Ein KZ-Überlebender berichtet

Ein KZ-Überlebender berichtet

Theley. Menachem Kallus, ein Überlebender des Holocaust, besuchte die ERS Schaumberg Theley, um den Schülern der 9er-Realschulklassen von seiner Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus, besonders aber im KZ Ravensbrück, zu erzählen

Theley. Menachem Kallus, ein Überlebender des Holocaust, besuchte die ERS Schaumberg Theley, um den Schülern der 9er-Realschulklassen von seiner Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus, besonders aber im KZ Ravensbrück, zu erzählen. Begleitet wurde er von seiner Schwester und der Schauspielerin und Kabarettistin Alice Hoffmann, die ihn bereits vor einigen Jahren durch seinen Bruder kennenlernte und als Dolmetscherin fungierte, denn Kallus hielt seinen Vortrag in englischer Sprache. Auch las sie Passagen aus seinem Buch mit dem Titel "Als Junge im KZ Ravensbrück" vor.Menachem Kallus war zu Kriegsbeginn zehn Jahre alt und lebte mit seinen Eltern und seinen beiden Geschwistern im vermeintlich sicheren Holland. Von dort wurden viele Juden, darunter auch seine Familie, von den Nazis verschleppt und in verschiedenen Lagern inhaftiert: Männer kamen nach Buchenwald und Frauen und Kinder nach Ravensbrück, so auch Menachem Kallus. Er und sein Freund waren dort ganz auf sich allein gestellt und erlebten Schreckliches. Ein Hauptgrund für sein Überleben war, dass er ungarischer Abstammung ist, denn Deutschland kooperierte mit Ungarn.

Bei Kriegsende war der inzwischen 14-jährige Menachem kein Kind mehr, sondern wie er des Öfteren betonte "ein Mann". Er wurde zu einer Tante geschickt, denn sein Vater war in Buchenwald und seine Mutter kurz nach der Befreiung gestorben. Aufgrund seiner Vergangenheit hatte er Schwierigkeiten, die Schule mit Gleichaltrigen zu besuchen. Zusammen mit seinen Geschwistern wurde er von einem israelischen Ehepaar adoptiert, lernte den Beruf des Flugzeugmechanikers, heiratete und bekam mit seiner Frau vier Kinder.

Lange konnte er nicht über seine Kindheit sprechen, möchte aber nun der heutigen Jugend möglichst viel darüber erzählen, damit sich solche schlimmen Dinge wie in der NS-Zeit nicht mehr wiederholen. Besonders beeindruckt waren die Zuhörer darüber, dass Menachem Kallus keinen Groll oder Hass gegenüber Deutschen hegt. Nach seinem Vortrag beantwortete er die Fragen der Schüler. red

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