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Ein kleiner Stich kann Leben retten

Ein kleiner Stich kann Leben retten

Niederlinxweiler. "Hol Dir den Kick, rette Leben" - unter diesem Motto spielten jetzt junge Nachwuchsfußballer in Niederlinxweiler. Auf dem Programm stand der Kreisentscheid zum E-Jugend-Cup des saarländischen Fußballbundes

Niederlinxweiler. "Hol Dir den Kick, rette Leben" - unter diesem Motto spielten jetzt junge Nachwuchsfußballer in Niederlinxweiler. Auf dem Programm stand der Kreisentscheid zum E-Jugend-Cup des saarländischen Fußballbundes. Und während die zehn- bis elfjährigen Nachwuchsfußballer auf dem Kunstrasenplatz dem runden Leder nachjagten, warben Gabi Reder (50) und Aileen Bock (21) von der Birkenfelder Stefan-Mosch-Stiftung abseits des Spielfeldes um potenzielle Stammzellen-Spender.Erforderlich für diese Typisierung ist nicht mehr als ein kleiner Stich in den Arm, um rund fünf Milliliter Blut abzunehmen. Eine anschließende Analyse zeigt dann, ob es einen genetisch identischen Menschen gibt, der auf Hilfe angewiesen ist. "Die Blutentnahme ist gleichzeitig eine gute Bewährungsprobe", erklärt Reder. "Wer das macht, der sagt wahrscheinlich auch später nicht Nein, wenn es um eine Knochenmarkspende geht. Denn jeder Spender, der abspringt, bedeutet auch eine enttäuschte Hoffnung."

Für Leukämie-Patienten sei eine Knochenmarkstransplantation oft die einzige Chance, gesund zu werden. Nach Angaben der Stiftung erkranken in Deutschland pro Tag durchschnittlich 20 Menschen an Leukämie (Blutkrebs) oder einer ähnlichen Krankheit. Oft sind es Kinder und Jugendliche. Viele dieser Patienten seien auf Hilfe eines Spenders angewiesen, um zu überleben. Dazu müssten die genetischen Merkmale voll übereinstimmen. Reder: "Registrieren lassen kann sich jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 50 Jahren, um dann in unsere Spenderdatei zu kommen." Nach Stiftungsangaben werden fast täglich Spender aus dieser Datei der rund 380 000 potenziellen Lebensretter vermittelt. In Niederlinxweiler kamen jetzt 15 weitere hinzu.

Als Spender besonders begehrt sind junge, sportliche Menschen. "Diese haben kaum Krankheiten hinter sich und ihre Zellteilung funktioniert am besten", erklärt Elisabeth Terboven, Stiftungsmitarbeiterin und Koordinatorin der Aktion. Hier komme die Kooperation mit dem saarländischen Fußballverband ins Spiel. Terboven: "Wir freuen uns sehr über diese Zusammenarbeit und die zahlreichen Spender zeigen, dass es Sinn macht. Viele Eltern waren hier, um ihre Kinder zu sehen, und zeigten sich spontan bereit, zu helfen."

Während der vier Stationen des Turniers - neben Niederlinxweiler wurde auch in Großrosseln, St. Ingbert und Losheim gekickt - kamen 50 registrierte Spender und 1500 Euro Spendengeld zusammen. "Damit ist die Typisierung auch gleich bezahlt", freut sich Terboven.

Verein hilft gerne

Auch für den Vorsitzenden des Niederlinxweiler FC, Josef Wolczyk, ist die Kooperation ein Gewinn. "Wir als Verein sind froh, helfen zu können und damit auch etwas für unser Image zu tun", erklärt er. Auch wenn ein solches Turnier viel Arbeit für den Verein bedeutete. Wolczyk: "Ohne unsere vielen ehrenamtliche Helfer hätten wir das nicht geschafft."

Hintergrund

1984 erkrankte Stefan Morsch aus Hoppstädten-Weiersbach im Landkreis Birkenfeld an Leukämie. Als erstem Europäer wurde ihm in Seattle (USA) Knochenmark transplantiert. Es war seine einzige Überlebenschance. Obwohl die Operation gelang, verstarb Morsch im Dezember 1984 an den Folgen einer Lungenentzündung. Seine Eltern, Hiltrud und Emil Morsch, gründeten am 27. Januar 1986 eine Stiftung zur Hilfe von Tumor- und Leukämiekranken. Diese trägt zur Erinnerung den Namen ihres Sohnes und ist Deutschlands älteste Stammzellenspenderdatei. vsc