1. Saarland

Ein Stück Schwarzwald-Idylle in Heusweiler

Ein Stück Schwarzwald-Idylle in Heusweiler

Wahlschied. Der Fremde, der von der Landstraße 266 abgebogen ist und den abschüssigen Weg hinunter in den Ort "Wahlschieder Grube" gewählt hat, der wird zunächst von der Stille überrascht sein, die ihn umgibt. Vom Verkehrslärm der beiden in der Nähe vorbeiführenden Autobahnen ist überhaupt nichts zu hören und auch nichts von den Autos auf der Landstraße

Wahlschied. Der Fremde, der von der Landstraße 266 abgebogen ist und den abschüssigen Weg hinunter in den Ort "Wahlschieder Grube" gewählt hat, der wird zunächst von der Stille überrascht sein, die ihn umgibt. Vom Verkehrslärm der beiden in der Nähe vorbeiführenden Autobahnen ist überhaupt nichts zu hören und auch nichts von den Autos auf der Landstraße. Aus den offenen Fenstern der Häuser dringen einige gedämpfte Küchengeräusche, zwei, drei Hunde geben Laut und einige Spatzen tschilpen um die Wette - sonst ist alles ruhig.Es ist kurz vor Mittag in dem Ort "Wahlschieder Grube", der eigentlich kein Ortsteil sondern nur eine Straße des Heusweiler Ortsteiles "Wahlschied" ist. Nach Auskunft der Verwaltung im acht Kilometer entfernten Heusweiler wohnen hier 79 Personen in 34 Gebäuden, die allesamt in der einen - vom Anfang bis zum Ende abschüssigen Straße - stehen. Beim Abwärtsfahren linkerhand schmiegen sich die Häuser an den Hang zu Wahlschied hin. Rechtsseitig ist es weniger steil und die Gärten hinter den Häusern grenzen an Wiesen. Der geteerte Weg mündet am tiefsten Punkt in einen Waldweg, der kaum noch befahrbar ist. Das heißt: Autos müssen zum Wenden vor und rückwärts rangieren, ehe es mit zwölf prozentiger Steigung wieder in den Ort zurückgeht. Den Ort, in dem es kein Geschäft und kein Gasthaus gibt und in den kein Bäcker und kein rollender Lebensmittelhändler kommt.

Eine Frau mit Namen Elke Pelzer erzählt vom Fenster ihres Hauses aus, dass ihr Schwiegervater und später auch ihr Mann im Ort noch ein Gasthaus mit dem Namen "Schlupfwinkel" geführt hätten und dass es in den 1990er Jahren zwei oder drei Straßenfeste gegeben habe, bei denen "viel los" gewesen sei. Die Abgeschiedenheit des Ortes habe sie nur anfänglich, als sie hergezogen war, erschreckt. Heute genieße sie die Ruhe und Stille und sie könne sich nicht vorstellen, an einem anderen Ort zu leben. Sie sagt: "Im Winter, wenn Schnee liegt, meine ich manchmal, ich sei im Schwarzwald. Schnee wirkt auf mich beruhigend".

Edgar Walter, der mit Ehefrau Maria, Tochter Sandra und Schwiegersohn Uwe in einem schmucken Haus zu Beginn der Straße wohnt, kann als ältester "Eingeborener" noch erzählen, wie es früher war. "Unser Ort ist entstanden, weil sich hier Bergleute niederließen, die in zwei Stollen Kohle förderten. Wir hatten als Kinder noch in den Stolleneingängen gespielt". Die Chronik des Saarbergbaus bestätigt die Aussage des 1927 geborenen Mannes. In ihr steht geschrieben, dass einer der Stollen in den Jahren 1770 bis 72 angehauen worden sei und dass im Jahre 1813 eine Fördermenge von 1657 Fuder (altes Hohlmaß) erreicht worden sei. Die Kohleförderung wurde laut der Chronik im Jahre 1823 eingestellt. Die meisten Männer aus dem Ort arbeiteten später in der naheliegenden Grube Göttelborn.

Steil geht die Straße "Wahlschieder Grube" in die Höhe.

Walter legt ein altes Foto vor, auf dem sein Großvater vor dem Haus zu sehen ist, in dem er heute wohnt und dass er "hundertprozentig in Schuss" hält. Wenn man die schmucke Fassade betrachtet mit dem akkurat angelegten Garten davor, der sieht die Aussage des früheren Kraftfahrers bestätigt. Fühlt er sich nicht ab und zu einsam in dem abgeschiedenen Ort? "Nein", lautet die spontane Antwort. Die Wahlschieder Grube sei seine Heimat. Er fühle sich hier wohl und er brauche auch keinen Urlaub. Sein Blick streift über das Grün hinter und neben seinem Haus und den Hang mit den Hecken und Bäumen, der sich nach Wahlschied hin hochzieht.