Emotionen gemeinsam erleben

Emotionen gemeinsam erleben

Völklingen. Eigentlich wollte Ottmar Britten (Fotos: Lang) das zweite WM-Gruppenspiel der Deutschen im Münchner Olympiastadion anschauen: "Dort gibt es ein Public Viewing, und ich hatte vor, dorthin zu fahren." Der Wetterbericht habe ihn dazu bewogen, die Münchenfahrt zu verschieben: "Denn es wird wohl nicht so schön werden

Völklingen. Eigentlich wollte Ottmar Britten (Fotos: Lang) das zweite WM-Gruppenspiel der Deutschen im Münchner Olympiastadion anschauen: "Dort gibt es ein Public Viewing, und ich hatte vor, dorthin zu fahren." Der Wetterbericht habe ihn dazu bewogen, die Münchenfahrt zu verschieben: "Denn es wird wohl nicht so schön werden." So wird der 50-Jährige das Spiel wahrscheinlich in der Hüttenschänke beobachten: "Weil es schöner ist, die Emotionen gemeinsam zu erleben." Dort freut sich die fußballbegeisterte Wirtin Helga Baldauf auf ihren Damenstammtisch. Dabei dreht sich das Gespräch auch um andere Vorzüge der Kicker als ihre Fertigkeiten am Ball: "Da geht es auch schon mal darum, wer welchen Fußballer hübsch findet." Hermann Schuler wird hingegen einen Großteil des Spieles verpassen: "Da wurden schon lange berufliche Termine vereinbart, da ist wohl nichts zu machen." Ansonsten zieht er sich gerne das Deutschland-Trikot über und genießt das gemeinsame Fußballerlebnis im Lokal. Horst Zimmer wird die meisten WM-Spiele Zuhause anschauen: "Da ist kein Krach, sondern ein ruhiges Umfeld, nur meine Frau und ich diskutieren über das Spiel." Gemeinsam schauen die beiden auch oft Live-Fußball in der Region.Silke Burghardts Herz schlägt das ganze Jahr über für den SV Werder Bremen und während der WM natürlich für Jogis Jungtruppe. "Ich bin durch meinen Mann Reyk zum Fußball gekommen und mit Herz und Seele dabei", sagt die 23-Jährige. Sie schlüpft dann nicht nur in den DFB-Dress und malt sich die Flagge auf die Wangen. "Ich habe mir sogar die Nägel passend zur WM machen lassen", sagt sie und zeigt ihre schwarzrotgoldenen Fingernägel.

Angelique Bickar-Welsch und ihr Lebensgefährte Ralf Nisius sind flexibel beim Fußball gucken. Mal schleppen sie den Fernseher in den Garten, um mit den Kindern oder ein paar Freunden das Spiel zu sehen; mal gehen die Wehrdener in ein Lokal, in dem Fußball gezeigt wird.

Einige Fans aus Völklingen und dem Warndt fahren über die Autobahn zum Public Viewing - nach Saarlouis wie nach Saarbrücken. Wenn es um den Alkoholgenuss geht, dominiert aber - ebenso wie bei den Konvoi-Fahrern nach einem deutschen Sieg - der Bob-Gedanke. "Wie es aussieht, werde ich die Kameraden am Freitag nach Saarbrücken fahren", sagt zum Beispiel Tim Keller aus Großrosseln. "Bei Toren kann ich ja auch mit alkoholfreiem Bier anstoßen."

"Ich bin auf das Autoradio angewiesen", sagt Alexander Schwarz aus Ludweiler. Er ist Paketzusteller - und "die Leute wollen ja auch am Länderspieltag ihre Pakete haben".

Die Bäcker haben es dagegen gut. "Jetzt zahlt es sich endlich aus, dass ich immer so früh raus muss: Ich bin am Freitag beizeiten fertig und kann das Spiel genießen", sagt Peter Zimmer aus Völklingen, der in Saarbrücken Brötchen bäckt. "Viele Kumpel in anderen Berufen müssen Urlaub nehmen", weiß er. Gleitzeit heißt anderswo das Zauberwort. Zum Beispiel bei der Völklinger Stadtverwaltung endet freitags die Kernarbeitszeit um zwölf Uhr - wer bis dahin seine Wochenstunden beisammen hat, kann König Fußball frönen.

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