1. Saarland

Ein fließend elegantes Dirigat

Ein fließend elegantes Dirigat

Mit dem künstlerischen Leiter der Homburger Meisterkonzerte stand ein alter Bekannter am Pult: Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn eröffnete unter Markus Korselt die neue Saison. Das Publikum im Saalbau war begeistert.

 Markus Korselt führte die Besucher im Vorfeld des Meisterkonzertes im Saalbau in das Programm ein.
Markus Korselt führte die Besucher im Vorfeld des Meisterkonzertes im Saalbau in das Programm ein.

Es war eine erstaunliche Fülle musikalischer Eindrücke und Stimmungen, mit denen der Dirigent Markus Korselt und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn am Donnerstagabend die neue Saison Homburger Meisterkonzerte im Kulturzentrum Homburger Saalbau eröffneten. Als künstlerischer Leiter der Meisterkonzerte hatte Korselt die neun zu erwartenden Konzerte unter das Motto "con fuoco" (mit Feuer) gestellt. Mit höllischem, verzehrendem Feuer hat die griechische Sage von König Danaus und seinen mordbereiten Töchtern zu tun, die Antonio Salieri in seiner 1784 in Paris uraufgeführten Oper "Les Danaïdes" nacherzählte. Also geht es bereits in ihrer Ouvertüre "con fuoco" zu, deren dramatischer Grundzug zwischen Liebe und Tod die Gäste aus Heilbronn zu Höchstleistungen anspornte.

In seinem fließend eleganten Dirigat verwies Korselt in der Programmfolge aber auch auf andere Erscheinungen von Feuer, so beispielsweise auf das Erlöschen einer Kerze, ein Bild, das oft mit dem Erlöschen menschlichen Lebens in Verbindung gebracht wird. So erlebte der lettische Komponist Peteris Vasks 1983 das Sterben seiner geliebten Schwester und reagierte darauf mit seiner expressiven "Musica dolorosa". Sie brachte auch in der Homburger Aufführung Unerbittlichkeit, Trauer und Erschütterung zum Klingen, aber auch sieghafte Überwindung in aufbegehrender Klangfülle.

Um das Erlöschen einer Lebensflamme geht es auch im Gedicht "Der Tod und das Mädchen" von Matthias Claudius. Franz Schubert hatte es 1817 einem seiner berühmtesten Lieder unterlegt. Die eindringliche Klaviereinleitung und jene Liedpassage, in der der Tod das verzweifelte Mädchen beruhigt und sich ihm als Freund und Beschützer im Todesschlaf nähert, wählte er sieben Jahre später in seinem wohl bekanntesten Streichquartett d-Moll (D 810) als Thema der Variationen im zweiten Satz. Die im Saalbau zu hörende Orchesterfassung von Georg Oyen löste das Besetzungsproblem mit zwei zusätzlichen Kontrabässen auf elegante Art, wirkte gegenüber der vorzuziehenden Originalbesetzung dennoch etwas schwerlastig und verlangte von den ersten Violinen auch in den Variationen jenes Züngeln in höchsten Lagen, das die Intonation zuweilen knistern ließ.

In den beiden Romanzen für Violine und Orchester in G-Dur op. 40 und F-Dur op. 50 von Ludwig van Beethoven war Salieris Höllenfeuer längst vergessen. Das entrückte Spiel auf der Stradivari von Linus Roth erzählte mehr vom inneren Glühen eines Liebespaares, das sich in den wundervollen Dialogen zwischen der Solovioline und dem Orchester-Dialogen vorstellte. Es sind Konzertstücke von höchster Vollkommenheit, wenn man sie denn so makellos zu gestalten weiß wie Linus Roth und das Kammerorchester aus Heilbronn unter der einfühlsamen Leitung von Markus Korselt.

Und der entdeckte in der hartnäckig geforderten Zugabe tatsächlich noch eine weitere Feuererscheinung. Mit aufgesetzten Dämpfern malten die Streicher aus Heilbronn im Andante der 1. Cassation KV 63 des 13-jährigen Mozart das Verglühen der Sonne am Horizont nach und entließen ihre begeisterten Zuhörer auf den nächtlichen Heimweg.