1. Saarland

Eine Hymne an die Zeit der Jugend

Eine Hymne an die Zeit der Jugend

Illingen. Am Anfang war die Burg. Nicht irgendeine, sondern die Illinger Wasserburg Kerpen, in deren Schatten sich schon ungezählte Romanzen angebahnt haben, die schon von Generationen fröhlicher Zecher heimgesucht wurde und für etliche Illinger die Inkarnation von "dehemm" darstellt

Illingen. Am Anfang war die Burg. Nicht irgendeine, sondern die Illinger Wasserburg Kerpen, in deren Schatten sich schon ungezählte Romanzen angebahnt haben, die schon von Generationen fröhlicher Zecher heimgesucht wurde und für etliche Illinger die Inkarnation von "dehemm" darstellt. An eben dieser Burg fand Mitte der 70er Jahre auch ein Häuflein junger Menschen zueinander, die sich für echte Freaks hielten und als "Kanacken" (in spontaner Solidarität zu den im Ruhrpott so betitelten türkischen Gastarbeiter) ihr Gemeinschaftsgefühl auslebten. Einer der Kanacken von damals ist Michel Leinenbach, der nach seinen "wilden Jahren" erst als Architekt reüssierte und heute den Status eines Privatiers genießt. Und weil "Leinenbachs Michel", wie sein ortsüblicher Name ist, gerne sichtbare Spuren wie beispielsweise in Form der von ihm mitgestalteten Illipse hinterlässt, hat er nun den Höhepunkt der Kanacken-Jahre in Buchform gegossen: "Die Kana©kenfahrt" heißt das Bändchen.Wobei das © im Titel dafür stehen mag, dass es sich bei dem in der Illinger Szene mittlerweile legendären rund 36-stündigen Trip um ein urheberrechtlich geschütztes Qualitätsprodukt handelt."Fast immer, wenn sich ein paar der Alt-Kanacken getroffen haben, kam die Rede auf unsere Fahrt", erinnert sich Michel Leinenbach. Und irgendwann entschloss sich der 51-Jährige, dem Ereignis mit einem Buch quasi ein Denkmal zu setzen. Im vergangenen Jahr setzte er sich also hin und schrieb auf, an was er und die 25 Mitreisenden sich noch erinnern konnten. Nach fast 30 Jahren erwies sich das Unterfangen als gar nicht so einfach. "Manche konnten sich noch an ganz viele Details erinnern, bei anderen ist die ganze Sache schon teilweise im Nebel des Vergessens verschwunden", erinnert sich Leinenbach an die Recherche, die sich zum guten Teil am Tresen gemütlicher Gasthäuser des Illtals abgespielt haben soll. 22 junge Männer und vier noch jüngere Mädchen waren 1979 mit von der Partie. In einem gecharterten Linienbus nebst Fahrer ging's (in jeder Beziehung!) ins Blaue. Fisch, Wasch, H.W., Degenhardt, Klöhn, Balz, Knut und wie sie alle hießen, erleben in Michel Leinenbachs "Kana©kenfahrt" eine Wiederauferstehung als Jungs an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Aus den meisten der Kanacken sind längst arrivierte Zeitgenossen geworden. Die "Kana©kenfahrt" ist eine Hymne an die Zeit der unbeschwerten Jugend, literarisch nicht unbedingt wertvoll, aber ein Amüsierstück nicht nur für die Zeitgenossen der Kanacken. Leinenbach hat das Lebensgefühl der Nach-68er-Generation treffend beschrieben: "Love, Peace and Happiness". Michel Leinenbach hat sein rund 110 Seiten starkes Werk "Die Kana©kenfahrt" als Taschenbuch im Selbstverlag drucken lassen. Für neun Euro sind die Reise-Erinnerungen der besonderen Art in Illingen in der Kerpenbuchhandlung (Hauptstraße) und in Neunkirchen bei Bücher König (Bahnhofstraße) erhältlich. Für Freitag, 5. April, 20 Uhr, lädt Michel Leinenbach zur Präsentation seines Buchs ins Merchweiler Gasthaus "Solch" ein. Es ist davon auszugehen, dass dort nicht nur die übrig gebliebenen Kanacken, sondern auch viele andere Altinternationale aus dem Illtal anzutreffen sein werden.