1. Saarland

Ein Kompass gegen die seelische Not

Ein Kompass gegen die seelische Not

Merzig. In einem Stuhlkreis kommen einmal im Monat dienstags Menschen zusammen, die eine Krankheit eint und die den Mut gefasst haben, ihr gemeinsam entgegen zu treten. Der Arbeitskreis "Kompass - Ein Wegweiser bei Depressionen" ist eine Selbsthilfegruppe, die die Gleichstellungstelle des Landkreises im Oktober ins Leben gerufen hat

Merzig. In einem Stuhlkreis kommen einmal im Monat dienstags Menschen zusammen, die eine Krankheit eint und die den Mut gefasst haben, ihr gemeinsam entgegen zu treten. Der Arbeitskreis "Kompass - Ein Wegweiser bei Depressionen" ist eine Selbsthilfegruppe, die die Gleichstellungstelle des Landkreises im Oktober ins Leben gerufen hat. Peter Brill leitet die Gruppe, und er ist mehr als vertraut mit der Thematik. Auch der 59-Jährige litt unter einer Depression und weiß, wie sich die Teilnehmer "in diesem Teufelskreis" fühlen. Ein Betroffener hilft Betroffenen "auf Augenhöhe" - das ist die Idee. Und sie kommt gut an, sagt Brill nach den ersten drei Treffen. Eine "aktive, gute Runde" habe sich herausgebildet.Neben dem Arbeitskreis leitet Brill seit kurzem auch eine zweite "Kompass"-Gruppe, einmal monatlich donnerstags im Haus der Familie in Merzig. Veranstalter sind hier die Katholische Familienbildungsstätte und das Saarländische Bündnis gegen Depression. "Beide Gruppen haben aber das gleiche Konzept", erzählt der Leiter, der bei der Kreisverwaltung arbeitet und "wegen meiner persönlichen Geschichte" zur Idee für die Gruppen kam, die er "dank der Träger" verwirklichen konnte. Das Konzept hat er selbst entwickelt. Der Weg aus der Depression führt danach über sieben Haltepunkte: K(raft), O(rdnung), M(enschen), P(ostives), A(nker), S(inn) und S(elbst).

Zwischen zehn und 15 Teilnehmer bilden die neuen Gruppen im Schnitt, darunter Betroffene und Angehörige. "In geschütztem Rahmen hat die Gruppe die Möglichkeit, sich über die Krankheit zu informieren, über ihre Probleme zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen", erklärt Brill. "Der Mut, zu uns zu kommen und darüber zu sprechen, ist der erste große Schritt." Was auch schon seit dem ersten Treffen zur Gruppe gehört: Vertrauen und Entscheidungsfreiheit, feste Regeln - und der Abschluss nach "außen", wo Depressionen noch immer Tabu-Themen sind. "Was gesprochen wird, bleibt hier im Raum", nennt Brill eine Voraussetzung. Eine ärztliche Diagnose sei dagegen keine. "Die Gruppe ist jederzeit offen für jeden, der sich mit dem Thema beschäftigen will oder festgestellt hat, dass er sich nicht wohlfühlt". Ein "Selbsttest", den Brill verteilt, frage Teilnehmer nach möglichen Symptomen - wie über längere Zeit andauernde gedrückte Stimmung, Angst, Antriebslosigkeit, seelische Not. "Je nach Ergebnis rate ich zu professioneller Hilfe bei einem Arzt oder in einer Therapie". Die könne er vor allem bei schweren Depressionen nicht ersetzen. "Unsere Gruppe ist nur ein Baustein zur Hilfe".

Meditation, Austausch, Anregungen - das alles bietet Brill an. Die ersten Rückmeldungen seien positiv. "Das hier tut mir gut", sei so ein Satz, der auch dem Gruppenleiter Kraft gebe. "Auch ich bin ja Betroffener. Auch ich profitiere von der Gruppe".Foto: ags

Auf einen Blick

Das nächste Treffen des Arbeitskreises "Kompass" der Gleichstellungsstelle des Landkreises findet am Dienstag, 5. Februar, 16 bis 18 Uhr, im kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes statt.

Im Haus der Familie trifft sich Peter Brills zweite "Kompass"-Gruppe das nächste Mal am Donnerstag, 14. Februar, 18 bis 20 Uhr.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig, aber wünschenswert. Anmeldung beim Landkreis unter Tel. (0 68 61) 8 03 20, im Haus der Familie unter (0 68 61) 60 32. kes