1. Saarland

Aktion Dritte Welt Saar: „Eine gewisse gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“

Aktion Dritte Welt Saar : „Eine gewisse gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“

Von Sebastian Dingler

Das kennt man ja zur Genüge: Eine Organisation lädt zum Empfang ein paar wohlgesonnene Politiker ein, diese ergehen sich in Lobhudeleien und am Schluss haben sich alle lieb. Der Erkenntnisgewinn hält sich bei solchen Veranstaltungen meist in Grenzen. Mal einen ganz anderen Weg wollte da die Aktion 3. Welt Saar gehen: Die politisch links orientierte und islamkritische Organisation wollte kein bisschen Lob, sondern nur Kritik hören von den beiden eingeladenen Rednern Roland Theis (CDU) und Ulrich Commerçon (SPD). Etwa 40 Zuhörer waren zum Frühlingsempfang unter dem Motto „Das stört!“ in die Merziger Fellenbergmühle gekommen.

Zunächst begrüßte Gertrud Selzer vom Vorstand die Anwesenden und stellte den Standpunkt ihrer Organisation dar: Sie sprach sich vehement gegen den Islamismus aus. Islamverbände wie Ditib und die Islamische Gemeinde Saar wurden von ihr als islamistisch bezeichnet. Gleichwohl forderte sie die Aufhebung des Verbots der kurdischen Arbeiterpartei PKK und verglich deren inhaftierten Führer Abdullah Öcalan mit Nelson Mandela. Von der Bundesregierung wird die PKK als Terrororganisation eingestuft.

Theis gab sich zunächst als klarer Konservativer zu erkennen. Kern seiner Kritik an der Aktion 3. Welt Saar war deren Schweigen zu den Menschenrechtsverletzungen sozialistischer Staaten wie Kuba, Venezuela und China. „Man könnte meinen, dass überall dort, wo der Traum linker Ideologen zum Alptraum des real existierenden Sozialismus geworden ist, die Aktion 3. Welt Saar seit über drei Jahrzehnten konsequent wegschaut“, sagte Theis.

Bei Bildungsminister Commerçon bestanden Zweifel, ob er sich zu wahrer Kritik werde durchringen können, schließlich gehört er dem Beirat der Aktion 3. Welt Saar an. Er hielt sich in seiner Rede zunächst mit Kleinigkeiten auf wie der ungenauen Verwendung von Sprache der Aktion 3. Welt Saar. Dann ging’s aber doch noch ans Eingemachte, nämlich beim Thema Islam: „Kritiker des Islam agieren häufig unter dem Deckmantel der Kritik am Islamismus. Und das findet sich leider an vielen Stellen in den Texten der Aktion 3. Welt Saar: Eine unterschwellige und undifferenzierte Gleichsetzung von Islam und Islamismus.“ Der Minister meinte anschließend noch: „Eine gewisse gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit könnte man der Aktion 3. Welt Saar schon unterstellen.“ Das war schon starker Tobak – dennoch herrschten am Ende beim lockeren Zusammensein wieder versöhnlichere Töne. Commerçon meinte da: „Die Radikalität der Kritik ist etwas, was ich sehr schätze an der Aktion 3. Welt Saar. Das ist auch ein schönes Zeichen demokratischer und politischer Kultur, wenn man es schafft, sich so was gegenseitig an den Kopf zu werfen. Die kritisieren mich umgekehrt auch scharf, und das völlig zurecht.“ Theis wiederum äußerte, dass er die Arbeit der Organisation gegen den Antisemitismus sehr schätze, da sie völlig ideologiefrei geschehe. Gertrud Selzer war letztlich zufrieden: „Der Abend ist so verlaufen, dass wir eine ganze Menge Streitkultur und Debatte hatten, das finde ich wunderbar. Ich glaube, dass man sich nur im Streit und in der Kritik weiterentwickeln kann. Uns hat es jedenfalls sehr viel Spaß gemacht.“