Eine Klage gegen den Krieg

Saarwellingen · Lioba Amann hat im Alten Rathaus Saarwellingen eine Ausstellung in Anlehnung an das Friedenslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ aufgebaut. Die Werke funktionieren im Zusammenhang und auch einzeln.

 Lioba Amann hat „Sag mir, wo die Blumen sind“ konsequent umgesetzt. Foto: Gerhard Alt

Lioba Amann hat „Sag mir, wo die Blumen sind“ konsequent umgesetzt. Foto: Gerhard Alt

Foto: Gerhard Alt

Zwölf Kalaschnikows stehen stramm wie Soldaten, stumm wie Soldatengräber. Die nackten Männer an den Wänden sind locker. Sie wenden sich ab ins Ungewisse. Die Kalaschnikows sind auf Steinen wie Grabplatten aufgebaut, Bildchen daneben. Und die hundert Millionen mal verkauften Gewehre verweisen auch auf die Zahl der Opfer. Die Installation ist Teil der Ausstellung "Sag mir, wo die Blumen sind" von Lioba Amann im Alten Rathaus in Saarwellingen.

Zur sehr gut besuchten Eröffnung am Freitag hat Andrea Bettinger traurig-zärtlich das Antikriegslied gesungen, das Pete Seeger 1955 schrieb, Marlene Dietrich und Joan Baez weltberühmt machten. Der Laudator Stefan Neuhäuser erläuterte die Hintergründe und gab den Besuchern Orientierungshilfen. Im südfranzösischen Aigues-Mortes (deutsch: "tote Wasser") stieß Lioba Amann auf einen Militaria-Laden. Erstaunt und erschüttert, was es alles an Kriegsgerät zu kaufen gibt, beschloss sie, das Thema künstlerisch umzusetzen. Das Lied "Sag mir, wo die Blumen sind" lieferte Motto und Muster. Es ist ein Kettenlied, jede Strophe nimmt ein Wort der vorangehenden auf. Konsequent beginnt und endet die Ausstellung mit Blumen.

Amann hat Seesäcke aufgetrennt, nur die Schnüre erinnern an den ursprünglichen Zweck. Die runden Böden sind jetzt zum Hochklappen auf den sonst quadratischen, bemalten Flächen angenäht, darunter kommen Blumen zum Vorschein. Amann verwendet nie mehr Farbe als nötig. So entstehen Bilder, die nicht eigentlich bunt sind, sondern sachte Farbe zeigen und wechseln. Da bilden schon mal Grau und Weiß das Fundament, auf dem dann kräftigere Farben auftreten. Aber gerade weil es nie zu viele Farben sind, behält jede ihren eigenen Anteil am Ganzen - dieses typische Verhältnis des Einzelnen zum Umfassenden prägt die Ausstellung.

Die Mädchen, nach denen im Lied ebenfalls mit "wo" gefragt wird, hängen als überlebensgroße Silhouetten auf Pappe mit gerissenen Rändern im Eingangsbereich. Und wie im Lied sind es am Ende Blumen, hier auf zwei 270 mal 140 Zentimeter großen Gemälden - rot wie Blut, aber auch rot wie die Liebe. Lioba Amann gelingt mit dieser Ausstellung viel: Die Klage gegen den Krieg ist nicht zu laut, die Symbolik nicht zu aufdringlich, das Konzept nirgends zu streng. Diese Kunst ist trotz des schwierigen Themas ungezwungen, mitunter gar leicht und heiter, vor allem aber schön. Und jedes Gemälde funktioniert im Zusammenhang der durchkomponierten Ausstellung, aber ebenso auch als einzelnes Werk.

Bis 17. November dienstags bis samstags von 17 bis 21 Uhr. Am 17. November, elf Uhr, ist ein Gespräch mit Lioba Amann, moderiert von Gerhard Alt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort