1. Saarland

Eine Knie-Prothese nach Maß

Eine Knie-Prothese nach Maß

Püttlingen. Seit wenigen Monaten gibt es im Püttlinger Knappschaftskrankenhaus statt des Knies von der Stange eine individuelle Ausführung: 20 Patienten wurden bislang nach der neuen Methode operiert. Dr. Thomas Siebel, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, erläuterte in einem Pressegespräch die "Knieprothese nach Maß"

Püttlingen. Seit wenigen Monaten gibt es im Püttlinger Knappschaftskrankenhaus statt des Knies von der Stange eine individuelle Ausführung: 20 Patienten wurden bislang nach der neuen Methode operiert. Dr. Thomas Siebel, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, erläuterte in einem Pressegespräch die "Knieprothese nach Maß"."Die Prothese ist eine Lebensqualität-Operation. Vor 120 Jahren mussten die Leute mit einem kaputten Knie noch hinter dem Ofen sitzen bleiben", sagt der Arzt. Dennoch ist seiner Meinung nach "jedes Implantat immer schlechter als der eigene Knochen". Deshalb plädiert Siebel dafür, dass erst operiert wird, wenn alle konventionellen Mittel vom Medikament über physikalische Therapien bis hin zur Einlage ausgeschöpft sind.

"Es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an", betont Siebel. Die neue individuelle Methode funktioniere nur in einem relativ frühen Stadium, wenn die Kreuzbänder noch erhalten sind. Für völlig defekte Knie sei sie nicht geeignet. Die Maßanfertigung der Knieprothesen orientiere sich exakt an den individuellen Knochendaten. Der Vorteil sei, dass nur das ersetzt wird, was kaputt ist. Die Patienten würden kein Fremdkörpergefühl empfinden, es gebe keine Abwehr gegen das Implantat.

Die Vorbereitung ist jedoch aufwendig. Etwa sechs bis acht Wochen dauert der Vorlauf. Die Daten werden in die USA weitergegeben. Erst wenn jedes Detail genau durchdacht ist und genau abgesprochen wurde, wie es eingebaut werden soll, werde das Implantat angefertigt. Voraussetzung für die Operation sei eine gute Knochendichte, erläutert Dr Siebel. Ansonsten bräuchte man eine zu große Auflagefläche.

Im Schnitt - "bei 85 Prozent aller Fälle" - würde die Prothese 15 Jahre halten. Doch das sei vergleichbar mit einem Autoreifen. Wer mit qietschenden Pneus vorfahre, bekomme sie schneller klein als der gemütliche Sonntagskutschierer. Und beim Stichwort Skifahren meint Dr. Siebel bedenklich: "Na ja." Sprung und Laufsportarten sind seiner Erfahrung nach "nicht gut" für Knieprothesen-Träger. Aber Reiten, Radfahren und schwimmen findet er "ok".

Seine Patientin Katharina Wittmann (69) hat bereits gute Erfahrungen mit der Prothese nach Maß gemacht. Anfang Mai wurde sie operiert. Jetzt kann sie schon von einem kleinen Wettlauf mit dem Enkel berichten. "Der Punkt ist der", sagt Dr. Siebel, "die Leute bekommen bei der Operation Schmerzkatheter. Am ersten Tag können sie sich gerade so auf die Bettkante setzen. Am zweiten Tag sind die Katheter weg. Dann geht es auf die Maschine zum Laufen lernen." hof