Ein Kandidat integriert sich

Ein Kandidat integriert sich

Die CDU, das sind die Schwarzen. Und die kämpfen im parteipolitischen Wettstreit gegen die Roten von der SPD, die Dunkelroten von der Linkspartei, die Grünen, die Gelben von der FDP.

Bei der Stadtratswahl am 25. Mai kommen vielleicht noch ein paar andere Konkurrenz-Farben ins Spiel. Aber die CDU sei gut vorbereitet, versicherte mir neulich ein Christdemokrat. Die CDU trete nämlich in diesem Jahr "mit einem echten Schwarzen" an.

Gemeint ist Mohamed Maiga, im afrikanischen Mali geboren und Sprecher des Saarbrücker Integrationsbeirats, der früher mal Ausländerbeirat hieß. Ihn hat die CDU auf Platz sieben ihrer Stadtratsliste positioniert - ein klares Signal an die Einwanderer unter den Wählern.

Nun stellte sich diese Woche heraus, dass Mohamed Maiga zwar wohl ein CDU-Parteibuch hat, aber keinen deutschen Pass. Den - oder den Pass eines anderen Landes der Europäischen Union - braucht er aber, um gewählt werden zu können.

Das mit dem Pass wird nun knapp. Denn so ein Einbürgerungsverfahren dauert sechs bis zwölf Monate, manchmal sogar zwei Jahre, und Maiga hat den Antrag erst im November gestellt.

Kein Problem, sagt der Kandidat. Er habe seinen Antrag nicht wie üblich im städtischen Bürgeramt abgegeben, sondern gleich im saarländischen Innenministerium. So spare er Zeit. Und im Ministerium wisse er den Antrag bereits "in guten Händen".

Der schwarze Kandidat umgeht also die von den Roten geführte Stadtverwaltung und geht gleich zum von den Schwarzen geführten Ministerium. Man sollte dem Mann sofort einen deutschen Pass aushändigen. Er hat verstanden, wie das hier funktioniert. Er ist vollkommen integriert.

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