1. Saarland

Endlich ein Lebenszeichen aus Japan

Endlich ein Lebenszeichen aus Japan

Wiebelskirchen/Sendai. "Es ist wie ein Wunder", sagt Ursula Kimoto und blickt auf den kurzen Brief mit japanischen Schriftzeichen, der zusammen mit ein paar Bildern auf dem Tisch vor ihr liegt. Den Brief hat Shojo Watanabe aus Japan geschickt - als ein Lebenszeichen. Denn nach dem Tsunami, der am 11

Wiebelskirchen/Sendai. "Es ist wie ein Wunder", sagt Ursula Kimoto und blickt auf den kurzen Brief mit japanischen Schriftzeichen, der zusammen mit ein paar Bildern auf dem Tisch vor ihr liegt. Den Brief hat Shojo Watanabe aus Japan geschickt - als ein Lebenszeichen. Denn nach dem Tsunami, der am 11. März die Ostküste Japans zerstörte, fehlte von dem Fischer jede Spur "Wir überflogen jeden Tag die Listen der Toten und Überlebenden, die das japanische Fernsehen zeigte", schildert Frau Kimoto, die mit ihrem Mann Seiji in Wiebelskirchen wohnt.Beide sind dankbar für die Anteilnahme und Unterstützung vieler Neunkircher, die über einen Bericht in der Saarbrücker Zeitung vom Schicksal des Fischers erfuhren. "Es war sehr berührend. Menschen, die wir nicht kannten, fragten nach einem Lebenszeichen von Herrn Watanabe und wollten helfen", berichtet Frau Kimoto. Die erlösende Botschaft erhielt die Familie wenige Tage später - per E-Mail: "Ich lebe", stand darin. In dem Brief, den die Kimotos kurz später erreichte, schilderte Watanabe, wie viel Glück er und seine Familie hatten. "Er war an diesem Tag zufälligerweise nicht zum Fischen auf dem Meer", erzählt Seiji Kimoto. Seine Familie habe sich zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Katastrophengebiet aufgehalten.

Auf den Fotos, die Watanabe seinem Brief beilegte, ist das Ausmaß der Zerstörung zu sehen: Zerborstene Schiffe und Hafenruinen, die von dem Sturm einfach hinweggewischt wurden. Ein immenser Verlust für Watanabe, wie Seiji Kimoto erklärt: "Er hatte vier große Schiffe, von denen zwei gestrandet, die anderen beiden gesunken sind." Auch das Haus des Fischers sei vollkommen zerstört, so dass er bei Verwandten unterkommen musste. Ein Ende der Beherbergung sei nicht in Sicht, wegen der Atomkatastrophe können die Überlebenden nicht zurück, berichtet Seiji Kimoto. Dann holt er eine japanische Zeitung hervor, die seine Frau jede Woche aus Frankfurt mitbringt. Auf der Titelseite springen unter all den Zeichen zwei Zahlen ins Auge: 7742 und 15 434. Die Zahl derer, die seit der Katastrophe vermisst werden und jener, die dabei ums Leben kamen. Für Seiji und Ursula Kimoto ist es ein Segen, dass sie ihren Freund nicht länger darunter vermuten müssen. lmi