Einige Saar-Kommunen sehen schwarz. EVS beschließt aber Müllgebührensenkung

Kostenpflichtiger Inhalt: Entsorgungsverband Saar präsentiert Zukunftspläne : Kommt Kosten-Explosion beim Grünschnitt?

Einige saarländische Kommunen sehen für nächstes Jahr schwarz. Bürgermeister beschließen EVS-Wirtschaftsplan für 2020.

Der Entsorgungsverband Saar (EVS) senkt ab Januar in 41 Mitgliedsgemeinden die Gebühren für die Leerung der grauen Restmülltonnen um vier Prozent und will sie dann auf diesem Niveau bis Ende 2022 stabil halten. Bei den grünen Biotonnen für Obst, Gemüse, Speisereste und Küchenabfälle ändert sich bei unverändert 58 Euro Jahresgebühr preislich nichts. Das hat die EVS-Verbandsversammlung am Dienstag in Saarlouis-Fraulautern beschlossen. Unmut in einigen Saar-Kommunen gibt es dagegen über die neue EVS-Grüngutkonzeption für Baum-, Rasen- und Heckenschnitt, die nach deren Befürchtungen ab 2020 zu einer deutlichen Kostensteigerung für die Bürger führen könnte. Gegen die Stimmen der Vertreter von Wadgassen und Mettlach und bei Stimmenthaltung von Überherrn verabschiedete die Versammlung den EVS-Wirtschaftsplan 2020.

Nach den neuen EVS-Gebührensätzen verbilligt sich die Restmüll-Entsorgung für die kleine Tonne von bisher 82,92 Euro im Jahr bei vier Leerungen auf 81,80 Euro. Bei größeren 240-Liter-Tonnen ergibt sich eine entsprechende Reduzierung von 202,04 auf 196,54 Euro im Jahr. In der Gemeinde Losheim, wo der Müll gewogen und nach Gewicht berechnet wird, ändert sich nichts. Auch in den zehn Städten und Kommunen, die wie Saarbrücken, Völklingen, St. Ingbert und St. Wendel ihre Müllentsorgung in Eigenregie teils mit Verwiegesystem betreiben, gilt die beschlossene EVS-Gebührensenkung nicht.

Bei der umstrittenen neuen EVS-Grüngut-Konzeption für Baum-, Gras- und Heckenschnitt befürchtet Wadgassens Bürgermeister Sebastian Greiber (SPD) in seiner Kommune eine Verfünffachung der Entsorgungsgebühren für die Bürger (von drei auf 15 Euro pro Kubikmeter), wenn vom nächsten Jahr an der EVS das Einsammeln, den Transport und die Verarbeitung des Grünguts in allen Kommunen des Landes voll übernimmt. Laut EVS-Geschäftsführer Georg Jungmann (CDU) ergeben sich Verteuerungen unter anderem dadurch, dass einige Gemeinden falsche Bedarfszahlen für die Grüngut-Entsorgung gemeldet haben und das Grüngut künftig über eine Mutterstädter Firma zu einer Kompostieranlage in der Pfalz gefahren werden müsse, bis das erst geplante neue EVS-Biomassezentrum in Velsen gebaut ist. Bislang wird Grüngut aus dem Saarland noch in Ormesheim und Saarbrücken-Gersweiler sowie im benachbarten Lothringen (Saargemünd, Forbach) kompostiert und verwertet. Um größere Grüngut-Verteuerungen für Kommunen und Bürger zu verhindern, beschloss die EVS-Verbandsversammlung,  bis zur nächsten Aufsichtsrat-Klausur im März 2020 eine Arbeitsgruppe zu bilden, die mit Umweltminister Reinhold Jost (SPD) und den Landtagsfraktionen nach einer möglichst „politischen Lösung“ sucht.

Zur Rekultivierung von  bisherigen Deponien, nach denen Illingens Bürgermeister Armin König (CDU) fragte, sagte Jungmann, die Deponie Merzig-Fitten sei voll und werde als erstes geschlossen. Als nächste folgten die Deponien Ormesheim und Illingen in den nächsten vier bis fünf Jahren.

Bei der Abwasserwirtschaft hebt der EVS den Verbandsbeitrag leicht um 0,39 Prozent für die Kommunen an, doch wird auch hier Preisstabiltät bis 2022 versprochen. Danach, so Jungmann und EVS-Finanzchef Max Krajewski, drohen wegen des Wegfalls von Erträgen sowie wegen der verschärften EU-Wasserrichtlinie und der neuen Klärschlammverordnung, spätestens ab 2025 deutliche Gebührenerhöhungen für die später erforderliche vierte und fünfte Reinigungsstufe (für Phosphate, Nitrate und Medizinprodukte) in den Kläranlagen.

Um acht bis zehn Wochen verzögert und um 1,2 Millionen teurer geworden ist der Bau der neuen EVS-Verwaltungszentrale in der Untertürkheimer Straße in Saarbrücken. Die neue EVS-Zentrale soll im Dezember 2020 (mit dann insgesamt 16,9 Millionen Euro Baukosten) bezogen werden.