Gras

Camphausen. Auf einen Besucher des Camphausener Grubenareals, der weiß, dass in den Hochzeiten des einst stolzen Bergwerkes vier Schächte in Betrieb waren, und dass dort bis 1990 mehr als 3000 Bergleute arbeiteten, wirkt die heutige Situation vor Ort ein wenig unheimlich. Aus den Ritzen der menschenleeren und nicht mehr gewarteten Straßen wächst das Gras. Die Fenster der roten Backsteingebäude wirken blind, und es ist außer dem Gezwitscher der Spatzen fast kaum etwas zu hören. Der wuchtige Betonklotz des Hammerkopfförderturms ragt wie ein Denkmal aus der Leere hervor. Er erinnert an die Zeit, als Kohle und Stahl den Alltag im Saarland diktierten.Das Geräusch einer sich öffnenden Metalltür verrät, dass sich doch noch jemand auf dem alten Betriebsgelände aufhält. Und tatsächlich, aus einem Gebäude tritt ein Mann in Arbeitsmontur ins Freie. Es ist der RAG-Betriebselektriker Ralf Stein, der die Anlage zum Absaugen des Wassers aus den alten Abbauräumen überprüft ("Wasserhaltung").

Vermisst er die pulsierende Geschäftigkeit früherer Tage? Ein wenig schon, aber heute sei eine andere Zeit, und er müsse es nehmen, wie es komme, antwortet er. Ein Stück weiter, am Rande des Grubengeländes, dringen leise Maschinengeräusche aus einer Halle. Drinnen überprüft Thomas Kipp routinemäßig die Maschine zur Grubengasverdichtung. Hier wird das ganz früher von den Bergleuten so gefürchtete Gas aus der Erde geholt und zur Energiegewinnung aufbereitet. Diplomingenieur Stefan Schneider, bei Steag New Energies zuständig für den Grubengasbetrieb im Saarland, erklärt den Vorgang: "Das Gas, das ähnlich wie Erdgas überwiegend aus Methan besteht, wird mit Unterdruck aus den früheren Abbaufeldern abgesaugt, über Tage verdichtet, getrocknet und ins Grubengasnetz unseres Unternehmens eingespeist. Nur für industrielle Abnehmer geeignet, wird es weitergeleitet zu unseren eigenen Anlagen der Strom- und Wärmeerzeugung wie zum Heizkraftwerk Camphausen oder zum Kraftwerk Fenne. Im Sulzbachtal wird auch die Klinik Quierschied mit Grubengas beheizt." Laut Schneider werden in Camphausen bis zu 4000 Kubikmeter des Gases pro Stunde mit einem Methangehalt von 40 Prozent abgesaugt. Der Experte verweist auf den Umweltaspekt bei der Nutzung: "Es hat ähnlich günstige Werte wie Erdgas und kann bei international anerkannten Klimaschutzprojekten Emissionsrechte generieren". Das Heizkraftwerk Camphausen mit einem Grubengasmotor sowie einer Dampfkesselanlage und einer Leistung von 2,7 Megawatt speist jährlich 20 Millionen Kilowattstunden Strom in das Netz der Steag Power Saar. Von dort wird Strom ins öffentliche Leitungssystem weitergeleitet. Der in der Anlage erzeugte Dampf wird unter anderem auch nach Sulzbach geleitet, wo er - nach Umwandlung in Heißwasser - zur Beheizung des Krankenhauses und anderer Gebäude in verschiedenen Stadteilen genutzt wird. Die Stadtwerke Sulzbach rechnen die gelieferte Heizwärme mit den Verbrauchern ab.

Mehr von Saarbrücker Zeitung