Ein zeitlich begrenztes Paradies

Saarbrücken. Offenbar leicht lernen Kinder das Eislaufen, wenn sie nicht lange überlegen, ob es schwierig ist, auf den Kufen über das glatte Parkett zu sausen oder nicht. Zum Beispiel, wenn sie auf der Eisfläche Spiele machen, die sie aus dem Sportunterricht kennen

Saarbrücken. Offenbar leicht lernen Kinder das Eislaufen, wenn sie nicht lange überlegen, ob es schwierig ist, auf den Kufen über das glatte Parkett zu sausen oder nicht. Zum Beispiel, wenn sie auf der Eisfläche Spiele machen, die sie aus dem Sportunterricht kennen. So ist das bei den "Eff-Eff Flotten Flitzern", einem Kreis aus Saarbrücker Eislaufbegeisterten um Uschi Grobusch, die derzeit samstags im Eispalast am Staatstheater zu finden sind, der Fall. "Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann" und "Fischer wie tief ist das Wasser?" heißen die Spiele, bei denen die Kleinen so schnell wie möglich von der einen Bande zur anderen flitzen müssen, ohne in die Hände der Fänger zu fallen. Das tun sie erstaunlich schnell und sicher.Ein paar Meter weiter versuchen sich andere Kinder beim Eishockey. Grobusch, eine 83-jährige Saarbrückerin, gibt Fachleuten Rätsel auf. Die wundern sich, dass die Seniorin, die sich selbst als "mopsfidel" bezeichnet, dem Zahn der Zeit offenbar trotzt. Mit viel Sport auf dem Fahrrad und auf dem Eis. Besonders das Eislaufen macht ihr seit ihrem sechsten Lebensjahr sehr viel Spaß, oft wurde ihr bescheinigt, dass sie sich auf den Kufen noch immer so grazil bewegt wie eine junge Eisprinzessin. Und so kämpft sie unermüdlich für eine feste Saarbrücker Eisfläche. Sie habe schon vor Jahrzehnten eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Eishalle gegründet, Oskar Lafontaine und Herrmann Neuberger die Stirn geboten, um Saarbrücken eine Eishalle zu erhalten, sagt sie. Ihre Meinung ist: "Eine Landeshauptstadt ohne Eishalle ist eine Schande."Zurück zu den "Flotten Flitzern", die seit Wochen im Eispalast das zeitlich begrenzte Paradies finden. Denn nur noch am kommenden Samstag dürfen sie noch einmal für zwei Stunden auf dem Eis toben, denn nach dem Wochenende werden Zelt und Eisfläche abgebaut. "Die vergangenen Wochen waren für uns sehr reizvoll", sagt auch die Seniorin, die sich besonders freut, dass ihr Sohn Kai und ihre Enkelinnen Laura und Michelle zu den vielen "Flotten Flitzern" gehören.Das Ende der "Flotten-Flitzer"-Übungsstunden läuft seit deren Gründung im Jahr 2002 immer nach dem gleichen Ritus ab: Zunächst bilden die Eislaufbegeisterten einen Kreis in der Mitte der Eisfläche, in dem man noch ein bisschen juxt und spielt. Danach folgt die Abschlussparade, zu der irgendwann der Triumphmarsch aus Aida erklingt. Uschi Grobusch führt diese Parade zunächst an und mischt sich später in den Reigen ihrer Eislauffreunde. Mal Hand in Hand mit einer Enkelin, mal scheinbar schwebend und selig lächelnd wie eine junge Eisprinzessin. "Eine Landeshauptstadt ohne Eishalle ist eine Schande."Uschi Grobusch, "Eff-Eff Flotte Flitzer"

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