1. Saarland

Ein Saarländer zwischen Himalaja und Bubach

Ein Saarländer zwischen Himalaja und Bubach

Rucksack packen und raus in die Welt. Getrieben von Abenteuerlust und Fernweh. Kein Vier-Sterne-Hotel, kein Swimmingpool, keine Pauschalreisen. Fremde Menschen und Kulturen hautnah erleben. Für manche Menschen der ideale Urlaub. Wie für Heinz Zimmer aus Bubach. Der 57-Jährige bereist seit fast 40 Jahren die Welt, mal mit Bekannten, mal alleine

Rucksack packen und raus in die Welt. Getrieben von Abenteuerlust und Fernweh. Kein Vier-Sterne-Hotel, kein Swimmingpool, keine Pauschalreisen. Fremde Menschen und Kulturen hautnah erleben. Für manche Menschen der ideale Urlaub. Wie für Heinz Zimmer aus Bubach. Der 57-Jährige bereist seit fast 40 Jahren die Welt, mal mit Bekannten, mal alleine. Am liebsten in Gebiete, die noch nicht touristisch erschlossen wurden. "Am besten die Ziele ansteuern, die nicht in den Reiseführern genannt werden", sagt er. Schon früh faszinierten ihn fremde Länder und Kulturen, nicht zuletzt aufgrund seiner Begeisterung für Karl-May-Romane. 1973 dann die erste richtige Abenteuerreise: mit einigen Freunden im Auto durch Andorra, Spanien, Marokko. "Seit dem hat es mich gepackt. Die Reiselust ist wie ein Virus. Man wird sie nicht mehr los", sagt Zimmer. Die Karriere als Weltenbummler begann. Mal für einige Wochen, mal für einige Monate, nach Asien oder Süd-Amerika. Eine minutiöse Planung der Reise war dabei nie nötig: "Anders als bei den meisten Urlaubern hat bei mir immer nur grob die Reiseroute festgestanden. Ich wusste, wann es los geht und wann ungefähr das Ende war. Dazwischen hieß es auf eigene Faust die Gegend erkunden, ins Ungewisse reisen." Unvorhersehbare Dinge waren dabei stetige Begleiter. So etwa 1977 in Indien, als Zimmer in einem voll besetzten Zug saß, der sich zusehends leerte, bis nur noch er und sein Begleiter die einzigen Passagiere waren: "Dann blieb der Zug stehen und die Waggons wurden abgekoppelt. Auf einmal standen wir mitten in der Pampa", erinnert sich Zimmer. Derartiges konnte die beiden nicht aus der Bahn werfen, die Reise durch den Subkontinent setzten sie nach diesem unfreiwilligen Halt fort. Oder 1981 auf Sumatra. Sechs Tage steckte sein Bus im Schlamm fest, an ein Fortkommen war wegen der Regenfälle und Straßenverhältnisse nicht zu denken. "In solchen Momenten heißt es Augen zu und durch." Das hieß: Sechs Tage warten, dann den Trip fortsetzen.Zu den eigenen Fehlern stehen gehört ebenso zu seiner Reisephilosophie: "1988 wollte ich mit meinem Kumpel Chilo den Chimborazo, den höchsten Berg Ecuadors, besteigen. Leider waren wir zuerst an der Küste, auf Meeresspiegelhöhe, dann direkt auf den Berg. An die nötige Anpassung an den extremen Höhenunterschied haben wir nicht gedacht. Das war sehr dumm. Natürlich wurden wir höhenkrank. Dann hat auch das Wetter umgeschlagen, so dass wir den Versuch abgebrochen haben." Einen zweiten Versuch hat er nie gestartet, so wie er nie dasselbe Ziel mehrmals ansteuerte: "Beim zweiten Mal ist man immer enttäuscht." Dafür war er in vielen Dingen einer der Ersten, wie etwa 1986 in China: "Wir sind auf eigene Faust mit dem Fahrrad von Peking nach Suzhou gereist. Das war damals verboten. Es gab zwar für Touristen zugängliche Städte, jedoch durfte man sich nicht zwischen diesen bewegen. Wir wurden einige Male von Polizisten angehalten. Sie verlangten jedoch nur, dass wir so schnell wie möglich wegfahren." Nicht immer verliefen seine Touren glimpflich. Zimmer wurde mehrmals Zeuge blutiger Unruhen. Zum Beispiel 1990 in Nepal. Das Militär verhängte eine Ausgangssperre. Er erhielt die Erlaubnis, zum Flugplatz zu fahren, dort musste er noch einen weiteren Tag warten. Dann waren die Unruhen vorbei. Zimmer blieb. 1979 sah er in Peru errichtete Barrikaden, wütende Menschenmengen. Er selbst wurde mit Steinen beworfen. Er fand einen Taxi-Fahrer, der ihn zum Flughafen fuhr. Gegen einen saftigen Aufpreis. Das Taxi wurde während der Fahrt vom wütenden Mob angegriffen, die Insassen blieben unverletzt. Erfahrungen, die ihn nicht von seiner Leidenschaft abbringen konnten.

