Eine Pirouette auf politischem Eis

Eine Pirouette auf politischem Eis

St. Ingbert. Es bleibt dabei: Erst wenn die Stadt und der Verein Handel und Gewerbe zu ihrem Empfang bitten, kann in St. Ingbert nach dem Jahresanfang wieder von einem öffentlichen Leben gesprochen werden. Erneut versammelte das traditionelle Treffen am Dreikönigstags gut 500 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Verwaltung in der Stadthalle

St. Ingbert. Es bleibt dabei: Erst wenn die Stadt und der Verein Handel und Gewerbe zu ihrem Empfang bitten, kann in St. Ingbert nach dem Jahresanfang wieder von einem öffentlichen Leben gesprochen werden. Erneut versammelte das traditionelle Treffen am Dreikönigstags gut 500 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Verwaltung in der Stadthalle. Unter das vertraute Ambiente, mit Schornsteinfegern und Bergkapellen-Klang, und die bekannten Gesichter mischte sich diesmal spürbar mehr Ungewissheit, als sie sonst zu den unabdingbaren Spekulationen um Gesundheit und Wohlergehen dazugehört. Naheliegende Fragen sorgten für Spannung. Wie würde der Oberbürgermeister bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Abwahl auftreten? Und wie nimmt die Stadtgemeinschaft Notiz von der Nachricht, die seit dem Mittag das Saarland aufhorchen ließ, also vom Ende der Jamaika-Koalition?Frage Nummer eins klärte sich eher überraschend: Georg Jung wirkte am Freitagabend zurückgenommen und betont nachdenklich. Und auch in seiner außerordentlich bildhaften Neujahrsansprache kartete er die OB-Wahl nicht direkt nach. Rück- und Ausblick ersetzten Andeutungen und eine grundsätzliche Betrachtung zur politischen Kultur. Um im Bild zu bleiben, Jung drehte eine rhetorische Pirouette. Denn der OB wählte den gewagten Vergleich zwischen der Politik und dem Eiskunstlauf. Hier wie dort machte er Glatteis, Ausrutscher und die Gefahr, auf den Hintern zu fallen, aus. Und im Eiskunstlauf wie in der Politik bediene man sich unterschiedlicher Stile: "Es gibt Tänzer, Akrobaten, Solisten, Paarläufer und Stehaufmännchen." Konkret auf die Stadt bezogen, sei in St. Ingbert in den vergangenen Monaten "viel an politischer Kultur verloren gegangen". Der Riss, der die Stadtgemeinschaft derzeit durchziehe, sei nur schwer, und wenn, dann durch eine Rückkehr zur Sacharbeit zu kitten. Jung unterstrich nochmals, sich weiter kommunalpolitisch engagieren zu wollen - und zwar in St. Ingbert: "Ich bleibe in jedem Fall in meiner Heimatstadt."

Einen Blick nach vorn, um die Gräben zuzuschütten, die der Wahlkampf im vergangenen Jahr hinterlassen habe, forderte auch Nico Ganster, der kommissarische Leiter des Vereins Handel und Gewerbe. Die Zukunft St. Ingberts sicherten Einzelhändler wie Politiker am ehesten, indem sie auch "Begeisterung für die Stadt" zeigten. Ganster kündigte zugleich an, dass die St. Ingberter Einzelhändler ab sofort im Internet unter "hage-st-ingbert.de" die Kundenumfrage 2012 starten. So wolle Handel und Gewerbe erfahren, was Kunden wünschen und welche Ideen als ein "Mehr für die Mittelstadt" umgesetzt werden können.

Die zweite unausgesprochene Frage des Abends blieb hingegen ohne direkte Antwort. Die Regierungskrise im Saarland bot an den Stehtischen in der Stadthalle zwar viel Gesprächsstoff, zu einem offiziellen Statement fühlte sich aber niemand berufen. "In unserer Stadt ist zuletzt viel an politischer Kultur verloren gegangen."

OB Georg Jung

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