Ein "Hinkelstein" aus Sulzbach

Sulzbach-/Fischbachtal. Wenn Alexander Domprobst erzählt, dann werden unsere Ahnen wach. Dann sitzt plötzlich die Fürstin von Reinheim mit am Tisch und lächelt erhaben. Genau: die Fürstin, deren Grab (um 400 v. Chr.) man in den 1960er Jahren zufällig beim Kiesabbau entdeckte und das eine Reihe wertvoller Schätze aus der Keltenzeit preisgab

Sulzbach-/Fischbachtal. Wenn Alexander Domprobst erzählt, dann werden unsere Ahnen wach. Dann sitzt plötzlich die Fürstin von Reinheim mit am Tisch und lächelt erhaben. Genau: die Fürstin, deren Grab (um 400 v. Chr.) man in den 1960er Jahren zufällig beim Kiesabbau entdeckte und das eine Reihe wertvoller Schätze aus der Keltenzeit preisgab. Ein Teil dieser Schätze, unter anderem prächtige Schmuckstücke, lagern in einem gut gesicherten Tresor im Landesdenkmalamt am "Zukunftsort Reden". Genauer gesagt in der Altertümersammlung, deren Leiter Alexander Domprobst ist.

Der Grabungstechniker, der die Vergangenheit, das Leben in frühren Jahrhunderten und Jahrtausenden auf sehr lebendige, sehr anschauliche Art und Weise zu schildern vermag, lädt gemeinsam mit anderen im Redener Zechenhaus ansässigen Institutionen am kommenden Sonntag ein zum Tag der offenen Tür (siehe Info-Kasten). Das lohnt sicherlich, kann man doch erstaunliche Exponate von der Steinzeit bis zur Merowingerzeit (450-750 n. Chr.) besichtigen und ihre ganz spezielle Geschichte erfahren.

Apropos Geschichte: Die SZ wollte vom Experten im Landesdenkmalamt wissen, welche Schätze die Altertümersammlung aus dem Sulzbach- und Fischbachtal birgt. Alexander Domprobst setzt sich an den Computer und schaut nach. Ums vorwegzunehmen: Das Ergebnis ist etwas ernüchternd. Was laut Fachmann vor allem daran liegt, dass Römer und Kelten und all die anderen Völker und Stämme sehr viel eher da sesshaft wurden, wo die Böden besonders fruchtbar und damit für den Ackerbau nutzbar waren. Etwa im Bliesgau, wie man weiß.

Ein Fundstück aus dem Sulzbacher Ruhbachtal (Im Fuchsenbruch) allerdings fällt dem Gast in der Altertümersammlung gleich auf: Es erinnert an den berühmten Hinkelstein aus der Manufaktur des gallischen Comic-Helden Obelix, allerdings ist dieser Stein bedeutend kleiner. Domprobst erklärt, dass es sich um eine so genannte Grabhügel-Bekrönung aus der Hallstattzeit handelt, ein Zeitabschnitt der älteren Eisenzeit. Damals, sagt Domprobst, wurden die Toten möglichst nahe am Firmament in einer sargähnlichen Konstruktion auf einem Hügel bestattet. Und ganz obenauf saß dieser 1,16 Meter hohe Stein, quasi als krönendes Teil.

Alexander Domprobst schaut weiter nach im PC. Und findet noch ein paar dokumentierte Kleinigkeiten: eine Pfeilspitze aus der Steinzeit von Neuweiler, ein Steinbeilchen aus Duweiler, ein paar Scherben von Herrensohr, die aus der Römerzeit stammen und noch ein paar andere nicht gerade historisch bedeutsame Dinge. Keine echte Ausbeute also. Erwähnenswert jedoch ist noch ein Eisenschmelzofen mit Winddüse aus römischer Zeit. Er ist im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ausgestellt.

Auf einen Blick

Tag der offenen Tür ist am Sonntag, 21. Juni, 10 bis 18 Uhr, am Zukunftsort Reden (Zechenhaus). Experten des Landesdenkmalamtes präsentieren und erklären den Besuchern die Altertümersammlung mit interessanten archäologischen Funden sowie auch die dazugehörigen Werkstätten. Zu sehen sind Exponate von Steinzeit bis Merowingerzeit (450-750 n. Chr.). Mit dabei am Sonntag ist auch das in Reden ansässige Zentrum für Bio-Dokumentation, das alle Sammlungen zugänglich macht, das Institut für Landeskunde mit Multimedia-Präsentationen, etwa zum Thema "50 Jahre Saarland im Wandel", das Oberbergamt, das Archivalien und Filme zeigt, die Tourismus- und Kulturzentrale Neunkirchen (Ausstellung "Auge des Himmels" bei freiem Eintritt), die Bibliothek im Zechenhaus mit ihren 40 000 Medieneinheiten, die Industriekultur Saar (IKS) und auch der Gondwana-Park (ermäßigter Eintritt). Ein weiteres Highlight ist der neue Entdeckerpfad Haldenerlebnis Reden, der die beiden Halden am Madenfelderhof erschließt. mh

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