1. Saarland

Ein Irrweg, der zu einem selbst führt

Ein Irrweg, der zu einem selbst führt

Die Saarlouiser Künstlerin Monika Bugs hat in mühevoller Arbeit in ihrem Garten das Pflasterlabyrinth der Kathedrale von Reims nachgebildet. An diesem Wochenende lädt sie Besucher zur Besichtigung ein.

Nebenan dröhnen Motoren; ein Quad-Händler hat da seinen Sitz. Auf der anderen Seite verkauft man Lust, ein Bordell: in mehrfacher Hinsicht ein Gewerbegebiet eben. Doch ausgerechnet dazwischen hat die Saarlouiser Künstlerin und Kunsthistorikern Monika Bugs ihren "Kunst-Garten" angelegt. Bugs ist sich des Kontrastes, den ihr Garten , der ein Ort der inneren Einkehr sein soll, zur Umgebung bildet, wohl bewusst. Doch Spiritualität, sagt sie, "gehört mitten in den Alltag".

Bereits 2011 hat sie hier das "Labyrinth der Katze" geschaffen, ein Labyrinth, dessen Hecken-Linien von oben betrachtet das Muster eines Katzenkopfs bilden. Zwei Jahre später hat Bugs ein neues Projekt in Angriff genommen: das "Labyrinth von Reims", das sie nun fertig gestellt hat. Dieses Labyrinth ist eine annähernd maßstabgetreue Rekonstruktion des im 18. Jahrhundert zerstörten Pflaster-Labyrinths von Reims. Die Vorlagen für das Labyrinth entnahm die Künstlerin Zeichnungen aus dem 16. Jahrhundert. Die Größenordnung schätze sie über Messungen in der Kathedrale ein, einem der bedeutendsten gotischen Bauwerke Frankreichs, die Kirche auch, in der über Jahrhunderte die französischen Könige gekrönt wurden. Zur Projektidee kam sie durch mehrfache Aufenthalte in der Champagner-Metropole, wo sie Frottagen (Reproduktionen gravierter Platten auf Papier) in der Basilika St. Remy erstellte.

Ihr Labyrinth von Reims, dass sie mit ungeheurer Akribie und in mehrfachen Farbschichten auf Pflastersteine aufgemalt hat, soll dem Besucher nicht nur als bloßes Anschauungsobjekt dienen. Bugs rät dazu, das Labyrinth in meditativem oder rhythmischem Gehen langsam abzuschreiten. Das Labyrinth sei ein "Symbol für das Leben, welches bei niemandem geradlinig verläuft, sondern auf verschlungenen Pfaden voranschreitet", sagt die Künstlerin, die regelmäßig auch Lesungen, Kunstspaziergänge und Skulptur-Besichtigungen anbietet. Der meditative Gang über das Pflasterlabyrinth, das elf auf elf Meter misst, soll zur inneren Besinnung führen. An seinen Kanten, Windungen und Umgängen, meint Bugs, könne man sich eigener biografischer Stationen, Wenden und Kehrtwendungen vergewissern. In ihrem "Kunst-Garten" soll man zur Ruhe kommen können, hofft Bugs. So lädt sie auch zum Meditieren in ihrem Garten ein.

Besichtigen kann man die Labyrinthe diesen Samstag und Sonntag, von 14 bis 18 Uhr, Saarlouis-Fraulautern, An der Fuchshöhle 3