Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken: Ein Skandal-Hochhaus wird eingeweiht

Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken : Ein Skandal-Hochhaus wird eingeweiht

Eine „Geduldsprobe“ nennt Ministerpräsident Hans den jahrelangen und skandalträchtigen Umbau des HTW-Hochhauses in Saarbrücken. Gestern war offizielle Einweihung.

Wenn im Saarland jemand von „dem Skandal-Hochhaus“ spricht, ist mittlerweile fast jedem geläufig, was damit gemeint ist: Das für die Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) umgebaute ehemalige Gesundheitsamt an der A 620. Ursprünglich sollte es im Herbst 2013 bezugsfertig sein und rund 20 Millionen Euro kosten. Gestern – gut viereinhalb Jahre später – wurde es nun offiziell eingeweiht. Und kostet nun vermutlich rund 15 Millionen Euro mehr – wegen zusätzlicher Ausgaben für Brandschutz-Nachbesserungen und Ersatzquartiere. Wer diese Mehrkosten bezahlen soll, darüber streiten Land und privater Bauträger derzeit vor Gericht.

„Zehn Jahre haben wir auf diesen Tag gewartet“, erklärte HTW-Rektor Wolrad Rommel gestern auf dem zeitgleich stattfindenden HTW-Sommerfest. 2008 hatten die Erweiterungspläne der HTW in Alt-Saarbrücken Gestalt angenommen. Rommel bedankte sich gestern ausdrücklich bei der früheren Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), dass sie „so lange durchgehalten hat“ und trotz der Streitigkeiten über explodierende Mehrkosten und jahrelange Verzögerungen an dem HTW-Hochhaus festgehalten habe. Es habe etliche heftige Diskussionen mit der Landesregierung gegeben, so Rommel. Die Zukunft des Baus stand mehrfach auf der Kippe. Der gestern eigens zur Einweihung erschienene Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) nannte die HTW ein „Erfolgsmodell“ mit einem stetigen Zuwachs an Studenten. Angesprochen auf die Verzögerungen beim HTW-Hochhaus fügte er gegenüber der SZ hinzu: „Ich bin froh, dass ich noch nicht so lange im Amt bin und diese lange Durststrecke überstehen musste. Und ich freue mich jetzt, dass die Geduldsprobe zu Ende ist.“

Hans drängte gestern ebenso wie Rommel auf eine „zügige Entscheidung“, ob das Gelände der Stadtwerke in unmittelbarer Nachbarschaft zur HTW in der Hohenzollernstraße erworben werden kann. Dorthin würde die HTW am liebsten mit Neubauten expandieren – nicht zuletzt, um die bestehenden Gebäude in der Goebenstraße zu ersetzen. Bislang zeigen die Stadtwerke jedoch wenig Interesse daran, ihr Gelände zu veräußern – denn ein Neubau andernorts würde mutmaßlich mehr Geld verschlingen, als der Geländeverkauf einbringen würde, heißt es. „Wenn das Land auf sehr gut ausgebildete Ingenieure zugreifen will, muss es in die HTW investieren“, warb Rommel gestern für Unterstützung. Hans sagte, er sei sich mit Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) einig, dass schnell eine Entscheidung über das Stadtwerke-Geländes her müsse. Doch wie es jetzt konkret weitergeht, bleibt unklar. Es ist, wie es schon Jahre lang war: Die HTW will wachsen, aber Hindernisse vereiteln das wie eine Zwangsjacke.

In dem HTW-Hochhaus residieren seit vergangenen Dezember HTW-Präsident und -Verwaltung. Mitte Februar dieses Jahres wechselte die Pflegewissenschaft von der Hohenzollernstraße in das Hochhaus, Mitte März die Sozialwissenschaft vom vorübergehend angemieteten Ausweichstandort in Saarbrücken-Rastpfuhl. Heute verkehren in dem kernsanierten Bau damit rund 800 Studenten plus rund 150 Verwaltungsangestellte. Die Architekturstudenten, die ursprünglich ebenfalls in dem Hochhaus unterkommen sollten, bleiben am Ersatzstandort Göttelborn.

Eingeweiht wurde gestern auch das so genannte Zentralgebäude, das gegenüber des HTW-Hochhauses an der Malstatter Straße steht. Ursprünglich sollte es mit einer Brücke mit dem Hochhaus verbunden werden. Doch aus Kostengründen nahm man später davon Abstand. Das Zentralgebäude hat rund 23 Millionen Euro gekostet, der Bau wurde im Juli 2016 begonnen und im April dieses Jahres fristgerecht abgeschlossen. In dem Bau sind eine Bibliothek, eine neue Mensa, Projekträume, das Asta-Büro und ein großer Hörsaal mit 226 Sitzplätzen untergebracht.

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