Ein Sechseck gegen Habsburg

Ein Sechseck gegen Habsburg

Saarlouis. Europäische Großmachtpolitik bringt Thomas de Choisy, Offizier und Ingenieur des französischen Königs, 1679 an die Saar. Dort leitet er den Bau einer Festung in Sechseck-Form, die künftig den Namen des Königs Ludwig trägt. Das Bollwerk Saarlouis hat eine wichtige geopolitische Aufgabe: Es soll Frankreich gegen die Übermacht Habsburg verteidigen

Saarlouis. Europäische Großmachtpolitik bringt Thomas de Choisy, Offizier und Ingenieur des französischen Königs, 1679 an die Saar. Dort leitet er den Bau einer Festung in Sechseck-Form, die künftig den Namen des Königs Ludwig trägt. Das Bollwerk Saarlouis hat eine wichtige geopolitische Aufgabe: Es soll Frankreich gegen die Übermacht Habsburg verteidigen.

"Die geopolitischen Rahmenbedingungen in der Zeit von Thomas de Choisy" erläuterte Hans-Walter Herrmann beim Internationalen Symposium über Choisy, den ersten Gouverneur von Saarlouis. Vor Zuhörern aus Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg stellte der Geschichtsprofessor der Universität des Saarlandes heraus, dass ein Schauplatz europäischer Politik in der Neuzeit an der Saar lag: "Im Rahmen der Expansion Frankreichs in der Regierungszeit Ludwigs XIV."

Diese Expansion führt Frankreich in der Saargegend (im Herzogtum Lothringen) in direkten Konflikt mit dem benachbarten Heiligen Römischen Reich deutscher Nation unter dem Habsburger Kaiser. Grenzkonflikte um Einfluss und Besitz sind zwischen der aufsteigenden Großmacht Frankreich und der Übermacht Habsburg schon lange üblich.

Sie beginnen, als Habsburg 1477 Gebiete zwischen Burgund und Lothringen gewinnt (wie immer durch Heirat) und steigern sich, seit das Kaiserhaus auch Spanien (und die Kolonien der Neue Welt) beherrscht. Frankreich (das auch, aber weniger Kolonialbesitz hält) fürchtet eine "habsburgische Umklammerung" durch die Übermacht österreichischen Ursprungs.

Doch im 17. Jahrhundert lässt Spaniens Stärke nach und Frankreich steigt - unter Ludwig XIV. zur Hegemonialmacht Europas auf. Das gelingt durch Expansion. Frankreich erlangt (durch Schenkung) die Herrschaft über Metz, Toul und Verdun, 1669 wird Lothringen erobert.

Expansion ist bis ins 19. Jahrhundert gängiges Mittel der Politik. Nahezu alle Großmächte versuchten, durch militärische oder juristische Mittel noch größer zu werden.

Die französische Machtausweitung erreicht 1679 schließlich die Saar, wo Choisy im Auftrag des Königs einen geeigneten Platz für eine neue Festung. Saarlouis demonstriert fortan die Stärke der französischen Verteidigungslinie - vor allem gegen das schwächelnde Habsburg.

Dennoch gehen die Grenzkonflikte weiter. Sie enden erst im 18. Jahrhundert, als sich die beiden Großmächte nun gegen die neue Bedrohung verbünden: gegen die Preußen. kes

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