1. Saarland

Ende eines „Haustiers“: Jäger erschießt zahmes Wildschwein

Ende eines „Haustiers“: Jäger erschießt zahmes Wildschwein

Drei Jahre lang lebte eine Wildsau bei der Werschweilerin Gaby Gossett wie ein Haustier. „Lexa“ ging mit Gossett Gassi und schlief in deren Wohnzimmer. Doch nun ist „Lexa“ tot. Die Bache wurde von einem Jäger erschossen.

Für "Lexa" war es das Normalste der Welt: DieWildsau lag auf einer Riesenmatratze im Wohnzimmer vor dem Fenster und schlief. Leise grunzte die 120-Kilogramm-Bache vor sich hin, um sie herum liefen drei Hunde. "Drei Jahre lang waren wir ein Rudel oder eine Rotte - auf jeden Fall eine Familie", sagt Gaby Gossett aus Werschweiler (Kreis St. Wendel). "Lexa" konnte sich frei bewegen, selbst im Haus ein- und ausgehen. Das wurde ihr jetzt zum Verhängnis: Anfang der Woche erschoss sie ein Jäger im Wald. "Ich bin todtraurig", sagt die Naturheilpraktikerin.

Gerade mal zwei Wochen alt war der Frischling, als er 2010 zu Gossett kam. "Sie passte damals in eine Hand." Ein Jagdpächter aus der Pfalz hatte den Frischling mit tiefen Bisswunden im Wald gefunden - und bei Gossett abgeben. "Erst sah es so aus, als würde sie es nicht schaffen." Doch die 56-Jährige päppelte "Lexa" auf - und machte aus ihr eine stubenreine Wildsau. Dreimal am Tag gingen sie Gassi. "Lexa ging mal links oder rechts in die Büsche, blieb aber immer in der Nähe."

Ob "Lexa" ihrer Besitzerin mal gefährlich geworden ist? "Sie hat nie einen Angriff gestartet, der ausgelegt war, mich zu verletzen", sagt Gossett. Sie sei zwar schon mal wütend gerannt gekommen, um Grenzen auszutesten. "Als sie sah, dass ich die Obersau bin, war Ruhe."

Wildschweine seien sehr intelligente Tiere, die sich ihrer Umgebung rasch anpassten, sagt der Leiter des Forstreviers Waldrach (Kreis Trier-Saarburg), Michael Gillert. Es komme häufiger vor, dass aufgefundene Frischlinge von Menschen aufgezogen würden. "Aber in der Regel wird angestrebt, das Tier dann eines Tages wieder der Natur zu überlassen", sagt er. "Lexa" ist von einem ihrer nächtlichen Streifzüge nicht zurückgekehrt, weil ein Jäger sie geschossen hat. Förster Gillert geht davon aus, dass der Jäger nicht erkennen konnte, dass es sich um ein Haustier handelte. "Das Schwein hatte ja sicher keine Warnweste an", so Gillert. Gossett schmiedet derweil Zukunftspläne: Im nächsten Frühjahr will sie zwei neue Frischlinge aufziehen.