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Ein Eheleben für das Kino

Ein Eheleben für das Kino

Völklingen/Saarbrücken. Zu ihrem heutigen 60. Hochzeitstag hatten Inge und Günther Theis fest vorgehabt, im Völklinger "Residenz"-Kino die Komödie "Ziemlich beste Freunde" aufführen zu lassen und mit Familie (zwei Töchter, ein Enkel) und Bekannten eine Party drum herum zu feiern

Völklingen/Saarbrücken. Zu ihrem heutigen 60. Hochzeitstag hatten Inge und Günther Theis fest vorgehabt, im Völklinger "Residenz"-Kino die Komödie "Ziemlich beste Freunde" aufführen zu lassen und mit Familie (zwei Töchter, ein Enkel) und Bekannten eine Party drum herum zu feiern. Für Menschen, die immer dem Filmgeschäft verbunden waren, wäre solch eine Liaison nur logisch gewesen.Doch entschied sich das wahre Leben für ein anderes Drehbuch: Das Völklinger Kino, das der Familie Theis bis heute gehört, das sie aber im Ruhestand verpachtet haben, musste vor wenigen Wochen mangels Rentabilität schließen, eine Reanimation für nur einen Abend ist technisch unmöglich. So wird die diamantene Hochzeit im beschaulichen Kreis begangen.

Bei aller Demut, solch ein seltenes Jubiläum in guter Gesundheit und geistiger Frische erleben zu dürfen, tut es dem "Film-Ehepaar" Theis in der Seele und fast schon körperlich weh, dass eine Mittelstadt wie Völklingen kein Lichtspielhaus mehr hat.

Dabei wäre nach Überzeugung der beiden auch zwischen den Konkurrenz-Spielorten Saarbrücken, Saarlouis und Bous auf dem Völklinger Markt Platz für einen leidenschaftlichen Unternehmer. Wären Inge Theis, geb. Vössing, nicht schon 82 und ihr Mann 85 Jahre alt, dann würden sie es vielleicht selber nochmal in die Hand nehmen.

Kennengelernt hatten sich die Bouserin und der Völklinger übrigens nicht im Kino, sondern als Heranwachsende im Tanzkurs. Dass sie so viele Jahrzehnte zusammen sind, darf als Beleg für die Vermutung betrachtet werden, dass sich Gegensätze oft verblüffend harmonisch ergänzen: er der ruhige Techniker und Kaufmann, sie die extrovertierte Programm-Macherin, er Fachzeitschriftenleser, sie Belletristik-Liebhaberin, er eher Krimi, sie eher Arte, er mehr Churchill, sie dann doch lieber Sport. Über allem stand als Klammer die Leidenschaft für das Filmgeschäft. Das junge Ehepaar trat zunächst in das etablierte Völklinger Lichtspielhaus-Unternehmen der Familie Theis ein. Um etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, gründeten sie 1959 in Saarbrücken zusätzlich die "Camera", zunächst als ganz normales Popcorn-Kino in Malstatt.

Unter der Leitung und Programmgestaltung von Inge Theis schlug das Haus aber dann rasch die neue Richtung zum legendären Filmkunsttheater und Keimzelle des Ophüls-Festivals ein. Günther Theis war über sein Engagement als Filmkaufmann hinaus auch über 20 Jahre als Regionalvertreter der Fluggesellschaft Luxair tätig und engagierte sich ehrenamtlich für die Interessen der Kinobetreiber. Bis heute ist er Leiter des Saarlandbüros im Hauptverband Deutscher Filmtheater.

Inge und Günter Theis nennen Toleranz, Vertrauen, gegenseitigen Respekt und Höflichkeit als Grundlagen für eine dauerhafte Beziehung. Sie nehmen Anteil am öffentlichen Geschehen und pflegen einen großen Bekanntenkreis mit sehr unterschiedlichen Interessen. Gern werden beide zehn Jahre jünger geschätzt.

Bei ihrer Energie wäre es nicht verwunderlich, wenn sie in fünf Jahren die eiserne Hochzeit mit einer Filmvorführung feierten - am liebsten in ihrem Völklinger "Residenz"-Kino, das bis dahin vielleicht wieder einen Betreiber hat.