Ein Friedhof mit Geheimnis

Ein Friedhof mit Geheimnis

Wer hat das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof Beschberg in Brebach-Neufechingen gebaut? Der Brebacher Stadtteilmanager Manfred Hahn findet darauf keine Antwort. Alle Archive sagen: Die Akten sind weg.

Brebach-Fechingen. Wenn man will, klingt es nach einer Verschwörung: Akten werden bei einem Brand zerstört. Andere Unterlagen, die einen Hinweis geben könnten auf den Inhalt der zerstörten Akten, versinken im Hochwasser. Immer wenn der Mann, der nach den Unterlagen forscht, eine neue Spur findet, kommt er zu spät. Nichts ist mehr aufzufinden. Der Mann heißt Manfred Hahn, und er sagt: "Das sind schon einige Zufälligkeiten, die da zusammenkommen und die den Detektiv in mir wecken."Manfred Hahn ist Stadtteilmanager in Brebach. Zum Detektiv hat ihn eine Frage gemacht, von der er nicht vermutet hätte, dass sie ihn so sehr beschäftigen würde. Die Frage lautet: "Wer hat das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof Beschberg in Brebach-Neufechingen gebaut?"

Manfred Hahn war im Stadtarchiv, im Landesarchiv, im Archiv des städtischen Friedhofsamts. Hahn nahm Kontakt zum Landesdenkmalamt auf, zum Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis, zu einem Friedhofsfachmann, der über die zivile und militärische Friedhofs- und Grabkultur promoviert hat. Hahn sprach mit Leuten von der Brebacher Geschichtswerkstatt und der Kriegsgräberfürsorge. Das Ergebnis war für Hahn so merkwürdig wie ernüchternd: "Niemand weiß, wer das Denkmal gebaut hat, welcher Künstler das Relief geschaffen hat. Jeder würde es aber gerne wissen, sagt man mir und wünscht mir viel Glück."

Dass es keine Unterlagen zu dem Denkmal mehr gibt, führen einige von Hahns Gesprächspartnern darauf zurück, dass bei einem Brand 1962 "alle Akten im Brebacher Rathaus vernichtet wurden".

Hahn stand mit seinen "Ermittlungen" in einer Sackgasse - da kam ihm der Zufall zu Hilfe. Ein ehemaliger Brebacher Friedhofsmitarbeiter erzählte ihm, "dass es ein gewisser Willy Morgen gewesen sei, geboren 1902 in Trier, lange Jahre wohnhaft in Brebach". Belege dafür, dass dieser Willy Morgen das Denkmal geschaffen hat, fand Hahn aber nicht. Dafür aber Zweifel an der Urheberschaft Morgens. "In den Akten des Landesdenkmalamtes steht, dass das Denkmal zwischen 1925 und 1930 gebaut worden sei. Morgen war da noch gar kein Architekt, sondern laut Saarbrücker Einwohnerbuch Bautechniker. Einem so jungen Mann hätte man vermutlich den Auftrag nicht erteilt", vermutet Hahn. "Oder", fragt er sich, "stimmen Jahresangaben des Denkmalamtes nicht?"

Nachkommen, bei denen noch Unterlagen zu finden wären, hat dieser Willy Morgen offenbar nicht. Und auch dort, wo Hahn Hinweise vermutete, bei der Architektenkammer des Saarlandes nämlich, musste man passen. "Etliche Unterlagen, darunter die Mappe des Architekten Willy Morgen, sind bei einem Saar-Hochwasser in den Fluten untergegangen. Der Name ist zwar bekannt, was er aber wann gebaut hat, nicht", fasst Manfred Hahn sein Rennen in die nächste Sackgasse zusammen.

Eine Verschwörung? Zufall? Dumm gelaufen? Wie auch immer, Manfred Hahn will nicht aufgeben und hofft, dass irgendjemand etwas weiß - und sich die Wege dieses "Irgendjemand" mit seinen kreuzen. ols

Zwischen 1925 und 1930 soll das Denkmal auf dem Friedhof in Neufechingen gebaut worden sein. Aber von wem? Foto: Becker&Bredel.

Foto: Dietze

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