Einkaufsgalerie droht neue Hürde

Einkaufsgalerie droht neue Hürde

Homburg. Eigentlich sollte es gestern nur ein Pressegespräch anlässlich des 40-jährigen Firmenbestehens des Unternehmens Wagner werden. Doch was Oberbürgermeister Karlheinz Schöner dann zu den aktuellen Entwicklungen bezüglich Enklerplatz sagte, war die eigentliche Sensation: Die Landesplanung fordere nämlich überraschend für das geplante Shoppingcenter ein Raumordnungsverfahren

Homburg. Eigentlich sollte es gestern nur ein Pressegespräch anlässlich des 40-jährigen Firmenbestehens des Unternehmens Wagner werden. Doch was Oberbürgermeister Karlheinz Schöner dann zu den aktuellen Entwicklungen bezüglich Enklerplatz sagte, war die eigentliche Sensation: Die Landesplanung fordere nämlich überraschend für das geplante Shoppingcenter ein Raumordnungsverfahren. Bislang habe sich die Stadt auf Zusagen des zuständigen Ministeriums verlassen, dass ein solches Vorgehen für diese innerstädtische Lage nicht notwendig sei. Mittels eines Raumordnungsverfahrens sind die Träger öffentlicher Belange - auch die Nachbarkommunen - gefragt, mögliche Bedenken gegen das auf 18 500 Quadratmetern Verkaufsfläche geplante Center zu äußern. Im Ergebnis bedeute laut Schöner dieses Vorgehen auch eine Einflussnahme auf Art und Umfang des Warensortiments. Und: Ein solches Verfahren dauere mindestens ein Jahr.OB Schöner gegenüber unserer Zeitung: "Das bedeutet, dass wir in unserem Kerngebiet eine Umplanung vornehmen müssten, wenn dieses Verfahren tatsächlich eingeleitet wird." In den Jahren 2008 und 2009 habe die Landesplanung noch keine Bedenken geäußert. Hinter dem ganzen Verfahren vermutet Schöner ein politisch motiviertes Vorgehen im Umweltministerium, das von den Grünen geführt wird. Die Grünen in Homburg sind bekanntlich vehemente Gegner einer Ansiedlung des interessierten Investors ECE. Karlheinz Schöner wollte sich auf die Frage, wie lange ein Raumordnungsverfahren dauern könnte, nicht festlegen. Nur so viel: "Wir bräuchten einen komplett neuen Bebauungsplan, was einiges an Zeit kosten würde." ECE habe ihm allerdings bereits signalisiert, den Verfahrensweg mitzugehen. Der OB sagte aber auch, dass die Stadtratsmehrheit weiterhin dazu entschlossen sei, am 22. Dezember die rechtlichen Voraussetzungen für das Bauvorhaben mit dem Satzungsbeschluss zu schaffen. Im Zweifelsfall würde dies bedeuten: Die Stadt müsste gegen das Land klagen.

Schöners Offenbarung war nicht die einzige Sensation gestern, auch Gerhard Wagner selbst nutzte seine Feier zum Firmenjubiläum für eine Überraschung. So gab er offen zu, hinter der Anzeigenreihe "Für Homburg" zu stehen. Er hat dazu gesagt: "Wir brauchen die Ansiedlung von ECE, sonst können wir Homburg bald abschließen."

Nach den beiden überraschenden Ankündigungen in Sachen Innenstadtbebauung gab's gestern Abend noch die erwarteten Ausführungen von Marktforscher Karsten Schreiber im Rathaus. In seinem Einzelhandelskonzept bekräftigte er, dass zwei Kundenmagnete an beiden Ende der Talstraße die City aufwerten könnten. Dadurch könne auch der Bereich dazwischen belebt werden. In Homburg liegen laut Schreiber derzeit nur 20 Prozent der Verkaufsflächen in der Innenstadt. Das sei ein vergleichsweise geringer Anteil.

Meinung

Das Shoppingcenter wankt

Von SZ-RedakteurPeter Neuheisel

Es war in den letzten Wochen sehr ruhig um das geplante ECE-Shoppingcenter auf dem Enklerplatz geworden. Seit gestern wissen wir, warum. Wahrscheinlich war die Forderung des Landes nach einem Raumordnungsverfahren Oberbürgermeister Schöner schon einige Tage bekannt. Weil er dahinter einen politisch motivierten Vorgang der Grünen gesehen hat, hat er offenbar versucht, noch alle Hebel bei seinen Parteifreunden in Saarbrücken in Bewegung zu setzen, dieses Verfahren zu umgehen. Es sieht so aus: wohl ohne Erfolg. Die Saarbrücker Landeshauptstädter sind den Homburgern nicht wohlgesonnen. Diese planerische Hürde, die Homburg eigentlich hinter sich wähnte, wirft das ECE-Vorhaben nicht nur zurück, es könnte das Aus für die Einkaufsgalerie bedeuten. Laut Schöner wollen die ECE-Betreiber den Weg des Verfahrens zwar mitbeschreiten. Ob diese aber tatsächlich so lange warten, bis sie in Homburg loslegen können, sei dahin gestellt. Seit gestern wackelt nach den gescheiterten Plänen für die Forum-Bebauung vor Jahren und dem Vauban-Carree ein weiteres Mammutprojekt in Homburg auf dem Einzelhandelssektor gewaltig.