1. Saarland

Eine handballverrückte Familie

Eine handballverrückte Familie

Oberthal/Marpingen. Sie werden natürlich wieder auf der Tribüne sitzen und mitfiebern. So wie fast immer: Wenn das Brüderpaar Jan und Lukas Böing mit der HSG Nordsaar auf Torejagd geht, sind die Eltern Birgit und Jürgen, wann immer es geht, dabei. Auch an diesem Samstag um 18 Uhr in der Marpinger Sporthalle gegen den Liga-Achten TV Homburg

Oberthal/Marpingen. Sie werden natürlich wieder auf der Tribüne sitzen und mitfiebern. So wie fast immer: Wenn das Brüderpaar Jan und Lukas Böing mit der HSG Nordsaar auf Torejagd geht, sind die Eltern Birgit und Jürgen, wann immer es geht, dabei. Auch an diesem Samstag um 18 Uhr in der Marpinger Sporthalle gegen den Liga-Achten TV Homburg. Dabei sehen sie die Spiele durchaus in unterschiedlicher Weise: "Bei den Jungs bin ich nie der Kritiker gewesen, eher der Fan und Motivator", meint Mutter Birgit. Etwas emotionaler sieht Vater Jürgen die Spiele und leidet dann auch mit den Kindern.Die beiden sind nicht nur die Eltern der beiden Handballer, sie sind auch selbst Trainer. "Ja", lacht Mutter Birgit. "Trainer sind wir beide bei unseren Mannschaften, aber nicht bei unseren Kindern." Sie selbst spielte lange Handball und trainiert seit ihrem 16. Lebensjahr Jugendmannschaften, derzeit die weibliche C-Jugend der JSG Oberthal-Namborn. Ehemann Jürgen, der nicht als Handballer aktiv gewesen ist, vertrat seine Frau während der Schwangerschaft des ältesten Sohnes Jan, seitdem ist er Trainer dabei geblieben. Er fungiert mittlerweile als Co-Trainer beim Frauen-Oberligisten FSG Oberthal-Hirstein. Zwölf Jahre war er zudem Vorsitzender der DJK Oberthal, nun lenkt er die Geschicke des Fördervereins.

"Es ist doch eine Mannschaftssportart. Für die soziale Entwicklung von Kindern gibt es nichts besseres", erklärt Birgit Böing. Und bei all dem Engagement für den Handball ist es auch nicht vorstellbar, dass aus ihren Söhnen einmal Schwimmer oder Kegler hätten werden können. "Wir sind in die Bliestalhalle reingeboren worden", erzählt Jan Böing (26).

Im Mini-Alter hatten er und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Lukas in Oberthal das Handball-ABC gelernt. "Das Talent haben sie von ihrer Mutter geerbt", ist Vater Jürgen überzeugt.

Rückraumspieler Jan Böing spielte gemeinsam 2002 im Oberthaler-Jugendteam mit den heutigen serbischen Nationalspieler Momir Rnic (Frisch Auf Göppingen), Sohn des gleichnamigen Olympiasiegers von 1984 und Handball-Weltmeisters von 1986, der lange für den TV Niederwürzbach auflief. Nach guten Leistungen in der Saar-Auswahl wurden die Talente zu einem Sichtungslehrgang des Deutschen Handballbundes eingeladen. Linkshänder Lukas stand in der Saarauswahl gemeinsam mit dem heutigen Saarlouiser Zweitliga-Akteur und Göppinger Bundesliga-Spieler Daniel Fontaine auf dem Feld. "Anfragen, zu anderen Vereinen zu wechseln, hatten beide genug", berichtet der Vater. Doch ihr Verein sei immer die DJK Oberthal, später die HSG Nordsaar, gewesen.

Und dort übernehmen sie gerne Verantwortung. Jan, von Beruf Polizist, arbeitet im HSG-Spielausschuss als Aktivensprecher mit, Sportstudent Lukas trainiert mit Manfred Thome die männliche B-Jugend. Nach dem Abstieg aus der Oberliga sind die Böings in der Saarlandliga mit der HSG Nordsaar wieder im Meisterschaftsrennen. Drei Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer HF Merzig-Brotdorf. Mit dem spielerischen Verlauf der drei absolvierten Partien in der Rückrunde ist Jan Böing aber nicht zufrieden. "Da war nur ein halbes gutes Spiel dabei", meint er. Als "kollektiven Totalausfall" bezeichnen beide den schwachen Auftritt mit dem hauchdünnen 29:28-Sieg am vergangenen Spieltag beim Vorletzten HSG TV Altenkessel/ATSV Saarbrücken. "Gegen Homburg wollen wir an diesem Samstag eine gute Schnippe drauflegen", kündigt Lukas Böing für das Heimspiel gegen Homburg an. "Uns fällt es schwer, nach dem Tempospiel nach vorne den nötigen Aufbau für das Positionsspiel zu finden", weiß Jan Böig, wo es klemmt. Vielleicht haben Mutter Birgit und Vater Jürgen ja doch noch den ein oder anderen Tipp. Als Trainer. Oder doch als begeisterte Eltern. "Wir sind in die Bliestalhalle reingeboren worden."

Birgit Böing mit ihren Söhnen Jan (links) und Lukas. "Das Talent", sagt Vater Jürgen, "haben sie von ihrer Mutter geerbt." Foto: Faber.

Jan Böing über den Grund für die Vorliebe zum Handball