Ebenso wenig wie Krankheiten. "Während der Tour durch Ladakh und Zanskar 1984, über die Pässe und Täler des Himalajagebirges, hat es mich regelrecht von den Beinen gehauen. Durchfall. Innerhalb kürzester Zeit nahm ich zehn Kilogramm ab. Was half, war mein eiserner Wille und ein Sport-Getränk, das wir in Pulverform dabei hatten. Wir hatten ja den Punkt, an dem eine Umkehr möglich war, hinter uns gelassen." Ein Einheimischer, der Pferde über den Pass trieb, bot seine Hilfe an und belud einen Gaul mit dem Gepäck Zimmers. Diese Reise bezeichnet er heute als einen der Höhepunkte seines Weltenbummler-Daseins.

Kontakt mit der Bevölkerung aufnehmen, ein weiterer Zweck seiner Touren: "Reisen heißt, bei den Leuten zu leben, hautnah bei den Bewohnern zu sein. Mit bescheidenen Mitteln reisen und klarkommen, immer Holzklasse." Hotels oder Gaststätten waren immer nur eine erste Anlaufstation, bevor es mit dem Rucksack, zu Fuß oder auf dem Fahrrad, in entlegene Dörfer oder dünn besiedelte Landstriche ging. Auf Borneo lernte er 1980 einen Eingeborenen, Chaong, kennen, der etwas Englisch sprach. Chaong führte ihn in eine Dorfgemeinschaft ein, mitten im Dschungel, wo Zimmer zehn Tage lang lebte. Die ihm angebotene traditionelle Tätowierung, ein Zeichen für die endgültige Aufnahme im Dorf, lehnte er jedoch ab. Vor allem, weil sie auf den Hals sollte. Dennoch wurde ihm problemlos Unterkunft gewährt: "Anfangs waren die Leute zurückhaltend. Nach einiger Zeit brachte man mir Essen und Trinken. Dadurch wurde mir klar, dass ich akzeptiert war." Und wenn sich keine Aufnahme fand, so zeltete er in der Wildnis oder suchte sich leer stehende Hütten, wie etwa auf Neuguinea: "Nur die Ratten machten mir zu schaffen", erinnert er sich amüsiert.

Als einen weiteren Höhepunkt bezeichnet er seine Reise durch Australien 1983. Für wenig Geld kaufte er sich ein altes Auto, das nach 300 Kilometern stehen blieb. Kurzerhand beschloss er, per Anhalter weiter zu kommen. Ein Lastwagenfahrer hielt an und nahm ihn mit: "Er nannte sich Westi. In der Fahrerkabine hatte er einen Kühlschrank mit Bier. So tranken wir, während wir durch das australische Hinterland fuhren. Nur alle 200 bis 300 Kilometer gab es eine Tankstelle. Westi meinte einmal, dass er tanken müsse. Wir fuhren und fuhren, bis ich bald in der Ferne Lichter erblickte. Eine kleine Siedlung mit einer Tankstelle. Ich nahm an, auch Westi habe diese bemerkt. Doch machte er keine Anstalten, zu bremsen. Wir fuhren durch den kleinen Ort hindurch, Westi war hinter dem Steuer eingenickt." Später traf Zimmer erneut als Anhalter auf Westi, der jedoch bei der Überquerung des Küstenstreifens kein Bier trank. Zu viel Verkehr.

