1. Saarland

Eine neue Herausforderung in Polen

Eine neue Herausforderung in Polen

Das polnische Kozle gehörte vor dem Zweiten Weltkrieg zu Deutschland. Das Interesse an der deutschen Sprache ist dort groß, sagt Monika Heinemann. Ab September unterrichtet sie dort an einer deutschsprachigen Schule.

Seit einem Jahr ist Monika Heinemann im Ruhestand - doch untätig will die Saarländerin nicht sein. Ende des Monats zieht sie mit ihrem Mann Klaus Maria vom Kleinblittersdorfer Ortsteil Bliesransbach ins polnische Kozle (Kosel), um dort als Deutsch-Lehrerin an einer deutschsprachigen Grundschule zu unterrichten. Vor ihrem Ruhestand hatte sie zuletzt die Grundschule in Ensheim geleitet.

In die Schule in Oberschlesien gehen vor allem Kinder mit deutschstämmigen Großeltern oder Urgroßeltern. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte dieser Teil Polens zu Deutschland. "Es wohnen noch ungefähr 250 000 Deutsche dort", schätzt Heinemann. Heute wollten viele Großeltern den Enkeln ihre Sprache und Kultur wieder nahebringen. In der Grundschule wird Heinemann ab September die rund 100 Schüler der Klassenstufen 1 bis 6 unterrichten.

Trotz ihres eigentlichen Ruhestandes freue sie sich auf die Arbeit: "Ich war immer sehr gerne Lehrerin." Sie spreche fast kein Wort Polnisch, aber das sei von der Schulleitung so gewollt. Die Kinder würden daher gezwungen, Deutsch mit ihr zu reden. Bezahlt wird sie für ihre Arbeit nicht, aber es werde ihr eine Wohnung zur Verfügung gestellt.

Eine Motivation, das Angebot anzunehmen, sei ihr Mann gewesen. Er sei als Zehnjähriger nach dem Krieg aus Polen nach Deutschland gezogen. "Mein Mann schwärmte immer für Schlesien", sagt sie. Die Region hat es den Heinemanns, die schon oft dort Urlaub gemacht haben, angetan: "Die Gegend ist sehr schön."

Fünf Stunden Deutsch-Unterricht soll sie in allen sechs Klassen wöchentlich halten. Sie lege besonderen Wert auf Literatur, will den Kindern Werke wie die des oberschlesischen Schriftstellers Joseph von Eichendorff, aber auch Goethe und Schiller näher bringen. "Angst habe ich überhaupt keine", sagt Heinemann. "Man braucht im Leben eine Aufgabe." Sie ist überzeugt, dass es den Kindern helfen wird, wenn sie gut Deutsch sprechen können. Denn so bestehe später einmal die Möglichkeit, dass sie in Deutschland gut bezahlte Berufe ergreifen können.

Die Heinemanns wollen aber auf jeden Fall wieder zurück ins Saarland kommen. "Wir gehen hier nicht weg", sagt Monika Heinemann. "Zumindest nicht für immer."