1. Saarland

Ein Freier Wähler geht von Bord

Ein Freier Wähler geht von Bord

Sulzbach. Kiebig, streitsüchtig, wichtigtuerisch, hinterhältig und politisch mit allen (Ab-)Wassern gewaschen? Bernd Schlachter kann bei solchen Attributen nicht mithalten. Wer ihn kennt, der weiß, dass der 56-Jährige grundehrlich, ein Mann der fairen Streitkultur, des gedeihlichen Miteinander, der leisen Töne und vor allem an der Sache orientiert ist

Sulzbach. Kiebig, streitsüchtig, wichtigtuerisch, hinterhältig und politisch mit allen (Ab-)Wassern gewaschen? Bernd Schlachter kann bei solchen Attributen nicht mithalten. Wer ihn kennt, der weiß, dass der 56-Jährige grundehrlich, ein Mann der fairen Streitkultur, des gedeihlichen Miteinander, der leisen Töne und vor allem an der Sache orientiert ist. Auch politische Gegner billigen ihm diese Eigenschaften durchaus zu. Nach 17 Jahren hat er sich nun als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler (FW) aus dem Sulzbacher Stadtrat verabschiedet. Und das hat mehrere Gründe, wie im Gespräch mit dem Gast in der Redaktion der Saarbrücker Zeitung klar wird.Nach Dienstjahren sei er mittlerweile der Älteste im Stadtrat, sagt Schlachter, der sich diesen Schritt offenbar reiflich überlegt hat: "Ich bin kein spontaner Entscheider", sagt er, "in jungen Jahren war ich leidenschaftlicher Schachspieler und habe jeden Zug genau überlegt." Seine Zeit, so der Sulzbacher, sei mittlerweile arg bemessen, gemeinsam mit seinen Geschwistern pflege er noch seinen betagten Vater ("die Familie geht vor"), und er müsse sich auch um die Sanierung seiner Immobilien in der Innenstadt kümmern, sagt der gelernte Elektroinstallationsmeister.

Und politisch? Da habe einiges "weh getan". So hätten er und seine Mitstreiter um den Erhalt des Freibades gekämpft. In Anbetracht der Haushaltslage habe man sich aber von diesem Gedanken schmerzlich verabschiedet. Allerdings sei er, Schlachter, dann vor wenigen Wochen "beinahe auf den A… gefallen", als er mitbekam, dass der Fokus des Interesses in Hinblick auf EU-Fördergelder nun auf die Sanierung des Bahnhofs und dessen Umfeld gerichtet sei. Dafür sollten Millionen aus der Stadt-Schatulle locker gemacht werden, "für einen Bahnhof, der uns nichts angeht". Ganz übel in Erinnerung hat Bernd Schlachter einen kommunalpolitischen Streit, der vier Jahre zurückreicht. Damals regte er sich darüber auf, dass Ex-Bürgermeister Hans-Werner Zimmer von einem "geschickten Schachzug des Kämmerers" sprach, als - am Stadtrat vorbei - eine Millionen-Investition zur Sulzbacher Gewerbeansiedlungsgesellschaft (SGA) und zur Kommunalen Dienstleistungsgesellschaft (KDI) verschoben worden sei, zugunsten des Gewerbegebietes Am Bruchwald in Neuweiler. Bürgermeister und SGA-Geschäftsführung hätten das "unter sich ausgemacht". Der Rat, sagt der frischgebackene Ex-Stadtverordnete, dürfe noch entscheiden, "welcher Blumenstrauß im Trauzimmer steht", aber in wichtigen Dingen habe er nicht viel zu melden. Das sei nicht in Ordnung.

Vereinsvorsitzender der Freien Wähler will Bernd Schlachter bleiben. "Wir passen auf", erinnert er dabei an den Spruch auf einem der FW-Wahlplakate. Und genau das werde er jetzt tun. Das sei auch der Auftrag der Wähler. "Wir gehören in die Opposition", sagt freundlich und friedlich der 56-Jährige.

Wer für ihn im Rat nachrückt, ist derweil noch nicht entschieden. "Der Rat darf entscheiden, welcher Strauß im Trauzimmer steht."

Bernd Schlachter zur Rolle

des Stadtrates