1. Saarland

Eine besondere Welt aus Gefühlen

Eine besondere Welt aus Gefühlen

Püttlingen. Bereits in den ersten zwei Minuten des in der Stadthalle von Püttlingen aufgeführten Passionsspieles bekamen die Besucher vor Ehrfurcht eine Gänsehaut. "Mensch Jesus" hieß das von der Behindertengruppe der KammerBühneKöllertal aufgeführte pantomimische Passionsspiel, das mit der Beweinung des toten Jesus beginnt und mit seiner Auferstehung endet

Püttlingen. Bereits in den ersten zwei Minuten des in der Stadthalle von Püttlingen aufgeführten Passionsspieles bekamen die Besucher vor Ehrfurcht eine Gänsehaut. "Mensch Jesus" hieß das von der Behindertengruppe der KammerBühneKöllertal aufgeführte pantomimische Passionsspiel, das mit der Beweinung des toten Jesus beginnt und mit seiner Auferstehung endet. Mit teilweise selbst gebastelten Pappmaché-Masken und zeitgenössischen Gewändern lassen die Akteure nur durch ihre Bewegungen und die extra für die Aufführung geschriebene Musik eine Welt von Gefühlen erleben, wie sie uns zwar täglich begegnet, aber von uns einfach nicht mehr wahrgenommen werden will. Von Trauer, über Hoffnung bis hin zur Auferstehung und der damit verbundenen Freude - lautlos und doch in unserem Herzen und Geist fast unerträglich laut klingend. Was der Regisseur Lothar Regitz hier mit vermeintlich "Behinderten" pantomimisch inzenierte, ist einer großen Bühne mehr als würdig. Sie leben die Gefühle aus, die wir, warum auch immer, unterdrücken. Und man kann sich des Eindruckes manchmal nicht erwehren, dass die oft gezeigte Geringschätzung für "Behinderte" wohl eher Neid auf ihre freie, fröhliche Art ist, mit ihrer und unserer Welt im Einklang zu sein. Und jetzt so ein Passionsspiel. Acht Schritte sind es zum Beispiel, die Johannes der Täufer zu seinem Standplatz auf der Bühne hat. Und doch wiegt ein jeder schwerer als alles Leid dieser Welt. Jede Geste von Jesus lässt den Zuschauer mehr Wärme fühlen, als sie alle Vulkane produzieren können. Dass der Applaus nicht enden wollte zum Schluss, war bereits am Anfang nach wenigen Minuten zu fühlen. Es kostete Überwindung nicht nach jeder Station zu klatschen - Lothar Regitz hat es verboten. Die Zuschauer sollten den Applaus "sammeln", um nicht die Stimmung der inneren Einkehr zu stören und die Zuschauer hatten gesammelt. Mit den Händen und durch Stampfen mit den Füßen wurde den Akteuren und ihrer Leistung Tribut gezollt. bub