Die Rückkehr in die Normalität war für ihn oft hart: "Es war immer schwer, sich an die Hektik hier zu gewöhnen. Aber eine wichtige Lektion habe ich auf meinen Reisen gelernt: alles etwas gelassener betrachten." Sein Chef hatte Verständnis für seine Leidenschaft, gewährte oft unbezahlten Urlaub. Seine Umgebung nahm seine Reiselust mit gemischten Gefühlen auf. In einer Zeit, als es weder Internet, noch Handy gab, konnte er sich manchmal nur alle drei bis vier Monate in der Heimat melden. Dies setzte vor allem seinen Eltern zu. Mittlerweile ist Zimmer selber Vater. Sein Sohn hat die Leidenschaft seines Vaters nicht geerbt. Worüber der Vater auch sehr froh ist: "Ich würde mir zu viele Sorgen machen." GlobetrotterHeinz Zimmer aus Bubach liebt es, die Welt zu bereisen. Auf seinen Touren hat er unter anderem Australien, Südamerika und China (Foto links) entdeckt. Die Reiselust des 57-Jährigen ist längst noch nicht gestillt.

Am Rande

Mit anderen Reisehungrigen hat Zimmer den Verein Freunde des Abenteuermuseums gegründet, in dem er stellvertretender Vorsitzender ist. Sie kümmern sich um den Nachlass von Heinz Rox-Schulz. Der 1924 in Königsberg (Ostpreußen) geborene Heinz Schulz, der sich den Künstlernamen Rox zulegte, starb 2004 in Saarbrücken. Berühmtheit erlang er durch Bücher und Fernsehbeiträge über seine Weltreisen. In Saarbrücken leitete er ab 1980 sein Abenteuermuseum, in dem er allerlei Mitbringsel aus der ganzen Welt zeigte. Seit seinem Tod suchen die Freunde des Abenteuermuseums einen neuen Ausstellungsraum für den Nachlass. Das Museum musste 2004 die Lokalität im Alten Rathaus in Saarbrücken für die Volkshochschule räumen. Auch veranstalten die Freunde des Abenteuermuseums regelmäßig Vorträge und Diashows über ihre Touren. lk

Kontakt: Heinz Zimmer, E-Mail: saarbruecken-treffen@dzg.com.

abenteuermuseum.de

Auf einen Blick

In Zanskar ließ sich Zimmer mit einem buddhistischen Mönch ablichten. Fotos: Heinz Zimmer.
Zimmer (Mitte) im traditionellen Langhaus der Dayaks auf Borneo (1980).
Diese Aufnahme entstand 1990: Damals besuchte Heinz Zimmer Nepal. Er fotografierte einen Töpfer bei der Arbeit.
In Zanskar ließ sich Zimmer mit einem buddhistischen Mönch ablichten. Fotos: Heinz Zimmer.
Zimmer (Mitte) im traditionellen Langhaus der Dayaks auf Borneo (1980).

Seit 1973 bereist Heinz Zimmer die Welt. Bis 1995 war er 21-mal auf längeren Touren unterwegs, zumeist durch Asien und Süd-Amerika. Zwischendurch ging es durch Europa. Auf dem alten Kontinent haben ihm die Masuren (Polen) am besten gefallen. Die nächste Reise plant er bereits: Burma (Myanmar). Das Land öffnet sich gerade, nachdem 2010 die ersten freien Wahlen seit 1990 durchgeführt wurden. Einen Traum hat er auch: den Nathu-La-Pass durchqueren, der wegen Grenzstreitigkeiten zwischen Indien und China bis 2006 geschlossen war. lk