1. Saarland

Eine heilende Therapie mit großem Spaßfaktor

Eine heilende Therapie mit großem Spaßfaktor

St. Wendel. Ob Hip-Hop, Metal, R&B oder Classic: Musik prägt uns. Oft fällt es uns gar nicht auf. Aber mal ehrlich: Was hört man, wenn man sauer ist? Was hört man, wenn man traurig oder fröhlich ist? Musik baut uns auf, zeigt uns zum Teil auch Verständnis. Die Texte sprechen manch einem aus der Seele.Diese Eigenschaft der Musik machen sich auch Therapeuten zu Nutzen

St. Wendel. Ob Hip-Hop, Metal, R&B oder Classic: Musik prägt uns. Oft fällt es uns gar nicht auf. Aber mal ehrlich: Was hört man, wenn man sauer ist? Was hört man, wenn man traurig oder fröhlich ist? Musik baut uns auf, zeigt uns zum Teil auch Verständnis. Die Texte sprechen manch einem aus der Seele.Diese Eigenschaft der Musik machen sich auch Therapeuten zu Nutzen. Sie zeigt Heilung in seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit. Wir haben Jürgen Brill (45), einen Musiklehrer, der sich mit Musiktherapie, speziell bei behinderten Menschen, beschäftigt, getroffen und Interessantes erfahren.

Sie unterrichten sowohl behinderte als auch nichtbehinderte Menschen. Wie unterscheiden sich die Unterrichtsmethoden?

Brill: Mit meinen nichtbehinderten Schülern mache ich gezielten Instrumentalunterricht, das heißt, sie lernen bestimmte Instrumente, Noten lesen und erarbeiten Stücke. Mit meinen geistig und körperlich behinderten Schülern singe ich, wir trommeln und improvisieren. Wir machen keinen gezielten Instrumentalunterricht und verwenden Musik als Therapie. Nina zum Beispiel hat gelernt zu singen und Atemtechniken geübt. Durch den Unterricht haben Andrea und sie auch öffentliche Auftritte und Nina hat den Mut auf anderen Veranstaltungen aufzutreten.

Wie beurteilen sie Musiktherapie?

Brill: Musiktherapie hat gegenüber anderen Therapien den Vorteil, dass ein sehr hoher Spaßfaktor dabei ist. Man macht es gerne. Es ist also eine Freizeitbeschäftigung und man lernt etwas dazu, also ist auch ein therapeutischer Faktor dabei.

Musik drückt den Charakter des Menschen aus. Wie verändert Musik einen selbst?

Brill: Natürlich lernt man einfach immer dazu. Man ist ausgeglichener. Auch an meinen Schülern merke ich Veränderungen. Sie werden reifer, entwickeln sich weiter und durch das ständige Dazulernen wird die Gedächtnisleistung enorm verbessert.

Es gibt passive und aktive Therapie. Welche Therapie machen Sie mit ihren behinderten Schülern?

Brill: Es kommt auf die Behinderung an. Ich mache natürlich, soweit es möglich ist, aktiv Musik mit meinen Schülern. Aber bei einigen Schülern ist es nicht möglich, richtig Musik zu machen. Darum spiele ich ihnen etwas vor. Trotzdem kommen diese Schüler ebenfalls regelmäßig und seit vielen Jahren hierher. Es macht eben auch Spaß.

Auch Nina Rauber (21) und Andrea Brill (30), zwei Schülerinnen von Herrn Brill, haben sich zu einem Interview bereiterklärt.

Wie lange kommt ihr schon hier her in den Unterricht?

Andrea Brill: Schon seit 16 Jahren.

Nina Rauber: Ich komme seit 9 Jahren hierher, seit ich 12 bin.

Was macht ihr so im Unterricht?

Andrea: Wir spielen Saxofon und trommeln.

Nina: Singen. Und manchmal spielen wir auch Instrumente. Am liebsten spiele ich Kalimba (Instrument, das mit nur einem Finger über Klangstäbe gespielt wird).

Wie fühlt ihr euch, wenn ihr hierher kommt?

Andrea: Ich fühle mich gut. Es macht mir großen Spaß und ich freue mich immer, wenn ich hierher kommen kann.

Nina: Ich freue mich auch immer, wenn ich hierher komme.

Was macht Herr Brill so mit euch? Wie gestaltet ihr den Unterricht?

Nina: Wir machen viel mit Instrumenten und schreiben auch Texte. Wir spielen auch richtige Stücke. Wir spielen auf Instrumenten, die besonders für behinderte Menschen geeignet sind. Außerdem müssen wir uns nicht an Bücher und Noten halten und können auch Ideen für Lieder und Texte sammeln oder einfach nur Jürgen zuhören.

Nina, Du machst ja auch außerhalb des Unterrichts zum Beispiel mit deinem Vater viel Musik. Hat die Musik schon immer so zu deinem Leben gehört wie jetzt?

Nina: Als mein Vater angefangen hat, Gitarre zu spielen, habe ich gemerkt, dass Singen mir großen Spaß macht. Und das tue ich auch schon mein ganzes Leben lang.

Würdest du sagen, der Musikunterricht hat dir geholfen, dich weiterzuentwickeln?

 Nina Rauber, Jürgen Brill, Andrea Brill und Clara Brill (von links) im Musikunterricht. Foto: Ver
Nina Rauber, Jürgen Brill, Andrea Brill und Clara Brill (von links) im Musikunterricht. Foto: Ver

Nina: Ja, man lernt ja immer neue Sachen. Und das ist halt das Gute daran. Dass man das immer weiter machen kann. Außerdem hatten wir ja auch öffentliche Auftritte. Das hat mein Selbstvertrauen sehr bestärkt.