Ein Sieg der Ritterlichkeit

Ein Sieg der Ritterlichkeit

St. Wendel. Nie hat der Begriff Ritterlichkeit für Sportsgeist oder Fairplay besser gepasst als an diesem Wochenende beim großen Ritterturnier in St. Wendel. Denn im sportlichen Wettkampf, dem Lanzenstechen und dem Schwertkampf zu Pferde, hatte der Sieger am Ende nicht nur wegen seiner Resultate die Nase vorn

St. Wendel. Nie hat der Begriff Ritterlichkeit für Sportsgeist oder Fairplay besser gepasst als an diesem Wochenende beim großen Ritterturnier in St. Wendel. Denn im sportlichen Wettkampf, dem Lanzenstechen und dem Schwertkampf zu Pferde, hatte der Sieger am Ende nicht nur wegen seiner Resultate die Nase vorn. Joram van Essen, gebürtiger Neuseeländer und heute in den Niederlanden lebend, holte sich mit 103 Punkten den Sieg - zwölf davon hatte er dem ritterlichen Einsatz seiner Mitstreiter zu verdanken. Die für ihn Punkte erstritten, als er selbst verletzt ausfiel. Und von demjenigen, gegen den er sich die Verletzung zugezogen hatte.Arne Koets, der das Turnier maßgeblich mitorganisiert hatte, gab fünf Punkte, die er von der Damenjury erhalten hatte, an seinen Kontrahenten ab - der entscheidende Vorsprung für den Turniersieg. "Arne weiß, was er damit getan hat. Das war absolut beeindruckend", sagte van Essen.

Koets blieb damit nur der zweite Platz - aber der erste im Herzen der Damenjury. Während der verletzte van Essen in rotem Gewand statt Rüstung stolz sein Siegerschwert präsentierte, nahm der Niederländer gerührt den Preis der Damenjury entgegen. Der Preis als bester Knappe ging an Andreas Wenzel aus Aschaffenburg.

Mitgefiebert und mitgelitten hatten die Zuschauer in den vergangenen drei Tagen. 12 300 Besucher meldete die Stadt St. Wendel als Veranstalter. "Wir hatten ein sehr dankbares Publikum aus ganz Deutschland hier", sagte Bürgermeister Klaus Bouillon. "Es ist nicht selbstverständlich, dass eine so kleine Stadt wie St. Wendel eine solch große Veranstaltung so hervorragend auf die Beine stellt", lobte Kristin Krischke von der Hofreitschule Bückeburg, die durch die Veranstaltung führte.

Drei Tage lang war im alten Bosenbachstadion in St. Wendel gekämpft, gejagt, gesungen und handwerklich gearbeitet worden. Neben der Hauptattraktion, dem Ritterturnier, füllten rund 200 Schausteller, Musiker und Fahnenschwenker das Heerlager mit Leben - Leben wie vor 500 Jahren, als Kaiser Maximilian I. St. Wendel besuchte. Söldner, Plattner, Waffenschmiede, ein venezianischer Hofstaat und vieles mehr zog die Besucher zu den Zelten rings um den Turnierplatz. Reenactment nennt es sich, wenn geschichtliche Ereignisse möglichst authentisch nachgestellt werden - ein Hauptanliegen des St. Wendeler Turniers, das damit einen bisher einmaligen Platz in der Welt einnimmt. "Selbst wir in der Reenactment-Szene haben nicht geglaubt, dass es möglich ist. Aber St. Wendel hat gezeigt, dass es möglich ist, ein Turnier nachzumachen, das in seiner Ausgestaltung historisch korrekt ist", zeigt sich Jürgen Boos aus Baden, der als Herold Habsburg durchs Programm führte, begeistert. Er war zudem positiv überrascht, wie interessiert und fachkundig das Publikum war.

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