1. Saarland

"Eine Explosion der Gewalt rüttelt uns in diesen Wochen auf" "Sehnsucht nach dem Reich Gottes"

"Eine Explosion der Gewalt rüttelt uns in diesen Wochen auf" "Sehnsucht nach dem Reich Gottes"

Niederkirchen. Kaum eine Zeit im Jahr, so führte Kirchenpräsident Christian Schad in seine Predigt ein, sei so mit Erinnerungen gesättigt wie die Advents- und Weihnachtszeit. "Wie wir diese Wochen begehen, hängt eng zusammen mit den Traditionen, die wir aus unseren Familien und Kirchen kennen", sagte der 53-jährige Theologe

Niederkirchen. Kaum eine Zeit im Jahr, so führte Kirchenpräsident Christian Schad in seine Predigt ein, sei so mit Erinnerungen gesättigt wie die Advents- und Weihnachtszeit. "Wie wir diese Wochen begehen, hängt eng zusammen mit den Traditionen, die wir aus unseren Familien und Kirchen kennen", sagte der 53-jährige Theologe. Die Bilder der Kindheit bestimmten noch heute die Choreografie von Advent und Weihnachten. Kurz hielt Schad Rückschau, richtete dabei den Blick zurück auf einen der Ursprungsdaten der Religion. "Religion heißt übersetzt Rück-Bindung, Rück-Bindung an die Geschichte der Väter und Mütter und an das Ursprungsgeschehen, den Auszug der Israeliten aus Ägypten", so der gebürtige Ludwigshafener.Eine neue Richtung des Denkens tue sich auf. "Es wird die Zeit kommen, da wird an die Stelle der alten Geschichte eine neue treten. Eine neue Gottesbewegung wird versprochen." Er werde die Seinen aus allen Himmelsrichtungen sammeln, in die er sie verschlagen habe, und sie sollten in ihrem Land sicher wohnen. Damit spannte Schad den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. "Erinnerung und Erwartung; was aber wird auf uns zukommen?", wendete er sich fragend an die Besucher. "Eine Explosion der Gewalt rüttelt uns in diesen Wochen auf", stellte der Kirchenpräsident beängstigt fest. Rechtsradikaler, mörderischer Terror erschüttere das Land 66 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft. "Es ist passiert, was nicht für möglich gehalten wurde. Und obendrein hat ein ganzes Sicherheitssystem versagt - mit furchtbaren Folgen", kritisierte Schad harsch.

Doch was mache Mut, dagegen aufzustehen?. "Der moralischen Umkehr müsse die "Umkehr der Einbildungskraft" vorangehen", zitierte er dazu den französischen Philosophen Paul Ricoeur. Genau wie damals die Israeliten benötige man Hoffnungsbilder. "Wir brauchen die Nahrung durch biblische Geschichten und Visionen, damit im allgemeinen Bilderverschleiß die langsamen Bilder und die Sprache der Nachdenklichkeit sich wieder einbilden, und in uns die Integrationskraft erneuern können", meinte Schad. Im Advent werde nicht nur die Vorweihnachtszeit gefeiert. "Sondern wir üben uns ein in die Sehnsucht nach dem Reich Gottes", schilderte er. Denn wo diese Sehnsucht wach bleibe, stehe man auf und hebe den Kopf. Dabei würden die Gedanken geschärft, man bekomme ein Gefühl für die Gerechtigkeit und entwickele Mut und Zivilcourage.

"Den Besuch hat uns der Kirchenpräsident schon länger versprochen. Trotz seines engen Terminplanes will er ständigen Kontakt mit der Basis halten", freute sich Pfarrer Werner. Er zelebrierte den Gottesdienst, der vom Gospelchor mit Gesängen begleitet wurde.