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Ein Jahr E 10: Kaum Lust auf Biosprit

Ein Jahr E 10: Kaum Lust auf Biosprit

Saarbrücken. Ein Jahr nach Einführung des Biokraftstoffs E 10 ist die Feierlaune zum ersten Geburtstag eher verhalten. Zwar haben sich die Zweifel über den neuen Sprit "massiv gelegt", sagt der für die Fahrzeugtechnik beim ADAC Saarland zuständige Mitarbeiter, Mario Wandernoth

Saarbrücken. Ein Jahr nach Einführung des Biokraftstoffs E 10 ist die Feierlaune zum ersten Geburtstag eher verhalten. Zwar haben sich die Zweifel über den neuen Sprit "massiv gelegt", sagt der für die Fahrzeugtechnik beim ADAC Saarland zuständige Mitarbeiter, Mario Wandernoth. Der Absatz des von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) seinerzeit eingeführtenBioprodukts liegt bei etwa zehn Prozent."Wir haben heute nahezu keine Anfragen mehr über die Verträglichkeit von E 10", erklärt Wandernoth. Wobei die Autofahrer, die E 10 tankten, viel sensibler ihr Auto beobachteten und auf Auffälligkeiten reagierten. "Oft führten sie Veränderungen auf den Biokraftstoff zurück, was sich aber nicht nachweisen ließ", sagt der ADAC-Experte.

Von den rund 244 700 saarländischen Mitgliedern habe es bisher keine Rückmeldungen über Motorschäden gegeben. Es gelte, wenn der Fahrzeughersteller vor der Unverträglichkeit warnt, Finger weg vom Biosprit. Läge keine Unverträglichkeit vor, müsse der Fahrzeughalter eben selbst entscheiden, was er tankt.

Die Mehrheit vertraut dem Superbenzin. Zumal der anfängliche Anreiz, den Biosprit durchschnittlich neun Cent günstiger zu tanken, als das Superbenzin, mittlerweile auch weg ist. Lediglich drei Cent Unterschied im Durchschnitt liegen noch zwischen den beiden Kraftstoffen.

Konkrete Zahlen bezieht Wandernoth aus einem Artikel der Fachzeitschrift "Autohaus online" vom September 2011. In einem Interview gab der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV), Klaus Picard, an, dass lediglich zehn Prozent aller Fahrzeughalter von "Benzinern" den Biokraftstoff tankten. 90 Prozent blieben demnach beim herkömmlichen Super E 5.

Die Lage vor Ort kann sogar noch düsterer sein: Norbert Schach betreibt in Saarlouis eine Aral-Tankstelle. Dort gibt es seit einigen Monaten bereits keine E 10-Zapfsäule mehr. Dies sei eine Entscheidung des Konzerns, erklärte seine Ehefrau Elke Schach. Die Nachfrage nach dem neuen Biosprit sei "verschwindend gering" gewesen, dafür sei aber Diesel sehr begehrt. "Wir hatten große Probleme, denn die Kunden standen bei uns Schlange und ärgerten sich", sagte Schach. Durch die Abschaffung der E 10-Zapfsäulen sei dieses Problem gelöst. Der Tankstellenpächter aus Saarlouis weiß allerdings, dass er die große Ausnahme ist.

Auch an der Esso-Tankstelle an der A 6 in Homburg bleibt E 10 ein Nischenprodukt, wie der stellvertretende Geschäftsführer Marc Sattler erklärt. "Die Kunden greifen eher auf Superbenzin zurück", hat er beobachtet. Anfänglich habe es an seiner Tankstelle viele Nachfragen über den Biosprit und seiner Verträglichkeit gegeben, was sich allerdings gelegt habe. "Wir durften ohnehin keine Auskünfte erteilen", sagt Sattler. Die Mitarbeiter mussten auf den Fahrzeughersteller oder ADAC verweisen.

Von einer verbesserten Stimmung sprach auch die Globus-Warenhaus-Holding. An ihren freien Tankstellen sei die Nachfrage an E 10 gestiegen, wenn auch nur sehr gering.

Auf einen Blick

Der Biokraftstoff E 10 enthält einen Anteil von bis zu zehn Prozent Bioethanol, der herkömmliche Kraftstoff E 5 einen Anteil von bis zu fünf Prozent. Die Bundesregierung hat eine EU-Verordnung umgesetzt und den neuen Kraftstoff Anfang 2011 eingeführt. Mit ihm sollen die Ölreserven geschont und die CO2-Emissionen reduziert werden.

Die Einführung von E 10 stieß bei den Autofahrern auf große Ablehnung und ein Jahr später liegt der Anteil im Gesamtabsatz bei zehn Prozent. Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH hat im Auftrag der Fahrzeughersteller eine Broschüre herausgegeben, die aufzeigt, welche Fahrzeuge für E 10 geeignet sind. Die Informationen sind im Internet auch über den ADAC abrufbar. hth