1. Saarland

Ein Klangerlebnis für Freunde der Blechbläser

Ein Klangerlebnis für Freunde der Blechbläser

St. Wendel. Silvesterabend in der Evangelischen Stadtkirche - das ist ein Fixpunkt im Jahresablauf und ein Datum, das sich viele Menschen merken, weil der Posaunenchor seit 22 Jahren an diesem Tag ein Konzert gibt. Heinz Seger hatte sein Ensemble auch diesmal wieder gut vorbereitet, um den 300 Besuchern musikalisch eine Freude zu machen

St. Wendel. Silvesterabend in der Evangelischen Stadtkirche - das ist ein Fixpunkt im Jahresablauf und ein Datum, das sich viele Menschen merken, weil der Posaunenchor seit 22 Jahren an diesem Tag ein Konzert gibt.Heinz Seger hatte sein Ensemble auch diesmal wieder gut vorbereitet, um den 300 Besuchern musikalisch eine Freude zu machen. Georg Friedrich Händel, wie man ihn mit dieser Art Musik nicht oft hört, lieferte den Auftakt mit einem wohlklingenden Marsch. Alt und doch ewig jung ist das Präludium des Kirchenkapellmeisters Marc-Antoine Charpentier, ein sehr bekannter Lobgesang, der bei vielen Gelegenheiten zu hören ist. Der Posaunenchor hatte auch den österreichischen Organisten und Tanzkomponisten Paul Peuerl in sein Programm aufgenommen. Getragen und festlich, in einigen Abschnitten mit mächtigen Paukenschlägen unterlegt, erklang eine so genannte "Paduane", das ist ein auf die italienische Stadt Padua bezogener gravitätischer Schreittanz im Vier-Viertel-Takt. In einem ähnlichen Stil waren die beiden Allemandes eines unbekannten Tonschöpfers gehalten, deutsche Tänze in jeweils gleicher Tonart.

Sehr geschlossen trat der Posaunenchor beim "Adagio" aus den "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi auf. Ruhig dahinfließend erklang das "Cantate Domino" ("Singt dem Herrn") von Hans Leo Hassler, der von 1564 bis 1612 lebte, Organist war und im Dienst von Kaiser Rudolf II. stand. Die Komposition bestach durch ihre Geschmeidigkeit und ihren thematisch fesselnden und farbenfrohen Klang. Als neues geistliches Lied ist "Ich lobe meinen Gott" vielen Kirchgängern geläufig. Es ist eine im Jahre 1979 entstandene Melodie, die in vielen Gottesdiensten gesungen wird. Den "Altirischen Reisesegen" verstanden die Konzertbesucher sowohl als Abschied vom alten Jahr, als auch als Weggeleit in das neue. Das bei diesen Konzerten jedes Jahr gespielte "Menuett" aus der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel präsentierte sich auch diesmal wieder als ein vorverlegtes Feuerwerk zum Jahreswechsel vier Stunden später. Das Publikum entließ den Posaunenchor erst, nachdem er zwei Zugaben gespielt hatte und applaudierte dankbar für das schöne Klangerlebnis.

Besinnliche und heitere Texte sprach Superintendent Gerhard Koepke zwischen den Musikstücken. So verglich er den Tag, der 86 400 Sekunden hat, mit einer Bank, die ihren Kunden jeden Morgen 86 400 Euro zur Verfügung stellt, die sie ausgeben, aber auf keinen Fall sparen könnten. Für die Menschen fülle sich jeder Tag neu mit so vielen Sekunden. Täglich stelle sich ihnen die Frage: Was mache ich mit dieser Zeit? Auch der verstorbene Kabarettist Hanns Dieter Hüsch lieferte wieder Texte für den Silvesterabend. Darin ging es um eine Fahrradtour mit dem lieben Gott, um Uhren und Einkaufstüten, um Butterbrote und um den Ruf nach dem Alltag mitten im Weihnachtsfest.

Auf einen Blick

Die Mitglieder des Posaunenchores der Evangelischen Kirchengemeinde St. Wendel: Manfred Gillenberg, Karl Heinz Grill, Werner Haaß und Franz-Josef Marx (Trompeten), Roland Geiger, Werner Peters, Artur Recktenwald und Nils Seger (Posaunen), Horst Schmidt (Tuba), Edmund Scherschel (Pauken), Dirigent Heinz Seger. gtr